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Einem Fan ist kein Weg zu weit - HSV-Fanclub Nordsachsen beim Kaiserslauternspiel

Einem Fan ist kein Weg zu weit - HSV-Fanclub Nordsachsen beim Kaiserslauternspiel

Einmal Kaiserslautern hin und zurück. Über 1100 Kilometer an einem Tag, jeweils sieben Stunden Busfahrt für eine Strecke. Die Mitglieder des HSV-Fanclub Nordsachsen hatten sich für den vergangenen Sonnabend eine ordentliche Tour vorgenommen.

Delitzsch/Kaiserslautern. Aber: Einem Fan ist bekanntlich kein Weg zu weit. Deshalb galt es einen Bundesligaspieltag lang, die Gesäßmuskeln auf der langen Busfahrt zu trainieren und die Stimmbänder im Stadion auf die Probe zu stellen.

27 nordsächsiche Anhänger des Hamburger Sportvereins wollten dabei sein, wenn ihr Team gegen den FC Kaiserslautern spielt. Zwar ist das eine ansehnliche Zahl an Teilnehmer, aber dennoch etwas Wenige für einen großen Omnibus. "Deswegen haben wir uns zum ersten Mal mit einem weiteren Fanbund aus Berlin zusammen geschlossen", erklärte Sven Donath, zweiter Vorsitzender des Club Nordsachsen. Doch in diesem Fall gestaltete sich aller Anfang etwas schwierig.

Pünktlich 5.30 Uhr sollten die Hauptstädter am Delitzscher Busbahnhof einreiten, um dann alle gen Westen der Republik zu bringen. Doch die Berliner hatten sich verschiedene Treffpunkte ausgemacht und sich vor Abfahrt nicht zusammengefunden. Letztlich rollten sie mit anderthalbstündiger Verspätung auf die Große Kreisstadt zu.

Kurz vor sieben dann endlich Abfahrt in Delitzsch. Die Berliner, schon gut in Stimmung, sangen bereits eine Fan-Hymne nach der anderen. Waren sie immerhin schon mindestens vier Stunden auf den Beinen und hatten zum Teil sogar die Nacht durch gefeiert. "Hey hey hey hier kommt Hamburg", "Wir sind alle Hamburger Jungs" - um nur einige Songs und Parolen zu nennen.

Die Loberstädter lauschten vergnügt, konnten sich selbst allerdings noch nicht wirklich einbringen. "Es war so kalt. Jetzt müssen wir erst einmal auftauen", wurde da gebibbert. Und nach und nach steckte die Vorfreude - und permanente Sangeslust - der Berliner doch alle an. Stunde um Stunde verging und mindestens genauso schnell, wie der Omnibus Richtung Rheinland-Pfalz rollte, floss bei den Fans auch das kühle Blonde - Hamburger Bier, versteht sich von selbst.

Bei so guter Stimmung nutzte die "Reiseleitung" die Gelegenheit, um die Anhänger einen Tipp für das Spiel abgeben zu lassen. Natürlich favorisierten dabei alle die nordischen Kicker. Alle, bis auf einen. Michael Pruchnik tippte einen 1:0-Sieg für den FCK. "Aber nur, weil ich hoffe, dass die HSV-Jungs durch meine umgekehrte Tipp-Logik gewinnen", versuchte der Döbernitzer zu erklären. Denn bei den vergangenen drei Auswärtsspielen, zu denen er mitgefahren ist, hat er immer auf seinen Verein getippt und jedes Mal haben die Blau-weißen verloren. "Ich kann einfach nicht tippen, habe dafür kein Gespür. Und mit meinem heutigen Tipp hoffe ich, wieder daneben zu liegen."

Doch trotz seiner guten Absichten, musste sich Pruchnik immer wieder Sticheleien und Sprüche von Freunden anhören. "Man tippt immer auf den eigenen Verein, das ist einfach eine Sache der Ehre", erklärten Michael Ripke und seine Mutter Pia. Gegen Kaiserslautern gab Pia deshalb einen 1:2-Sieg als Vermutung für die Jungs vom HSV an. Sohn Michael, von allen "Mikel" genannt, hoffte auf mehr Tore und tippte 2:3.

Die Chancen beim Auswärtsspiel in Kaiserslautern schätzten beide als "gemischt" ein. Zwar habe ihr nordischer Club in den vergangenen Spielen immer recht gut abgeschnitten, "aber der FCK kämpft gegen den Abstieg, da werden sie ordentlich Druck machen. Hinzu kommt, dass sie vor heimischem Publikum kicken."

Die beiden Ripkes sind gestandene Fans der Blau-Weißen. "Das ist irgendwie Familientradition: Mein Vater war schon HSV-Anhänger und hat das auf mich übertragen", erinnerte sich die 40-Jährige. Später lernte sie Mikels Vater kennen, für den es ebenfalls nur diesen einen Verein gab. "Mir wurde das also quasi in die Wiege gelegt", schlussfolgerte der 21-jährige Sohnemann.

