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„BVB ist keine One-Man-Show von Klopp" - der Erfolsgtrainer im LVZ-Interview

„BVB ist keine One-Man-Show von Klopp" - der Erfolsgtrainer im LVZ-Interview

Für BVB-Chef Acki Watzke steht fest: Sein Jürgen ist der beste Trainer der Welt. Erfolgscoach Jürgen Klopp ist d e r Unterhalter der Fußball-Szene, könnte jeden Tag in einem anderen TV-Studio sitzen, bescheidet täglich zig Interview-Anfragen der schreibenden Zunft abschlägig, gewährte dieser Zeitung aus alter Verbundenheit eine exklusive Telefon-Audienz.

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Jürgen Klopp, Trainer von Borussia Dortmund.

Quelle: Federico Gambarini

Leipzig. Der 46-Jährige über die legendäre Nacht von Wembley, Orientierungslosigkeit in fremden Betten, das Gesamtkunstwerk Borussia Dortmund und das Ende von Geheimratsecken.

Frage: Wie geht's denn so, Herr Klopp?

Jürgen Klopp: Na das ist mal eine Gesprächseröffnung, die warm ums Herz macht. Gut geht es.

Sie haben, nun ja, die ...

... Haare schön?

Ja, sehr schön. Sauer, dass die Verpflanzungs-Nummer publik wurde?

Es gibt Schlimmeres.

Ihr Kopfschmuck schien tagelang wichtiger als Erderwärmung, Flut und Drohnen. Werden der Fußball und seine Darsteller überhöht?

Wir haben mit Borussia Dortmund drei fantastische Jahre hingelegt, unsere Erwartungen immer übertroffen, großartige Momente erlebt, viele Menschen bewegt. Ja, man wird in solchen Zeiten überhöht. Mich muss aber keiner darauf hinweisen, dass es Wichtigeres im Leben gibt als Tore und Titel.

War die abgelaufene Saison für Sie die stressigste Ihrer Laufbahn?

Ja, war sie. Manchmal bin ich morgens im Hotel aufgewacht und musste erst mal überlegen, in welcher Stadt ich bin. Und ich habe mir mehr als einmal den Fuß gestoßen, wenn ich nachts auf Toilette musste und kein Lichtschalter zu finden war.

Meisterschaften, DFB-Pokal-Sieg und das Finale von Wembley. Alles wird an Ihnen festgemacht. Ist das Leben ungerecht?

Wir sortieren das in Dortmund richtig ein, wissen sehr genau, dass das kein One-Man-Show von Klopp ist. Der BVB ist ein Gesamtkunstwerk, besteht aus vielen Mosaiksteinen. Aus tollen, hochmotivierten Mitarbeitern, sensationellen Fußballern, einmaligen Fans.Wir haben in den vergangenen Jahren überwiegend gute Entscheidungen getroffen, die richtigen Weichen gestellt.

Sie werden im gleichen Atemzug mit Trainer-Legenden wie Jose Mourinho, Pep Guardiola und Jupp Heynckes genannt, sind Werbe-Ikone, Frauen-Schwarm. Lässt die Erdanziehung schon nach?

Nullkommanull, 95 Kilo heben nicht eben mal so ab. Ich habe mich überhaupt nicht verändert, habe weder den Freundeskreis noch meinen Kleiderschrank gewechselt. Wo Klopp drauf steht, ist immer noch Klopp drin. Mir ist es übrigens lieber, die Leute schätzen mich, als wenn gesagt wird, der Klopp ist ein Vollpfosten.

Sie hatten im Urlaub mit der Kaderplanung zu tun, konnten nur eine Woche am Strand von Ibiza richtig entspannen. Wie hat man sich einen Urlaubstag eines Mannes vorzustellen, der den Bekanntheitsgrad von Franz Beckenbauer übertrifft?

Frühstück, Handtücher packen, Handtücher auspacken, hinlegen, Sonnenmilch, sonnen, schwimmen, essen, trinken. Machen Sie das anders?

Wie viele Fans haben sich angeboten, Ihnen den Rücken einzucremen?

An einen Strand mit deutschen Urlaubern lege ich mich in der Tat nicht mehr so gerne. Das erste Foto ist nicht das Problem. Nach dem ersten kommen aber zig weitere, auch ungefragt. Das nervt dann irgendwann.

Ihr Strand war demnach ein spanisch besetzter.

Ja. In Ibiza stehen alle auf den FC Barcelona. Dass wir Real aus der Champions League geworfen haben, kam dort super an. Am Strand hat man gewartet, bis das Ehepaar Klopp abends die Tasche geschultert hat und hat dann freundlich nach Autogramm und Fotos gefragt. Lief lässig.

