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„Ein zweites Leipzig kann sich Deutschland nicht leisten"

„Ein zweites Leipzig kann sich Deutschland nicht leisten"

Die SPD-Politikerin Dagmar Freitag ist seit November 2009 Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. In im Interview äußert sich die 57-jährige Iserlohnerin zurückhaltend zur Bewerbung von München für die Olympischen Winterspiele 2018: „Ein zweites Leipzig kann sich Deutschland nicht leisten.

Düsseldorf. Wenn wir uns bewerben, muss es eine erfolgversprechende Bewerbung sein.“ Außerdem plädiert sie für ein Gesetz gegen Sportbetrug.

Der Anschlag auf die togoische Fußball-Nationalmannschaft hat die Frage nach der Sicherheit bei der WM in Südafrika aufgeworfen!

Dagmar Freitag:

„Wir waren vor einem Jahr mit einer Delegation des Sportausschusses in Südafrika und hatten Gelegenheit, uns zu informieren. Ich unterstelle, dass es das höchste Ansinnen der Organisatoren sein wird, die Sicherheit zu gewährleisten. Nichts wäre schlimmer für Südafrika und für den ganzen afrikanischen Kontinent, als wenn die Fußball-WM kein Erfolg würde. Man täte Südafrika Unrecht, würde man die Sicherheitsproblematik von Angola Eins zu Eins übertragen. Aber man muss klar sagen: bei Großveranstaltungen bleibt auch immer ein wenig das Prinzip Hoffnung, dass nichts passiert. Hundertprozentige Sicherheit ist nicht zu gewährleisten. Nirgendwo.“

Bayerns Justizministerin Beate Merk hat ein Gesetz zum Schutz des Sports vorgeschlagen?

„Bei dem Gesetzentwurf geht es auch um eine erfolgversprechendere Doping-Bekämpfung. Und man muss keine prophetische Gabe haben, um vorherzusagen, dass uns das Thema auch in dieser Legislaturperiode weiterhin beschäftigen wird. Es gibt ernstzunehmende Juristen, die sagen, es macht Sinn, einen Straftatbestand Sportbetrug einzuführen. Andere wiederum äußern sich hierzu eher skeptisch. Aber auch Doping könnte nach meinem Verständnis darunter subsummiert werden. Denn natürlich ist es Betrug, wenn ich meine Leistung manipuliere, mir einen Vorteil im Wettbewerb und hinterher bei der Sponsoren-Akquise verschaffe.“

Das von der SPD angestrebte Anti-Doping-Gesetz würde darin aufgehen?

„Der von Frau Merk gewählte Begriff hätte den Vorteil, dass der ’Kampfbegriff’ Anti-Doping-Gesetz weg wäre, der bei einigen schon allein zu Aversionen führt. Ein Gesetz zum Schutz des Sports hat ein breiteres Dach, unter dem man mehr unterbringen kann als ausschließlich die Dopingbekämpfung. Im Moment sehe ich aber keine realistische Chance, dass der Gesetzesentwurf aus Bayern überhaupt den Bundesrat erreicht. Aber wer weiß, was uns in den kommenden Jahren noch erwartet. Es soll doch keiner glauben, dass nicht noch gravierende Dopingfälle kommen werden. Und deshalb bleibt sicher auch die Diskussion um den Gesetzentwurf auf der Tagesordnung.“

Wie geht die deutsche Gesellschaft mit dem Doping-Thema um?

„Mir ist sehr wichtig, den gesellschaftlichen Blickwinkel ein wenig zu verändern. Meine Vorstellung ist, dass wir in Deutschland ein dopingfeindliches Klima schaffen müssen. Doping muss geächtet und nicht ausgeblendet oder achselzuckend hingenommen werden. Da gehören wir alle ins Boot. Politiker sollten sich auch mal mit den Athleten ablichten lassen, die keine Medaille gewonnen, aber erkennbar ihr Bestes gegeben haben. Und bei Großveranstaltungen sollten man nicht nur auf den Medaillenspiegel schauen, sondern eben auch die anderen Leistungen in den Fokus nehmen. Diese Aufforderung richte ich auch an die Medien, denen aber unbestritten das Verdienst gebührt, die Diskussion um die Dopingmachenschaften ins öffentliche Bewusstsein transportiert zu haben.“

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) würde wie 2006 in Turin auch in Vancouver gern wieder Platz eins in der Nationenwertung gewinnen!

„Es ist natürlich legitim zu sagen, wir wollen bestmöglich abschneiden. Ob man das mit der Erwartung formulieren muss, dass es unbedingt Platz eins sein muss, weiß ich nicht. Der DOSB entscheidet selbst, mit welchem Anspruch er seine Athleten ins Flugzeug setzt.“

Wie wichtig ist die Bewerbung Münchens um die Olympischen Winterspiele 2018 für das Land?

„Grundsätzlich ist es für ein Land von herausragender Bedeutung, eine der drei Topveranstaltungen - Olympia, Fußball- und Leichtathletik-WM - ausrichten zu dürfen. Da haben wir in der Vergangenheit gezeigt, dass wir es gut machen und gute Gastgeber sind. Die Welt kommt gerne nach Deutschland. Schwer abzusehen ist im Moment, wie die Akzeptanz der Bevölkerung für München 2018 sein wird. Bei Winterspielen gibt es in der Regel größere Widerstände, weil es auch um teilweise gravierende Eingriffe in die Natur geht. Ohne eine breite Unterstützung von Sport, Politik und Gesellschaft ist eine Bewerbung kaum erfolgversprechend. Noch ist nach meiner Wahrnehmung das Thema nicht richtig in den Köpfen der Menschen angekommen.“

Unterstützen Sie die Olympia-Bewerbung?

„Ein zweites Leipzig kann sich Deutschland nicht leisten. Wenn wir uns bewerben, muss es eine erfolgversprechende Bewerbung sein. Zur Zeit verfolgen wir intensiv den Stand der Vorbereitungen, aber auch die mit der Bewerbung verbundenen Widerstände aus Politik und Interessengruppierungen.“

Im Zuge der Traineroffensive will der DOSB als Anreiz für Trainer im Spitzensport Prämien für Medaillengewinne ausloben - 50 000 Euro sind für Gold geplant. Was halten Sie von so einer Erfolgsbeteiligung, die aus Bundesmitteln finanziert werden soll?

„Ich halte dies nicht für gut und auch nicht für eine Sache des Steuerzahlers. Diese Traineroffensive, die ich ausdrücklich unterstütze, hat doch das Ziel, den Trainerberuf für junge, hoch qualifizierte Trainer überhaupt erst attraktiv zu machen und die bereits angestellten Trainer endlich angemessen zu bezahlen. Aus meiner Sicht ist es wesentlich sinnvoller, den Trainern im Rahmen der Traineroffensive grundsätzlich ein attraktives Gehalt zu zahlen. Das ist motivierender, als sie davon abhängig zu machen, ob die Tagesform ihrer Athleten bei Olympischen Spielen oder einer WM stimmt. Das birgt nach meiner Einschätzung mehr Gefahren als Nutzen.“ 

Interview: Andreas Schirmer, dpa

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