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Der sächsische Weg im Leistungssport

Bund diskutiert Sportförderung Der sächsische Weg im Leistungssport

Mehr Gegen- als Rückenwind: Die Reform des deutschen Spitzensports sorgt weiter für viele Diskussionen. Bei der öffentlichen Expertenanhörung im Sportausschuss des deutschen Bundestags gab es zum Teil deutliche Kritik. Es gibt noch viele offene Fragen. Wir haben uns im Landessportbund Sachsen umgehört.

Schwimmen steht in Sachsen auf der Kippe – doch der LSB will die Sportart nicht fallen lassen.
 

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Am anderen Ende der Welt explodieren die Kosten für Olympia 2020. Ein Expertengremium in Tokio errechnete dieser Tage, dass die Spiele statt der geplanten 6,1 Milliarden nun 26,5 Milliarden Euro teuer zu werden drohen. Um den Neubau einiger Wettkampfstätten zu vermeiden, ist sogar die Verlegung der Ruder- und Kanurennsportwettbewerbe nach Chungju in Südkorea im Gespräch.

Um deutlich kleinere Beträge geht es im deutschen Sport, wo über den besten Weg Richtung Tokio sowie Olympia 2024 gestritten wird. Die Milliarden-Euro-Grenze jährlich für eine optimale Vorbereitung zu knacken – dies forderten und wünschten sich zuletzt Experten wie Schwimmtrainer Frank Embacher aus Halle „von einem reichen Land wie Deutschland“. In diese Kerbe schlug auch sein langjähriger Schützling Paul Biedermann, der den Profi-Sportler mit einem monatlichen Verdienst von 2000 bis 3000 Euro netto ins Gespräch brachte.

Beides wird nicht passieren. Der Bund bleibt bei 170 Millionen Euro, mit denen er den Spitzensport pro Jahr zu fördern gedenkt. Die Verteilung dieser Mittel und die gesamte Struktur der Kader und Stützpunkte stehen massiv auf dem Prüfstand. Die vom DOSB vorgeschlagene Reform erntete am Mittwoch bei der öffentlichen Expertenanhörung im Sportausschuss des Bundestags mehr Gegen- als Rückenwind, viele Fragen seien offen. Wissenschaftler bezweifelten, ob man die Medaillenaussichten und Fördermittel je Sportart tatsächlich über mathematische Formeln berechnen könne.

Aufmerksamer Beobachter im Sportausschuss war Christian Dahms. Der Generalsekretär des Landessportbundes (LSB) Sachsen meint: „Es ist nötig, dass wir uns über Reformen unterhalten, denn das System stagniert seit Jahren. Der Reformprozess ist auf dem Weg. Ob es ein guter Weg ist, lässt sich momentan so nicht sagen. Es geht um viele Detailfragen.“

Der Leipziger war selbst jahrelang als Vizepräsident für den Leistungssport in Sachsen zuständig – und bleibt dies selbstredend als „General“. Bei der Weichenstellung nach Rio und vor Tokio hat er zwei neue Gesichter an seiner Seite. Heike Fischer, Olympiadritte 2008 im Wasserspringen, hat sich ein Jahr lang in das Amt der Vizepräsidentin eingearbeitet und ist nun sportpolitisch gefragt, wenn es um die Neueinstufung der Sportarten geht. Neuer Fachbereichsleiter Leistungssport im Hauptamt ist Kersten Adler, der vor knapp zehn Jahren den Ironman auf Hawaii bewältigte und zuletzt für den Leistungssport in Thüringen mitverantwortlich zeichnete. Dahms über das Duo: „Wir sind perfekt aufgestellt mit ehemaligen Leistungssportlern im Haupt- und Ehrenamt.“ Adler wird von Vorgänger Jörg Müller eingearbeitet, dessen Berechnungsformel für die Förderung der Sportarten von vielen Experten gelobt wird. Spielen doch Faktoren wie die Anzahl der beteiligten Nationen je Disziplin und vieles mehr mit hinein. „Es ist schwer, Sportarten zu vergleichen“, weiß Adler: „Wir sind gezwungen, Äpfel und Birnen in ein Fördersystem zu packen.“

Dem LSB-Trio ist aufgefallen, dass sich die Umsetzung der DOSB-Pläne verzögert. „Ab 1. Januar 2018 muss die Reform greifen, sonst wird es unglaubwürdig“, sagt Heike Fischer. Gestern gab DOSB-Vorstand Dirk Schimmelpfennig jedoch zu, dass auch das Jahr 2018 ein Übergangsjahr werden dürfte. Kersten Adler dämpft zu hohe Erwartungen: „Es ist keine Revolution, die den Föderalismus abschafft. Es wird keine durchgehend zentralisierte Sportförderung geben.“ Auch deshalb betont Christian Dahms: „Es wird einen sächsischen Weg geben.“

Dies sei auch bisher der Fall gewesen. Als der Spitzenverband beispielsweise jahrelang den sächsischen Ringern den Schwerpunkt-Status verweigerte, erlaubte sich der LSB eine andere Meinung, hielt die Förderung aufrecht – und sieht sich nun bestätigt. Auch Gewichtheben – zuletzt vom Bundesinnenminister wegen der weltweiten Dopingproblematik in Frage gestellt – werde als Traditionssportart in Sachsen erhalten. Christian Dahms argumentiert auch für den Schwimmsport: „Wir werden die Förderung nicht ganz runterfahren und 200 Schüler von den Sportschulen nehmen. Das wäre ein fatales Zeichen.“ Zumal sich Talente wie Louis Dramm (14) von den Dresdner Delfinen anschicken, die Schwimm-Misere im Freistaat zu beenden. Der LSB mache sich für den Trainerberuf stark, forciere die Talentsichtung über Regionaltrainer und spreche sich gegen Dumping-Löhne in dieser Berufsgruppe mit den familienunfreundlichen Arbeitszeiten aus. „Der Trainer ist wie eine Mutti“, meint Christian Dahms: „Er ist immer da. Wenn er dafür nicht gut bezahlt wird, wird es schwierig.“

Von Frank Schober

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