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Die Angst in Leipzig war tief verwurzelt

Die Angst in Leipzig war tief verwurzelt

Beifall gab es schon fünf Minuten vor Beginn beim Gruppenfoto der Gäste. Die Sympathien gehörten ganz besonders dem sächsischen Trainer-Urgestein Gerd Schädlich vom Chemnitzer FC.

Vor allem, als Moderator und LVZ-Sportchef Winfried Wächter meinte: "Viele sagen heute noch, wenn er in Leipzig Trainer geblieben wäre, wäre die Entwicklung hier anders verlaufen." Darauf erwiderte Alexander Zorniger (RB Leipzig) voller Respekt: "Wenn Gerd beim FC Sachsen geblieben wäre, dann säße ich jetzt wohl gar nicht hier."

Schädlich, der in Leutzsch 1997 nach sechs Spielen gefeuert wurde, relativierte: "Nicht nur in Leipzig wurden viele Fehler gemacht, sondern auch in Dresden. Das sind die Hochburgen im Osten. Ich finde es nicht okay, dass immer wieder gejammert wird. Es ist sicher problematisch im Osten, aber auch nicht so schwer, wie es immer behauptet wird."

Er sei kein RB-Fan (die Bemerkung erzeugt Lacher), "aber Lok und Sachsen hatten ihre Chancen, die sie leichtfertig verspielt haben. Leipzig ist ein schlafender Riese. Dass bei dem Stadion irgendwann ein Investor kommt, halte ich für normal", ergänzte Schädlich.

Auch wenn der in Lotte am seidenen Faden hängende Aufstieg schon ein paar Wochen her ist, erinnerte Zorniger an die nervenaufreibende Relegation, die er mehrfach als Schwachsinn bezeichnete: "Ich habe spätestens im Winter gespürt: Die Angst in Leipzig war tief verwurzelt, dass es wieder nichts wird."

Dass RB nun häufig als Kandidat für den Durchmarsch gehandelt wird, schmeckt ihm offensichtlich nicht. "Wir sind Aufsteiger", wiegelte Zorniger ab. Es seien zudem acht, neun Mannschaften, die von den Experten vorn genannt werden.

Eine Bemerkung verkniff er sich indes nicht: "So oder so sind wir der attraktivste Aufsteiger der letzten Jahre." Indiz: Das Spiel am Freitag in Halle (20.30 Uhr/MDR) war in zwei Stunden ausverkauft. Dieter Strozniak, der HFC-Chefcoach Sven Köhler wegen eines zeitgleichen Fanforums daheim vertrat: "Es ist eine große Ehre für uns, das Eröffnungsspiel machen zu dürfen. RB ist auch ein Reizpunkt in Halle."

Strozniaks Team gleicht aus heutiger Sicht womöglich eine Wundertüte: "Bei uns sind 12 Spieler gegangen, 13 gekommen. Ich weiß aber, dass wir eine Mannschaft haben, die in der Liga mithalten kann." Es sei schwierig, Spieler nach Halle zu locken: "Da sind viele finanzielle Vorstellungen übertrieben. Wir haben ein begrenztes Budget und können den Jungs nicht die Bedingungen bieten wie RB, zumal unser Nachwuchszentrum abgesoffen ist." Gerd Schädlich (60) nannte ein Argument, das für den HFC spricht: "Es gab Zeiten, da hatte Chemnitz mehr Zuschauer als der HFC. Jetzt hat Halle aber ein neues Stadion, das zieht die Fans an." Zu einem Chemnitzer Neubau sagte er: "Ich glaube, dass ich es noch erleben werde - aber als Rentner."

Für den Österreicher Walter Kogler, neuer Trainer des FC Rot-Weiß Erfurt, ist Mitteldeutschland kein unbekanntes Terrain: "In meiner Kindheit habe ich viele Europacup-Spiele mit Mannschaften dieser Region gesehen." Die dritte Liga stuft er weit oben ein: "In Deutschland ist dies eine absolute Profiliga, das unterscheidet sie von anderen Ländern. Unsere Erstligisten aus Österreich machen immer gern Testspiele gegen solche Teams." Zu den Ambitionen des FC Rot-Weiß sagte der 45-Jährige: "Uns kann man im Moment nicht zu den Favoriten zählen. Mit den Vorbereitungsspielen sind wir von den Resultaten her sicher nicht zufrieden, aber wir sind erst seit drei, vier Wochen zusammen. Es dauert, ehe sich die Mannschaft findet."

Gerd Schädlich versuchte zwar, den Ball flach zu halten, meinte aber: "Wir waren Sechster. Ich müsste sofort entlassen werden, wenn ich sagen würde, wir wollen Achter werden. Wir haben das erste Mal keine Leistungsträger verloren und uns zielgerichtet verstärkt." Es sei aber schwer, die Stärken der Mannschaften einzuschätzen. Nach zwei Jahren in dieser Liga schätzt er ein: "In der dritten Liga wird schon technisch besserer Fußball gespielt. Um da zu punkten, müssen wir an die Grenzen gehen. Wir waren nicht von ungefähr im Pokal-Finale gegen RB platt. In der Regionalliga haben wir auch mal mit 80 oder 90 Prozent unserer Leistung gewonnen."

Auch der Humor kam nicht zu kurz: "Im Pokal sind auch schon Traditionsmannschaften gescheitert", sagte Schädlich. "Wie wir", entgegnete Zorniger - und hatte die Lacher auf seiner Seite. Frank Schober

@Ein Video der Veranstaltung ist unter www.lvz-online.de zu sehen

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.07.2013

Frank Schober

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