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Eilenburger Skispringerin Ulrike Gräßler im Anflug auf Olympia

Eilenburger Skispringerin Ulrike Gräßler im Anflug auf Olympia

Das Wintermärchen schreibt viele Kapitel. Aufregende, traurige, schöne, weniger erfreuliche, bahnbrechende, traumhafte, schmerzhafte - Ulrike Gräßler (26) hat in ihrer bemerkenswerten Karriere alles durch- und mitgemacht.

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Nur fliegen ist schöner: Die Eilenburgerin Ulrike Gräßler mit tadelloser Haltung in der Luft.

Quelle: dpa

Die Krönung soll am 11. Februar in Sotschi folgen, wenn die Olympiasiegerin im Skispringen gesucht wird.

"Sie hat's". Punkt. Ruhe am Ende der Leitung. Robby Gräßler fügte an: "Das war noch mal tüchtig spannend." Der Papa, die ganze Familie ist glücklich über die Entscheidung pro Ulrike. Und es war wirklich keine leichte. Nach der Rückkehr vom Weltcup in Japan teilte Coach Andreas Bauer seinen Springerinnen die Entscheidung mit. Für Ramona Straub (20) vom SC Langenordnach, eine Schanzenlady der aufstrebenden Generation, blieb nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der erfahrenen Teamkollegin der Olympia-Traum unerfüllt. Beide hatten die Norm erfüllt. "Klar war sie enttäuscht", erfuhr Ulrike Gräßler im langen Telefongespräch. "Sie hätte es ebenso verdient wie ich. Doch sie gönnt es mir, weil ich so viel für den Sport getan habe." Der 50-jährige Cheftrainer, selbst Olympia-Starter von 1984 in Sarajevo, hatte noch versucht, eine fünfte Springerin als Ersatz mitzunehmen - vergeblich.

Die Pionierarbeit in der modernen Ära ab 2002 wurde auch schon mal als "Hüpfer-Zeit" belächelt. Das Lachen verging den Spöttern. Bereits 2010 kämpften die Frauen um den Start bei den Olympischen Spielen in Vancouver. Doch ein kanadisches Gericht wies die Klage von insgesamt 15 Springerinnen aus Europa, den USA und Kanada auf Aufnahme des Wettbewerbs ins olympische Programm zurück. Zu den Klägerinnen gehörte Ulrike Gräßler, Vizeweltmeisterin bei der WM-Premiere im Februar 2009 in Liberec. Anfang April 2011 bestätige das IOC einen erneuten Antrag zur Aufnahme des Damen-Skispringens für die Sotschi-Spiele.

Der erste große Sprung. Im heißen August 2003 sicherte sich Ulrike Gräßler auf der Pöhlbachschanze den deutschen Meistertitel. Familie Gräßler applaudierte wie so oft, drückte vor Ort die Daumen. Der Titelkampf fand im Rahmen der FIS-Ladies-Tournee statt. Überlegen setzte sich damals Anette Sagen durch. Auch die Norwegerin gehört zu den Frauen der ersten Stunde, war fortan eine der Spitzenkräfte - für Sotschi hat sich die 29-Jährige nicht qualifiziert.

Rückschläge entfachten bei "Ulle" stets neuen Kampfgeist. 2005 brach sie sich nach einem Sturz zum Auftakt der Ladies-Tour das rechte Handgelenk. In Bad Düben wurde der Pechvogel operiert. Vorbei war es mit der deutschen Titelverteidigung. "Diese Zwangspause hat sie nur noch mehr angespornt. Sie wollte trotz des Handicaps die Beste werden", sagte seinerzeit ihr Klingenthaler Trainer Heinz Wosipiwo. Der 63-Jährige war jetzt einer der ersten, der zum Olympia-Ticket gratulierte. "Du hast es dir verdient." Der Handbruch war für die Überfliegerin kein Beinbruch. Mit Schraube im Gelenk lief es wie geschmiert. Der weiteste Wettkampf-Sprung (97 m) gelang in Vikersund, im Oberstdorfer Training wurde ein Satz auf 126 m notiert.

Der Olympia-Countdown. Im Sommer vergangenen Jahres setzte die vom Eilenburger Trainer Bodo Dotzauer entdeckte und geförderte Athletin Akzente. Dann der Schock im September. Wenige Stunden nach dem Grand Prix im russischen Nishny Tagil musste Ulrike Gräßler mit starken Schmerzen im Unterleib ins Krankenhaus eingeliefert werden, wo ihr in einer Not-OP der Blinddarm entfernt wurde. Nach dem Intermezzo in Russland verbrachte die Bundespolizistin noch drei Tage in der Eilenburger Klink. Ende Oktober kehrte sie in Oberstdorf auf die Schanze zurück. Aus dem Allgäu meldete sich gestern eine überglückliche Ulrike Gräßler.

"Ich habe es geschafft, zwar auf den letzten Drücker, aber für dieses Ziel habe ich immer gekämpft. So richtig kann ich das alles noch gar nicht realisieren. Ich glaube, das gelingt mir erst in Sotschi." Wie sich Olympia zumindest in der Kleiderfrage anfühlt, konnte sie am Dienstag im bayrischen Erding bei der Einkleidung der Ski-Damen erfahren. Bis zu 69 Einzelstücke erhält jeder Sportler - sogar Zahnbürsten. Zur Eröffnungsfeier am 7. Februar werden die Deutschen in Designerklamotten einlaufen, die an einen Kanarienvogelaufstand erinnern. Gelb-weiß-grün-blau sind die Jacken, die Frauen tragen dazu modisch gewagte rote Hosen mit wildem Blumenmuster.

Die verbleibende Zeit nutzt die Weltcup-19. Gräßler, ihre Form weiter zu verbessern, hundertprozentig fit zu werden. Am Wochenende fliegt das Team nach Planica zum nächsten Weltcup. Noch am Sonntagabend will sie erst mit dem Team-Bus und dann im eigenem Auto nach Hause fahren. In Eilenburg wartet die Familie und ein paar Tage Entspannung. Es wird die Verschnaufpause vor dem Sturm.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.01.2014
Kerstin Förster

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