Wie denken Sie heute über das Finale von Wembley?

Nicht anders als unmittelbar danach. Wir haben fantastischen Bayern richtige Probleme bereitet, ihnen mutig die Stirn geboten, mit offenem Visier gekämpft und Fußball gespielt. Wir können stolz auf uns sein. Und wir müssen akzeptieren, dass wir gegen die wahrscheinlich weltbeste Clubmannschaft knapp verloren haben.

In den ersten 25 Minuten spielte Ihr BVB die Bayern an die Wand, rannte sich einen Wolf. War Ihnen klar, dass dieses Tempo nicht über 90 Minuten durchzuhalten ist?

Meine Jungs können dieses Tempo gehen, aber nicht im 56. Saisonspiel. Endspiele sind nach einer langen Saison sowieso nicht von Frische geprägt.

Ihr Kollege Jupp Heynckes hatte übers Jahr hinweg den Vorteil, auf hohem Niveau rotieren zu lassen. Machte sich das in Wembley bemerkbar?

Wie sagt man so schön: Die Bayern waren in der Spitze breiter aufgestellt. Ab der 70. Minute wurde es bei uns weniger, kamen die Bayern.

Laut Mats Hummels wäre der Gewinn der Champions League zu früh gekommen, hätte den Hunger auf Erfolg negativ beeinflusst.

Man darf das so sehen. Das heißt aber nicht, dass wir den Pott nicht liebend gerne gestemmt hätten. Ich hätte nix dagegen, das Ding mehrmals zu gewinnen.

Sie wirkten nach der 1:2-Niederlage auffallend unaufgeregt. Haben tränenreiche Erlebnisse als Trainer von Mainz 05 abgehärtet?

Das ist absolut so. Uns ist mit Mainz zweimal am letzten Spieltag der Bundesliga-Aufstieg flöten gegangen. Das war auch deshalb so dramatisch, weil wir damals dachten, dass wir nie mehr solche Chancen bekommen würden. 2004 sind wir dann aufgestiegen. Das hat mich gelehrt: Was gut ist, kommt wieder. Wenn man an sich glaubt und alles reinhaut, was man hat.

Sie stehen demnach in Bälde wieder in einem Endspiel der Königsklasse?

Warum denn nicht? Wir haben einen Top-Kader.

Der in der Spitze breiter aufgestellt ist.

Genau das.

Mario Götze hat 37 Millionen Euro in die Kasse gespült, trägt jetzt Lederhosen. Sie haben für insgesamt 46 Millionen Euro die Herren Pierre-Emerick Aubameyang, Sokratis Papastathopoulos und Henrich Mchitarjan geholt. Sind Sie zufrieden?

Hochzufrieden, nahezu glücklich.

46 Millionen sind eine Stange Geld.

Spieler, die wir gebrauchen können und unsere Niveau heben, gibt es nicht im Wühltisch. Die gibt keiner freiwillig her, die kosten Geld.

Ist das BVB-Tanzbein jetzt stabil genug für die Begängnisse Meisterschaft, Pokal und Champions League?

Ja. Wir sind gierig auf Erfolg. Man muss alles wollen, sonst kriegt man gar nix.

Sie sind seit 2001 Trainer. Wie hat sich Ihre Arbeitsweise verändert?

Als junger Trainer denkst du 24 Stunden am Tag an Fußball, willst nichts falsch machen, guckst zig DVDs von Gegnern und potenziellen Neuzugängen. Ich war wie eine Kerze, die an beiden Enden brannte, hatte zwei Handys. Manchmal hätte ich mich fast selber angerufen. Das ist nicht gesund und auch nicht zielführend. Ich habe gelernt, zu delegieren und auch mal Gas rauszunehmen.

Man sagt Ihnen ein besonderes Händchen bei der Wahl enger Mitarbeiter nach.

Da lag ich bisher immer richtig. Ich habe Top-Leute um mich herum, insgesamt sechs Co-Trainer. Denen vertraue ich menschlich und sportlich total, die dürfen selbstständig arbeiten.

Stimmt es, dass Sie beim Mainzer Weihnachtsmarkt als Weihnachtsmann verkleidet Glühwein getrunken haben?

Ja, das war ein Junggesellenabschied, wir wollten unter uns bleiben.

Klappte das?

Nein, da hat mich allen Ernstes einer an meinem Gang erkannt. Unglaublich.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.07.2013

Interview: Guido Schäfer

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