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Ex-Turnerin Kersten enthüllt DDR-Doping-Praktiken

Ex-Turnerin Kersten enthüllt DDR-Doping-Praktiken

Die frühere DDR-Top-Turnerin Dagmar Kersten hat am Tag vor der Eröffnung der Turn-Europameisterschaften in Berlin Doping-Praktiken im DDR-Sport enthüllt.Erst 1996 habe sie erfahren, dass sie ohne ihr Wissen gedopt worden sei, erklärte die ehemalige Turnerin vom SC Dynamo Berlin, die heute in Oldenburg lebt, in der „Süddeutschen Zeitung" (Dienstag-Ausgabe).

Berlin. e).

„Mein Trainer sagte mir damals, das sind Mittel, die auch Säuglinge für den Knochenaufbau bekommen", sagte sie. Der Mediziner Bernd Pansold, der die wiederholte „Behandlung" anordnete, wurde 1998 wegen der Vergabe von Dopingmitteln an Minderjährige verurteilt. Ärzte spritzten und Trainer verteilten Tabletten, Eiweißpralinen oder Kaugummis. Kersten erinnert sich, dass die Turnerinnen damals alles Essbare dankbar angenommen haben, waren sie doch ständig auf Diät, um das geforderte Idealgewicht zu halten.

Nach dem Ende der Karriere attestierte man ihr einen begutachtungspflichtigen sportbedingten Körperschaden. „Die körperlichen und seelischen Schäden, die Doping anrichtet, sind keine Medaille wert, das müssen junge Sportler erfahren", sagte die Olympia-Zweite am Stufenbarren von Seoul 1988, die drei Jahre zuvor sogar vier Medaillen von der Weltmeisterschaft aus Montreal mitgebracht hatte.

Heute ist Dagmar Kersten anerkanntes Dopingopfer. Seit Anfang des Jahres spricht sie in Schulen über ihre Jahre als Turnerin. Sie will informieren, „wie Leistungssport in der damaligen Zeit in der DDR vonstatten ging." Dabei war sie nach dem Ende ihrer Karriere überzeugt, dass sie mit dem Turnen nie wieder etwas zu tun haben wollte.

„Ich habe meine Karriere erst in den letzten Jahren kritisch gesehen, ich habe mich davor einfach gar nicht damit beschäftigt", gibt sie zu. Heute weiß Kersten genau, was damals geschehen ist: Ihre in nur sieben Jahren auf über hundert Seiten angewachsene Krankenakte dokumentiert akribisch jede Trainingseinschränkung und die Bemühungen zur Wiederherstellung ihrer Wettkampffähigkeit.

Als die sportärztliche Jahresuntersuchung bei der 15-Jährigen schwere Schädigungen an der Wirbelsäule feststellt, musste Kersten das Training vorübergehend einstellen. Als Therapie verordnete man die Verabreichung des sogenannten Stoffwechselschemas, eines Medikamentenmix, zu dem auch das Steroid Oral-Turinabol gehörte.

dpa

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