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Die neuen Wege des Boxens - Leipziger will Sportler wieder an die Weltspitze führen

Die neuen Wege des Boxens - Leipziger will Sportler wieder an die Weltspitze führen

Die meisten Menschen genießen mit 65 Jahren den Ruhestand. Nicht Michael Bastian. Der Leipziger startet noch mal durch: Er wurde zum Cheftrainer des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV) berufen, zuvor war er Bundestrainer für Leistungsdiagnostik.

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Box-Bundestrainer Michael Bastian.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der Sportwissenschaftler möchte dazu beitragen, dass Deutschlands Olympische Boxer, früher nannten sie sich Amateur-Boxer, wieder in der Weltspitze mitmischen - und zwar auf neuen Wegen, die vom Weltverband Aiba aufgezeigt werden.

Dessen Funktionäre wollen das Imageproblem der Sportart lösen. Bastians Augen leuchten, wenn er die Pläne erklärt, die zum Teil bereits in der Praxis umgesetzt werden. "Ziel ist es, unter dem Dach der Aiba dem jetzigen Profi-Boxen in seinen verschiedensten Versionen wie IBF, WBC, WBA, WBO ernsthaft Konkurrenz zu machen. Das IOC möchte, dass bei Olympischen Spielen die besten Boxer der Welt im Ring stehen", weiß Bastian.

Der Weltverband lässt sich das viel Geld kosten. Allein für die World Series of Boxing (WBS), die in ihre vierte Saison geht, stellt er 5,8 Millionen Euro zur Verfügung. In diesem Wettbewerb kämpfen zwölf zum Teil mit Legionären aus anderen Ländern verstärkte Nationalmannschaften gegeneinander. Und zwar in profihafter Art. Es gibt fünf Gewichtsklassen, in denen die Boxer in fünf Runden mit freiem Oberkörper und ohne Kopfschutz gegeneinander antreten. In Leipzig stellte sich das deutsche Team, damals unter dem Namen Leipzig Leopards, beim 4:1-Sieg gegen die Bosporus Istanbulls vor. Nur 500 Zuschauer kamen am 4. Dezember 2011 in die Grube-Halle. Inzwischen nennt sich die Mannschaft German Eagles.

Die WBS bietet einen besonderen Anreiz: In der Saison 2015/16 qualifizieren sich die fünf jeweils besten Einzelkämpfer der Rangliste für Olympia in Rio de Janeiro. Erstmals ist auch die Box-Weltmacht Kuba vertreten.

Doch jetzt holt die Aiba zum großen Schlag gegen das Profiboxen in seiner bisherigen Form aus. Sie gründet eine eigene Serie für Berufsboxer, "Aiba Professional Boxing" (APB) genannt. Hier sollen die jeweils zwölf Besten pro Gewichtsklasse gegeneinander antreten. Jedem Fighter, der bei der APB einen Vertrag unterschreibt, werden vier Kämpfe pro Saison garantiert - und das bei respektabler Gage. "Die Boxer kämpfen acht Runden. Wenn es um den WM-Titel geht, können es auch zwölf Runden sein", erklärt Bastian und ergänzt voller Stolz: "Alle Olympiasieger von London 2012 haben bereits einen Vertrag bei der APB. Man sieht: Geld ist nicht alles. Wobei ja in den jetzigen Versionen nur die absoluten Spitzenleute die Großverdiener sind." Die APB bietet den zusätzlichen Anreiz, dass die besten Fünf bis Sieben, je nach Gewichtsklasse, bei den Olympischen Spielen starten dürfen.

Bastian weist zudem auf die günstigen Bedingungen für die deutschen Athleten hin, die in den Aiba-Serien in den Ring steigen. "Viele sind abgesichert mit dem Paket aus Mitteln des Bundesinnenministeriums, der Stiftung Sporthilfe sowie Bundeswehr oder Polizei. Sie können zudem in der WSB und APB gutes Geld verdienen, brauchen ihre Trainingslager nicht zu bezahlen." 3000 Euro für einen Kampferfolg bei der WSB sind nicht zu verachten. Sicher auch deshalb gaben internationale Spitzen-Boxer wie Stefan Härtel (Berlin, -75 kg), Erik Pfeifer (Lohne, +91 kg) und Kevin Künzel (Halle, -81 kg) bereits ihre Zusage für diese Serien. Der Hallenser wird den Premieren-Kampf der APB im Rahmen der Europameisterschaft in Minsk gegen den Franzosen Mathieu Bauderlique bestreiten.

Der bereits WBS-erfahrene Härtel gibt sein Profi-Debüt in Rio. Dort trifft er am 6. August auf den Brasilianer Esquiva Falcão, Silber-Gewinner der Spiele von London, wo der 25-Jährige im Viertelfinale nach umstrittenem Urteil mit 10:15 gegen den Engländer Anthony Ogogo ausschied. "Ich will eine Olympia-Medaille. Mit Platz sechs bei der APB wäre ich für Rio qualifiziert. Ich kann als APB-Profi zwar nicht reich werden, bin aber als Sportsoldat gut abgesichert und kann mein Studium im Lehramt Sport/Geschichte fortsetzen", sagt Härtel.

Ulf Steinforth macht die neue Profi-Serie nicht schlaflos. "Ich bin Promoter, warte erst mal ab. Vielleicht ist das auch was für mich. Ankündigen kann man viel, aber die Leute müssen auch erst mal was auf die Beine stellen", meint der Chef des erfolgreichen Magdeburger Boxstalls SIS.

Bastian hat als Trainer ein Nahziel - die EM des Olympischen Boxens in Minsk (1. bis 8. Juni). "Zwei Medaillen möchten wir schon holen." Eine schwere Aufgabe, aber dort werden Aushängeschilder wie Härtel und Pfeifer kämpfen. Bei der WM im Oktober fehlt das Duo, weil es APB-Wettkämpfe bestreitet.

Wichtiger ist für den Leipziger Sportwissenschaftler, dass sich die Medien für die neuen Serien interessieren. Das sei der einzige Weg, dem Profi-Boxen in seiner jetzigen Form ernsthaft Paroli zu bieten. Norbert Töpfer

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.05.2013

Norbert Töpfer

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