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Fußballfanprojekt: Leipzig lehnt Innenminister-Vorschlag ab – OB soll Trägerwechsel umsetzen

Fußballfanprojekt: Leipzig lehnt Innenminister-Vorschlag ab – OB soll Trägerwechsel umsetzen

Im Streit um das Leipziger Fußballfanprojekt drängt die Stadtverwaltung weiter auf einen Trägerwechsel. Der zuständige Jugendhilfeausschuss lehnte am Montagabend mit großer Mehrheit einen Kompromissvorschlag des Sächsischen Innenministeriums ab, der auf eine partielle Weiterbeschäftigung der umstrittenen Leipziger Sportjugend im Fanprojekt abzielte.

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Fans des 1. FC Lokomotive beim Derby gegen den FC Sachsen.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Der Ausschuss bekräftigte stattdessen seinen Willen, die Trägerschaft, wie angedacht, komplett der Outlaw gGmbH zu übergeben.

Der bereits am Freitag vom bisherigen Projekt-Leiter Udo Ueberschär beim Radiosender Mephisto öffentlich gemachte, aber eigentlich geheime Kompromissvorschlag aus Dresden sieht vor, dass die Leipziger Sportjugend für die mit Rechtsradikalismus kämpfenden Fanszenen von 1. FC Lokomotive und SG Leipzig-Leutzsch zuständig sein soll. Der angedachte neue Träger, die Outlaw gGmbH, möge sich dagegen nach Meinung des Sächsischen Innenministeriums um die Anhängerschaft von BSG Chemie und Roter Stern Leipzig kümmern.

Konsenz im Jugendhilfeausschuss gegen Ministervorschlag - Anhörung mit Udo Ueberschär

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Fans der BSG Chemie Leipzig beim Spiel in Markkleeberg.

Quelle: Christian Donner

„Sozialbürgermeister Thomas Fabian hat uns am Montag über das inoffizielle Angebot des Freistaates informiert“, erklärte Ausschussmitglied Michael Schmidt (Bündnis90/Die Grünen) gegenüber LVZ-Online. Wie Schmidt weiter sagte, traf der Vorschlag im Gremium aber auf breite Ablehnung. „Es gab weitestgehend einen Konsens, dass man dem Freistaat nochmals unmissverständlich klar machen muss, dass eine Förderung der Sportjugend durch die Stadt Leipzig nicht erfolgen wird.“ Von den insgesamt 13 stimmberechtigten Mitgliedern des Jugendamtsausschusses haben sich laut Schmidt zwölf gegen den Kompromissvorschlag aus Dresden ausgesprochen. Eine Person habe sich enthalten.

Ulrike Herold (SPD), Mitglied im Jugendhilfeausschuss, begründete am Dienstag die Entscheidung mit einer notwendigen Bündelung der Fanarbeit unter einem verantwortlichen Träger. Dies sei auch aufgrund der spezifischen Probleme der rivalisierenden Fangruppen notwendig. „Eine Teilung der Fanarbeit auf verschiedene Träger unter Beteiligung des alten Trägers lehnen wir daher ab. Zudem würden bestehende Defizite beim Festhalten an dem alten Träger nicht beseitigt.“

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Der bisherige Fanprojekt-Leiter Udo Ueberschär.

Quelle: André Kempner

Grünen-Stadtrat Michael Schmidt berichtete, dass der bisherige Projekt-Leiter Udo Ueberschär vor der Ausschusssitzung noch einmal innerhalb seiner Fraktion angehört wurde und dabei zur äußerst kritischen Einschätzung seines Projekts, unter anderem durch Experten des DFB, Stellung beziehen konnte. Dabei habe er allerdings keine der angemahnten konzeptionellen Schwächen ausräumen können. Stattdessen wurden diverse, auch öffentlich gewordenen „Vorkommnisse“ beim Fanprojekt verharmlost oder aus dessen Verantwortung geschoben, sagte Schmidt.

Der Jugendhilfeausschuss habe Sozialbürgermeister Thomas Fabian nun beauftragt, dem Sächsischen Innenministerium die erneute Entscheidung für einen kompletten Wechsel mitzuteilen, sagte Schmidt. „Sollte der Freistaat eine Förderung der Outlaw gGmbH ablehnen, bin ich sehr auf die Begründung gespannt, da diese nicht inhaltlichen Charakters sein kann“, glaubt der Grünen-Stadtrat.

SPD-Fraktion fordert Umsetzung des Trägerwechsels in der Saison 2011/2012

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Fans der SG Leipzig Leutzsch beim Spiel gegen Roter Stern Leipzig.

Quelle: Jakob Richter

Leipzigs Sozialdemokraten fordern derweil Oberbürgermeister Burkhard Jung auf, den beschlossenen Trägerwechsel noch in der laufenden Fußball-Saison umzusetzen. Die SPD-Stadtratsfraktion hat einen entsprechenden Antrag zur nächsten Ratsversammlung am 14. September eingebracht. Dazu erklärte Stadtpartei-Vize Christopher Zenker: "Die SPD unterstützt, wie auch der DFB und der Jugendhilfeausschuss der Stadt Leipzig, den Trägerwechsel ausdrücklich. Outlaw ist ein erfahrener und anerkannter Träger in der Jugendarbeit. Ziel des Fanprojektes ist es unter anderem Gewalt, Rassismus und

Diskriminierung im Leipziger Fußball abzubauen. Mit einem neuen erfahrenen Träger erhoffen wir uns hier neue Ansätze um die vorhandenen Probleme aktiv anzugehen.“

Der Streit zwischen Stadt Leipzig und Freistaat über die Leitungskompetenz beim Fanprojekt schwelt schon seit Monaten. Anfang des Jahres hatte die Kommune einen Trägerwechsel beschlossen und erhielt dabei von der Koordinierungsstelle Fanprojekte (KOS) des DFB breite Unterstützung. „Die Arbeit der Leipziger Sportjugend ist unserer Meinung nach nicht transparent genug, taugt eher dazu, Gräben zu vertiefen, als Brücken zu bauen“, hatte KOS-Sprecher Michael Gabriel im Juni gegenüber LVZ-Online erklärt. Kurz vor Inkrafttreten des Beschlusses stärkte allerdings das Sächsische Innenministerium dem geschassten Träger demonstrativ den Rücken und drohte mit Entzug der Fördermittel. Seitdem liegt das Leipziger Fußballfanprojekt auf Eis.

Matthias Puppe

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