Von klein auf mit dieser Leidenschaft angesteckt, kann Mikel inzwischen auf eine stolze Zahl besuchter HSV-Partien zurückschauen. Insgesamt über 250 Spiele verfolgte er bereits live in den Stadien dieser Welt. "Ich liebe Spiele im Ausland, die haben immer noch etwas ganz besonderes an sich und man lernt gleichzeitig noch andere Städte kennen." Die für ihn tollsten Erlebnisse erfuhr er bei Spielen in Manchester und Prag im Jahr 2008. "Ich habe noch nie so gerne verloren wie in Manchester, das war einfach ein Superspiel."

Auch in Rheinland-Pfalz hofften die weit angereisten Fans auf ein Superspiel. Und 13.45 Uhr war es dann endlich soweit: Ankunft in Kaiserslautern. Bei geradezu perfektem Wetter sollte es die Elf des HSV richten und drei Bundesligapunkte mit nach Hause nehmen. "Das wäre mein größter Wunsch zum Geburtstag", sagte Jens Döhler lächelnd, der an diesem Tag seinen 42. feierte. Statt Kaffee und Kuchen mit der Familie, gab es Bier und Fußball mit Freunden.

"Ach, ich komm damit ganz gut zu Recht", grinste "Döhle".

Und ganz ohne Familie war er schließlich nicht unterwegs. Ehefrau Sylvia hatte sich überreden lassen mit zu fahren. "Mein Sohn Patrick und ich haben ihm gemeinsam eine Armbanduhr geschenkt, die ist nur auf Platz zwei seiner beliebtesten Geschenke." Auf Platz eins wäre demnach der Auswärtssieg. "Aber das ist schon in Ordnung, ich hoffe ja auch sehr, dass wir heute siegreich wieder heimwärts fahren", erklärte die 41-Jährige schmunzelnd.

Pünktlich 15.30 Uhr ertönte der Anpfiff im Fritz-Walter-Stadion und die erste Viertelstunde sah vielversprechend aus. Die Hamburger Spieler schienen den Gegner im Griff zu haben. Doch in der 18. Minute der Schock für die ostdeutschen Fans aus Berlin und Nordsachsen. Der tschechische Mittelfeldspieler vom FCK Adam Hlousek versenkte den Ball im HSV-Tor. Eine Welle der Euphorie rannte durch das Stadion: Jubel bei den über 30000 heimischen Fans. Betrübte Gesichtern bei den 15000 Anhängern der Hamburger.

Was dann bis zur Halbzeit auf dem Spielfeld passierte hatte laut Fan Pruchnik "nichts mit Fußball zu tun und war erst recht kein Bundesliganiveau." Spielzüge des FCK wurden zu spät oder gar nicht unterbrochen und die eigenen Pässe der Norddeutschen waren schlichtweg zu ungenau. Somit ergaben sich für beide Teams kaum Chancen.

"Das ist so schade, weil wir einzeln wirklich Topspieler haben, aber sie funktionieren nicht so wirklich als Mannschaft", bedauerte Donath zur Halbzeit. Doch noch waren Hopfen und Malz nicht verloren. Nach der Pause galt es zu kämpfen und scheinbar konnte Trainer Armin Veh seinen Jungs in der Kabine noch einmal den richtigen Weg zeigen. Denn in der 54. Minute beförderte Marcel Jansen das Runde ins Eckige und schaffte den Ausgleich.

Die nordsächsischen Fans fielen sich der Reihe nach in die Arme und jubelten. "Es geht doch, sie können es doch!" Mit der neu entflammten Hoffnung fieberten sie bei jedem Spielzug mit. Doch der FCK reagierte auf das 1:1 und übernahm wieder mehr und mehr die Kontrolle. Erst gegen Ende der Partie machten es Ruud van Nistelrooy und Mladen Petrics noch einmal spannend. Doch FCK-Torwart Tobias Sippel bewahrte sein T eam vor dem Rückstand, so dass das Remis stehen blieb.

"Das war wirklich kein schönes Spiel und es ist gerecht, dass keiner gewonnen hat. Beide Mannschaften haben sich nicht mit Ruhm bekleckert", werteten Pruchnik, Donath und Döhler das Spiel auf der Heimfahrt aus. Denn schließlich sind Fans nicht nur die größten Anhänger einer Mannschaft, sondern gleichzeitig ihre größten Kritiker. Mit den drei Punkten zum Geburtstag ist es also nichts geworden, "aber immerhin kassierten wir keine Niederlage und nehmen einen Punkt mit."

Schließlich wäre es noch schlimmer gewesen über 1100 Kilometer an einem Tag hin und zurück zu fahren, um dann vom Tabellen-16. besiegt zu werden. Die Frage, ob es sich lohnt insgesamt 15 Stunden Busfahrt für 90 Minuten Fußball auf sich zu nehmen, braucht nicht gestellt zu werden. Denn: Einem Fan ist eben kein Weg zu weit.

Julia Wick

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