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Eishockey-Crack Jens Müller: Acht Jahre Achterbahn und ein Abschiedsspiel

Eishockey-Crack Jens Müller: Acht Jahre Achterbahn und ein Abschiedsspiel

Seine Karriere begann der dreimalige deutsche Jugendmeister in seiner Geburtsstadt Weißwasser. Über die Stationen Iserlohn, Timmendorf und Schweinfurt kam der Abwehrspezialist 2005 nach Leipzig, wo er nicht nur die Anfänge bei den Blue Lions, sond

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Der langjährige Leipziger Kapitän Jens Müller geht morgen Abend in Eishockey-Rente.

Quelle: André Kempner

Seine Karriere begann der dreimalige deutsche Jugendmeister in seiner Geburtsstadt Weißwasser. Über die Stationen Iserlohn, Timmendorf und Schweinfurt kam der Abwehrspezialist 2005 nach Leipzig, wo er nicht nur die Anfänge bei den Blue Lions, sondern als Kapitän zwei Insolvenzen erlebte, ehe die Icefighters 2010 auf sicherem finanziellen Fundament durchstarteten und einen Zuschauer-Boom erleben. Seit der U16 in Weißwasser stehen 573 Partien, 87 Tore und 281 Assists für den 1,87 m großen und 92 kg schweren Familienvater zu Buche.

Frage: Wie beurteilen Sie Ihre acht Jahre Eishockey in Leipzig?

Jens Müller: Acht Jahre Leipzig waren zugleich acht Jahre Achterbahnfahrt. Sportlich hat es immer gestimmt, für unsere Verhältnisse waren die Leistungen stets super. Die zwei Oberliga-Titel mit den Blue Lions sprechen für sich. Spieler und Trainer konnten ja nichts dafür, dass Geld ausgegeben wurde, das gar nicht da war. Das war hart an der Grenze. Bei zwei Insolvenzen in zwölf Monaten fühlt man sich als Spieler schon verarscht.

Sie wirken fit. Warum jetzt das Karriere-Ende?

Ich habe mich als Unterwasser-Fotograf selbstständig gemacht. Das ging drei Jahre lang nebenbei gut, doch jetzt habe ich fast 3000 Kunden pro Jahr. Da ist an regelmäßiges Training nicht zu denken. Sich mit drei, vier Mal Joggen pro Woche fit zu halten, reicht absolut nicht. Ich müsste auf dem Eis trainieren, sonst fliegt mir irgendwann das Knie oder sonst was weg.

Apropos. Gab es in Ihrer Karriere schwere Verletzungen?

Zum Glück nur eine einzige. Mit 16 hatte ich einen doppelten Kieferbruch, den mir übrigens mein Kumpel Herr Felsch zugefügt hat. Bei der Aktion habe ich zudem drei Zähne eingebüßt.

Wie ist das passiert?

Ich habe meinem Pass nachgeschaut und hatte plötzlich den Schläger von Andreas Felsch im Gesicht. Es war das Finale Weißwasser gegen Berlin - und wir wurden trotzdem deutscher Jugendmeister. Für mich war besonders schade, dass ich eine Einladung zur Jugend-Olympiade hatte und nicht mitfliegen konnte. Andreas Felsch hat sich später bei mir entschuldigt. Mit 25 haben wir uns in Leipzig wiedergesehen. Am Sonnabend steht er in meinem Team - es wird also nichts mit Revanche.

Es wird doch sicher ein braves Abschiedsspiel?

Mal schauen, eine Schlägerei zwischen Ed Gale und Felschi könnte ich mir schon vorstellen. Dann stehe ich aber nur daneben und applaudiere.

Gibt es ähnlich harte Spielsportarten?

Handball finde ich auch nicht gerade zärtlich. Und was im Football sowie Fußball rein gegrätscht wird, ist auch krass.

Wer kommt noch zum Abschiedsspiel?

Auf Torwart Marko Suvelo freue ich mich besonders, auch Esbjerg Hofverberg und Daniel Bartell habe ich eingeladen. Es ist nicht selbstverständlich, dass die Jungs sich zwischen zwei Spielen am Freitag und Sonntag ins Auto setzen, um nach Leipzig zu kommen. Dann hoffe ich, dass Mannix (Trainer Manfred Wolf) meinen Bruder Lars für uns frei gibt, sonst haben wir es richtig schwer.

Haben Sie jemals mit der NHL geliebäugelt?

Auf jeden Fall. In den 90er Jahren hatte ich Poster der Stars an der Wand. Ein Berater meinte damals, er kenne jemand in Kanada. Da bekam ich leuchtende Augen. Doch daraus ist nichts geworden.

Wie sehen Sie die Perspektive der Icefighters?

Den jetzigen Boom betrachte ich als ein großes Wunder. Unsere Fans honorieren die solide Arbeit. Sie wissen, dass hier niemand in die eigene Tasche wirtschaftet. Ich sehe es nicht als zwingend an, dass wir in die zweite Liga hoch müssen. Dann stünde auch das Hallenproblem akut an. Die erste Mannschaft ist zwar das Aushängeschild, aber der Fokus sollte auf dem Nachwuchs liegen. Wenn jedes Jahr zwei Spieler nach oben rücken, hilft das ungemein.

Fühlen Sie sich als Lausitzer in Leipzig heimisch?

Ich habe hier meine Frau kennengelernt, mein Kind ist hier geboren, ich habe mir ein berufliches Standbein geschaffen. Leipzig ist mein Zuhause.

Kommen Ihre Eltern am Sonnabend?

Ja. Meine Mutter kann gute Storys erzählen, wie es mit dem Eishockey bei mir begann. Mit Sieben hatte ich ein halbes Jahr aufgehört. Denn der kleine Jens wollte nur mittrainieren, wenn die Mama an der Bande stand. So viel Zeit hatte sie natürlich nicht. Wenn sie mich hingebracht hatte und zwischendurch einkaufen ging, bin ich vom Eis gegangen. Nach einem halben Jahr Pause sagten meine Eltern: Nur zu Hause rumhängen ist nicht! Such dir was Sinnvolles! Da bin ich wieder zum Hockey gegangen. Die Eltern standen hinter meinem Bruder und mir. Aber Taschengeld für Tore wie in anderen Familien gab es bei uns nie.

Interview: Frank Schober, Uwe Köster

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.01.2014

Frank Schober

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