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Der Teamplayer: Leipzigs Handball-Olympiasieger Peter Rost wird 65

Sportlerlegende Der Teamplayer: Leipzigs Handball-Olympiasieger Peter Rost wird 65

Er war das bescheiden im Hintergrund agierende Hirn der DDR-Olympiasieger-Mannschaft von 1980. Der Teamgedanke geht Peter Rost über alles – bis heute. Auch deshalb traut er seinen Nachfolgern in Rio viel zu.

Peter Rost war Spielmacher der Handball-Nationalmannschaft von 1980.

Quelle: dpa

Leipzig. Denkt man an die Handball-Olympiasieger von 1980, fallen einem Namen wie Wieland Schmidt oder Frank-Michael Wahl ein. Über Peter Rost, den Spielmacher, reden nur Insider. Am Mittwoch feiert er seinen 65. Geburtstag. „Es wird eine kleine Feier in Familie. Am Wochenende kommen Freunde und Bekannte. Ganz normal, wie immer“, fügt der Jubilar hinzu.

Dass er, der Ideengeber und spätere Kapitän, nie so im Fokus stand, stört Rost nicht. Handball ist eine Mannschaftssportart, da komme es nicht nur auf einen Einzelnen, sondern auf jeden Einzelnen an, lautet seine Maxime. So war es auch 1980. Das junge DDR-Team kannte niemand. Ähnlich wie das deutsche Team bei der diesjährigen Europameisterschaft. Deshalb machte Rost die EM auch solchen Spaß. Es habe enorm viele Parallelen zu seiner Mannschaft von einst gegeben. „Wir waren vor Olympia niemand. Jeder Spieler war wichtig. Jeder konnte das Spiel entscheiden.“ Beide Teams haben gezeigt, „was man in Mannschaftssportarten bewegen kann.“ Genau das hat er später auch als Trainer erfolgreich vermittelt: „Die, die die Tore vorbereiten, sind genauso wichtig.“

1980 in Moskau standen Rost und seine Teamkollegen ganz oben. „Wir haben danach alles bekommen - von Sekt bis Kaviar.“ Doch Rost weiß auch, wie es ganz unten ist. „Zum Beispiel als wir 1976 nach Berlin zum Rapport mussten“, weil man ausgerechnet gegen den Klassenfeind BRD in der Olympia-Qualifikation ausgeschieden war. Aber wirklich mit Niederlagen umzugehen lernte er erst als Trainer. War er erfolgreich, wie 1999 beim EHF-Pokalsieg mit dem SC Magdeburg oder dem Klassenverbleib mit dem ThSV Eisenach, war alles gut. „Hatten wir verloren, gingen manche Leute auf die andere Straßenseite. Dabei habe ich nichts anders gemacht als vorher.“

Als Kind war Peter Rost frühzeitig auf sich allein gestellt: Er war sieben Jahre, als sein Vater starb. Seine Mutter musste von früh bis spät arbeiten. Er und seine beiden älteren Brüder wurden mit Straßenfußball groß - auch deshalb hatte er nichts dagegen, dass sein Sohn Frank später einer der besten deutschen Fußball-Torhüter wurde. Mit Handballspielen begann Rost im Alter von zehn. Nie hat er ein Training ausgelassen.

„Heute geht es auch im Handball ums Geldverdienen“, sagt er und schließt die Trainer mit ein. „Wenn man sich aufgrund finanzieller Sorgen nicht mehr auf das Sportliche konzentrieren kann, macht es keinen Spaß mehr.“ Finanzielle Verluste als Trainer sowie die Entlassung wegen Insolvenz musste er verkraften. „Trotzdem ist dieser Beruf einer der schönsten“, meint Rost.

2003 beendete er seine Trainerkarriere. „Rückblickend war das wahrscheinlich auch gut so. Wer weiß, ob ich sonst heute noch leben würde“, resümiert Rost. Denn der sehr ruhig und ausgeglichen wirkende Leipziger war emotional immer stark dabei. „Ich habe mit der Mannschaft gelitten und bin auf der Bank rumgesprungen.“ Dort wurde ihm auch schon einmal schwarz vor Augen. 2009 erlitt er einen Herzinfarkt. „Wahrscheinlich waren es damals schon erste Vorboten“, vermutet Rost.

Bis 2005 arbeitete Rost noch als Berater und Sportmanager. Dann entschied er getreu seiner Lebenseinstellung „nur schwarz oder weiß“, dass es mit dem Handball zu Ende ist. Deshalb sehe er sich auch nicht jedes Spiel an. Doch die eine oder andere olympische Begegnung wird er sicher gemeinsam mit seiner Frau Christina, die zweimal Weltmeisterin wurde, verfolgen. Denn der jungen deutschen Mannschaft traut er viel zu. „Das Wichtigste ist, dass man an sich glaubt, dass man sich als Mannschaft einig ist und sich niemand zu einem absoluten Star entwickelt. Doch dafür ist der Trainer verantwortlich - er wird das schaffen“, glaubt Rost.

Von LVZ

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