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Clemens Meyer bringt „Äkschn“ auf die Leipziger Pferderennbahn

Neue LVZ-Kolumne startet Clemens Meyer bringt „Äkschn“ auf die Leipziger Pferderennbahn

Er ist Leipzigs wohl bekanntester Galoppfan: Schriftsteller Clemens Meyer verarbeitet die Welt der Pferderennen immer wieder in seinen Geschichten. Zum 150. Scheibenholz-Geburtstag will er mit einem eigenen Rennen für „Äkschn“ sorgen. Am Freitag startet seine neue LVZ-Kolumne.

Clemens Meyer ist so etwas wie Leipzigs Galopp-Botschafter. In diesem Jahr will der Schriftsteller seine Rennbahn-Frühschoppen im Scheibenholz fortsetzen und ein eigenes Pferderennen veranstalten.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Der 1. Mai im Scheibenholz ist für ihn Kult, ein jährlicher Pflichttermin. „Da muss man nicht mehr viel sagen“, findet Clemens Meyer und schwärmt von der Stimmung, wenn 20.000 Menschen auf die Pferderennbahn seiner Heimatstadt strömen. In diesem Jahr ist es der Aufgalopp zu einer besonderen Saison: Leipzigs älteste Sportstätte feiert ihren 150. Geburtstag. Schriftsteller Meyer („Als wir träumten“) ist seit Anfang vergangenen Jahres Präsidiumsmitglied des Reit- und Rennvereins Scheibenholz – und so etwas wie Leipzigs Turf-Botschafter.

Beim offiziellen Jubiläum am 16. September will der 39-Jährige selbst ein Rennen präsentieren, wie er nun verriet. Für den Preis der „Äkschn GmbH“ – einem von ihm mitgegründeten Künstlerkollektiv – sammelt der passionierte Galoppfan derzeit 10.000 Euro in einer privaten Crowdfunding-Aktion. 20 Förderer und Freunde aus Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft will Meyer für den Jubiläumsrenntag gewinnen. „Alle zahlen 500 Euro. Wir machen es aus Liebe zum Galoppsport“, erklärt er. „Es soll auch ein Signal sein: Jeder kann ein Rennen sponsern.“

Höhen und Tiefen als Pferdebesitzer

Ein Clemens-Meyer-Cup wurde bereits 2008 im Scheibenholz ausgetragen. Im selben Jahr hatte der gebürtige Hallenser den Preis der Leipziger Buchmesse für „Die Nacht, die Lichter“ erhalten. In dem Erzählband erschien auch seine bekannteste und 2012 von Regisseur Thomas Stuber zu einem preisgekrönten Kurzfilm verarbeitete Galoppgeschichte „Von Hunden und Pferden“, für die auch im Scheibenholz gedreht wurde.

Clemens Meyer im Scheibenholz-Stall mit dem Wallach Maresco.

Clemens Meyer im Scheibenholz-Stall mit dem Wallach Maresco.

Quelle: Dirk Knofe

Als langjähriger Pferdebesitzer erlebte der Bestseller-Autor bereits Höhen- und Tiefen. Vollblüter wie Villanesco und Moonlight Blues, bei Marco Angermann im Scheibenholz trainiert, starteten für seinen „Rennstall Leipzig“. Meyers bisher letztes Pferd Pesaro gewann Ende 2016 nach langer Durststrecke und zahlreichen Podiumsplätzen ein Rennen in Dresden – und musste anschließend nach einer Verletzung seine Galoppkarriere beenden. „Das haben wir im Winter entschieden“, erzählt der Literat mit Wehmut in der Stimme. Die Trainingskosten und überschaubaren Gewinne teilt er sich mit dem Leipziger Gastronom Dietrich Enk und dem Tierarzt André Schlaubke. Einmal in der Woche schaut Meyer auch im Stall vorbei, fachsimpelt mit dem Trainer und Insidern des Turfsports.

Derzeit hält die dreiköpfige Besitzervereinigung Ausschau nach einem neuen Vollblüter zur Pacht. Es soll kein Schnellschuss werden, sagt Meyer. „Im Galoppsport brauchst du die drei großen G’s: Geld, Glück und Geduld. Wenn du weniger Geld hast, brauchst du von den anderen beiden eben ein bisschen mehr“, sinniert der Pferdephilosoph, der auf Bahnen zwischen Paris, Berlin und Leipzig zuhause ist und dort immer wieder seine Geschichten ansiedelt.

Den Winterrennen auf dem zugefrorenen See in St. Moritz widmete Meyer seine jüngste Galopp-Episode – obwohl er selbst nie dort war, wie er zuletzt in der LVZ-Autorenarena gestand („Ich wollte hinfahren, aber ich hatte zu diesem Zeitpunkt kein Geld.“). Der Text erschien im März in seinem neuen Erzählband „Die stillen Trabanten“. Auch hier macht der Protagonist einen Abstecher nach Leipzig, in die „Alte Waage“. In dem Lokal, wo sich Jockeys, Trainer und Besitzer nach dem Absatteln treffen, will Meyer in diesem Jahr wieder seine Rennbahn-Frühschoppen fortsetzen, bei denen er Gäste aus der Turfszene zum Gespräch lädt.

„Bin immer noch Schüler“

Und was wünscht sich einer der größten Leipziger Galoppfans zum 150-jährigen Scheibenholz-Geburtstag? „Dass die Stadt endlich zu 100 Prozent hinter der Rennbahn steht und sie als eines ihrer Zentren begreift“, fordert Meyer mehr Unterstützung für den Turfsport, der aus seiner Sicht im Rathaus zu oft vernachlässigt wird. Weder der Oberbürgermeister noch der Sportbürgermeister haben sich für den 1. Mai angekündigt.

Meyer dagegen kämpft für „seinen“ Sport, der die Gesellschaftsschichten an der Totokasse vereint, vom Manager bis zu den Randfiguren, die er in seinen Geschichten so präzise porträtiert. „Am Wettschalter“, sagt Meyer, „sind alle gleich. Da gibt es keinen Klassenunterschied.“ Auch er ist bei jedem Renntag am Totoschalter anzutreffen. Seine Strategie: „Ich schaue mir die Pferde im Führring an, kaufe mir eine Sport-Welt (Galoppzeitung, Anm.d.R.) und studiere stundenlang die Formen.“ Von einer Wissenschaft sprach Clemens Meyer kürzlich und untertrieb maßlos: „Ich bin immer noch ihr Schüler.“

Von Robert Nößler

In einer neuen Kolumne wird Clemens Meyer ab sofort einmal im Monat aus der Welt des Galoppsports berichten. Der erste Teil erscheint am Freitag in der Leipziger Volkszeitung und auf LVZ.de.

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