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Flossenschwimmer Max Lauschus: Gold im Buchstabier-Wettbewerb

Flossenschwimmer Max Lauschus: Gold im Buchstabier-Wettbewerb

Den Fehler hatte noch keiner bemerkt: Als Max Lauschus in Cali wie üblich sehr spät von der Dopingkontrolle ins Team-Hotel heimkehrte und sein Zimmerkollege wach wurde, merkte der schlaftrunkene Christoph Oefner: "Das sieht aber komisch aus - fehlt da nicht was?" Genau: Auf den wunderschön gestalteten World-Games-Medaillen war der Buchstabe "L" abhanden gekommen.

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Anschlag und Jubel im gleichen Moment: Max Lauschus (22) bei seinem ersten Triumph über 400 Meter (l.) sowie nach der Heimkehr mit beiden Goldmedaillen.

Quelle: Privat

Leipzig. Ob das doppelt errungene Gold für Max Lauschus damit noch an Wert gewinnt, sei dahingestellt. Auf jeden Fall quittiert der für seinen Rostocker Heimatclub startende Leipziger Flossenschwimmer diese Panne der Organisatoren - eine von vielen - mit einem Lächeln und meint ob des Aufdruckes Word Games: "Da habe ich wohl im Buchstabier-Wettbewerb gewonnen."

Hatte der Weltmeister von 2011 mit dem ersten Gold auf seiner Spezialstrecke 400 m sein großes Ziel bereits erreicht, so überraschte er sich gut 24 Stunden später mit dem Titel über 200 m selbst. "Ich hatte am Morgen nach den 400 feste Beine, denn am Abend war keine Massage mehr möglich. Außerdem schien die Luft ein wenig raus." Er quälte sich im 200-m-Vorlauf über die Runden, zog als Achter gerade noch ins Finale ein, wobei er im zweiten Lauf auch clever auf Platz schwimmen konnte und Kraft sparte. "Morgens erwischte ich keine einzige Wende. Denn die Sonne blendete dermaßen, dass ich die Markierung auf dem Beckengrund gar nicht sehen konnte."

Am Abend kam die Angriffslust mächtig gewaltig zurück. "Wir konnten zwar nur 15 Minuten im Wettkampfbecken einschwimmen. Aber die Viertelstunde hat mich motiviert. Das Stadion war mit 5000 Menschen ausverkauft, das Flutlicht angeschaltet. Und über die Tribünen ging eine La Ola nach der anderen." Lauschus ließ sich ein zweites Mal von der Stimmung mitreißen, animierte bei seiner Vorstellung das Publikum. Und dass er auf der Randbahn von den Favoriten nicht gesehen wurde, selbst aber an der ersten und dritten Wende das komplette Feld im Blick hatte, machte die Situation perfekt.  "Das Rennen war wie die Eröffnungsfeier vor 35 000 Zuschauern überwältigend."

Bundestrainer Lutz Riemann (Leipzig) formuliert die mentale Stärke des Schützlings so: "Max sieht den Wettkampf nicht wie andere als Belastung, sondern als Lustobjekt." Lauschus befindet sich dann im Rausch, vermeidet überflüssige Gedanken. Nicht von ungefähr fragte ihn Teamkollegin Patricia Vogel: "Gibst du dein Gehirn vor dem Start ab und holst es dir hinterher wieder?" Sie erntete keinen Widerspruch.

Eines wusste Lauschus aber sofort wieder: Den Wetteinsatz des Trainers, der vor zwei Jahren mit Glatze von der WM heimkehrte und diesmal (mit viel Bammel) vom Zehn-Meter-Turm springen musste. Neben der mentalen Stärke führt Riemann die überragende Leistung in 1000 Meter über dem Meeresspiegel aber auch auf das Höhentraining in der Medica-Klinik zurück.

In der Stunde des Triumphes vergaß der doppelte Sieger nicht, welch schwere 16 Monate hinter ihm lagen. Im Frühjahr 2012 musste sich der sehr bewegliche Athlet einer Operation unterziehen, da in jedem Training die Schulter aus der Gelenkpfanne zu springen drohte. Erst im November war er wieder belastbar. Gut vier Wochen vor den World Games starb sein Opa sechs Tage vor dem 80. Geburtstag: "Ihm widme ich meine Siege. Er hat die Grundlage für alles gelegt, als er mich als Kind in Schwimmhalle mitnahm."

Ein dickes Lob zollt er neben den Medizinern aber seinem Trainer: "Lutz ist alles für mich: Trainer, Ratgeber, Ernährungsberater, Freund. Was er leistet, davon können sich viele Bundestrainer der olympischen Sportarten eine Scheibe abschneiden." Auf der zweiseitigen Checkliste von Lutz Riemann (Spitzname Papa) stand auch Ohropax. Ohne diese wäre Max Lauschus im Lärm von Cali nie und nimmer in den Schlaf gekommen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.07.2013

Frank Schober

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