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Beim sächsischen Sportstammtisch drehte sich alles um Sponsoring

Sport und Wirtschaft Beim sächsischen Sportstammtisch drehte sich alles um Sponsoring

Wie kommt mein Verein an Geld? Um es vorweg zu nehmen - den ultimativen Tipp bekamen die rund 100 interessierten Zuhörer nicht geboten. Interessante Denkansätze aber doch eine Menge.

Thema beim Sportstammtisch: "Wie kommt mein Verein an Geld?"

Quelle: Christan Modla

Leipzig. Mario Basler malte ein Gespenst an die Wand. „Wir sollten uns zusammentun, austauschen, gegenseitig helfen. Sonst gibt es am Ende in Leipzig nur noch einen Verein, nämlich RB, denn die brauchen keine Sponsoren. Ich wünsche es mir nicht, aber ich befürchte, es wird irgendwann dazu kommen“, sagte der einstige Fußball-Star und jetzige Sport-Geschäftsführer beim 1. FC Lok.

Ein solches Szenario war nicht der Beweggrund von Hermann Winkler, Abgeordneter des Europaparlaments, einen sächsischen Sportstammtisch ins Leben zu rufen. „Ich will ein Netzwerk schaffen zwischen Sport, Wirtschaft, Medien und Politik“, sagte der frühere Präsident des Landessportbundes Sachsen. Am Montag erlebte der Stammtisch in Leipzig seine Premiere. Winfried Wächter, Ex-Sportchef dieser Zeitung, moderierte, neben Basler diskutierten Vertreter aus Sport und Wirtschaft über Sponsoring.

Satte 3 Milliarden Euro fließen aus der deutschen Wirtschaft pro Jahr in den Sport. Zentrale Frage, da schließt sich dann doch der Kreis zu Baslers Einlassung: Wie kommt mein Verein an Geld? Um es vorweg zu nehmen - den ultimativen Tipp bekamen die rund 100 interessierten Zuhörer nicht geboten. Interessante Denkansätze aber doch eine Menge.

Inka Müller-Schmäh ist Geschäftsführerin der Vereinigung Sportsponsoring-Anbieter, weiß also, worauf es ankommt. „Die Vereine müssen herausfinden, wer sie selbst sind, was anders ist im Vergleich zu anderen. Und dann muss man das Unternehmen finden, das genau diese Ziele bedient“, riet sie. Und in die Köpfe der Unternehmen müsse dieser Satz: „Sponsoring ist ein attraktives Werbeinstrument.“ Das unterschreibt Siegfried Bülow, aber Leipzigs Porsche-Chef spannte den Bogen weiter: „Es geht uns nicht darum, über das Sportsponsoring Autos zu verkaufen, das funktioniert nicht. Man folgt einer Strategie.“

Strategie seines Unternehmens sei neben der Förderung des Kinder- und Jugendsports in vielen Vereinen in Bietigheim Eishockey zu unterstützen, in Ludwigsburg Basketball und am Standort Leipzig die RB-Fußballer. Rührend sein Satz: „Persönlich würde ich gerne allen einen Gefallen tun.“ Das praktische Problem von Karsten Günther ist, dass er mit dem Aufstieg der DHfK-Handballer den Saisonetat von bisher 1,5 Millionen Euro auf 2,1 Millionen erhöhen will. TV-Gelder spielen im Gegensatz zu Fußball-Aufsteigern kaum eine Rolle. Der 1. FC Magdeburg erhält in der dritten Fußball-Liga 800 000 Euro, der SC DHfK in der Handball-Bundesliga 90 000 Euro. 

„Mit dem Fußball werden wir nie konkurrenzfähig sein“, konstatierte Günther, seine Strategie: „Wir verkaufen Sympathie und Vorbilder.“ Bei Jörg Dittrich, Präsident des Dresdner SC, hörte sich das ähnlich an: „Wir verkaufen Sympathie und Erfolg.“ Die DSC-Frauen sind deutscher Volleyball-Meister und siehe da: „Im Internetstream haben kürzlich mehr Leute Volleyball geschaut als das Fußballspiel Dynamo gegen Unterhaching.“ Überhaupt spiele das Internet eine immer wichtigere Rolle. Mit der Nutzung der sozialen Netzwerke lerne man sein Publikum kennen, man könne Medialeistungen verknüpfen und nachweisen, wie Sponsoring wirke.
 
Offen geblieben sind noch weitere Fragen. Was kleine Vereine tun können zum Beispiel oder das Sponsoring von Einzelsportlern – der frischgebackene Vize-Europameister im Kanuslalom Jan Benzien saß im Publikum. Die haben im Vergleich zu Teamsportlern weit weniger Möglichkeiten, sich zu präsentieren. Die haben es aber auch leichter, sich zusammenzutun, auszutauschen und gegenseitig zu helfen, was Mario Basler so am Herzen liegt.

Uwe Köster

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