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Aufschwung Ostfußball - Joachim Streich: „Trendwende zu erkennen“

Aufschwung Ostfußball - Joachim Streich: „Trendwende zu erkennen“

Auferstehung in Rostock, Aufstiegsträume in Dresden, Erfurt und Chemnitz sowie Etablierung in Liga zwei - nach Jahren der Tristesse schauen die Fußballclubs und Fans aus den neuen Bundesländern wieder optimistisch nach vorn.

Berlin. „Der Fußball-Osten lebt“, sagt Rainer Milkoreit, der als Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) auch die Bundesliga-Rückkehr der „Alten Dame“ Herta BSC in seine Bilanz miteinbezieht. „Wir haben wieder die Normalität erreicht, wir sind wieder in allen Ligen vertreten.“

Auch der Ausbau der Infrastruktur schreitet voran: Die beiden Thüringer Traditionsvereine Erfurt und Jena bekommen neue Stadien. Die wirtschaftliche Situation vieler Vereine bleibt dennoch schwierig.

„Es hat Jahre gedauert, bis jetzt endlich eine Trendwende zu erkennen ist“, sagt Joachim Streich, „ewiger“ Rekordtorschütze und Rekordnationalspieler der DDR. Als ehemaliger Rostocker freut sich Streich besonders über Hansas Zweitliga-Rückkehr. Aber auch die Entwicklungen in den anderen Ost-Vereinen stimmen das Urgestein positiv: „Bei vielen hat inzwischen die Vernunft gesiegt. Die finanziellen Dinge liegen in soliden Händen und im sportlichen Bereich arbeiten kompetente Leute. Das bringt den Erfolg.“

Erstaunlich jedoch: Die ehemals großen DDR-Vereine wie der BFC Dynamo (jetzt 5. Liga), Dynamo Dresden (3. Liga), der 1. FC Lok Leipzig (5. Liga) oder der Ex-Europacupsieger 1. FC Magdeburg (4. Liga) kicken unterklassig. Der Grund dafür liegt für Fußball- und Marketing-Experte Günter Netzer auf der Hand: „Diese Vereine konnten mit der neuen Situation nicht umgehen, dass sie die Unterstützung wie zu DDR-Zeiten nicht mehr haben. Andere, die es schneller begriffen haben, sind nach oben gekommen.“ Beste Beispiele: FC Erzgebirge Aue und der 1. FC Union Berlin.

Netzers Vermarktungsfirma „infront“ arbeitet derzeit mit den Ostclubs Rostock und Cottbus zusammen und sucht momentan einen neuen Hauptsponsor für den FC Energie. Keine einfache Aufgabe. Auch über 20 Jahre nach der Wiedervereinigung herrsche in der Vermarktung noch keine Chancengleichheit zwischen Ost und West: „Die absolute Akzeptanz ist noch immer nicht vorhanden. Das ist nicht gelungen. Wir versuchen es mit Argumenten, dass sich hier etwas entwickelt, das seriös gearbeitet wird“, sagt Netzer.

Ob die Vereine aus Ostdeutschland schon bald wieder in die Phalanx des deutschen Spitzenfußballs vordringen, bleibt daher fraglich. Trotz seriöser Arbeit. Denn die Kräfteverhältnisse im Fußball spiegeln auch die Wirtschaftsverhältnisse wieder. Und für Netzer liegt es „in der Natur der Sache, dass Vereine wie Energie Cottbus keine großen Sprünge machen können“. Bessere Chancen hätten traditionsreiche Clubs und Publikumsmagneten wie Hansa oder Dresden, die selbst in der dritten Liga über 20 000 Zuschauer anlockten. Doch sie leiden noch unter dem Missmanagement der vergangenen Jahre, das ihnen hohe Verbindlichkeiten eingebracht hat.

Der nordostdeutsche Fußballchef Milkoreit hofft indes weiter auf das Modell „RB Leipzig“ - auch wenn der vom Getränkegigant Red Bull finanziell unterstützte Emporkömmling in diesem Jahr am Ziel 3. Liga gescheitert ist. „In drei, vier Jahren wird Leipzig eine gute Rolle im deutschen Profifußball spielen“, sagt Milkoreit, der zugleich Vize-Präsident des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) ist.

André Wornowski, dpa

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