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Fußballfans als Sicherheitsrisiko? Gruppe von Rechtsanwälten kämpft gegen Stigmatisierung

Fußballfans als Sicherheitsrisiko? Gruppe von Rechtsanwälten kämpft gegen Stigmatisierung

Böller auf der Zuschauertribüne, enthemmte Chaoten, Gewalt in den Stadien. In den letzten Monaten gab es immer wieder erschreckende Ausschreitungen auf Rängen und außerhalb von Stadien.

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Böller auf der Zuschauertribüne, enthemmte Chaoten, Gewalt in den Stadien. In den letzten Monaten gab es immer wieder erschreckende Ausschreitungen auf Rängen und außerhalb von Stadien - hier ein Bild aus Dresden. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Berlin. In der Konsequenz wurde Zweitligist Dynamo Dresden aus dem Pokal-Wettbewerb 2012/13 ausgeschlossen, Ligakonkurrent Hansa Rostock wurde ein Spiel vor leeren Rängen auferlegt.

Viele Fußballfans werden zu Unrecht stigmatisiert, findet eine bundesweite Arbeitsgemeinschaft von Rechtsanwälten. Fußball ist auch die Welt des Berliners René Lau. Er ist aber nicht nur ein Fan, der jede Woche ins Stadion geht. Der 46-Jährige ist einer der Juristen aus der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Fananwälte. „Wir setzen uns dafür ein, dass Fußballfans nicht generell auf Gewalttäter reduziert werden“, sagt Lau. Der Fan als Sicherheitsrisiko - das oft heraufbeschworene Bild sei einseitig. Anwalt Lau befürchtet, dass die Polizei auch zur Fußball-Europameisterschaft 2012 massenhaft Ausreiseverbote verhängt - alles unter der großen Überschrift Prävention.

Mehr als zehn Rechtsanwälte aus ganz Deutschland mit ähnlichen Erfahrungen haben sich vor rund einem Jahr zusammengeschlossen. Die Anwälte aus Karlsruhe, Rostock, Frankfurt, Berlin, Köln, München, Nürnberg und Stuttgart fanden sich über das Internet, treffen sich aber regelmäßig. „Wir sind Fußballfans, die Anwälte sind“, sagt Lau, dessen Berliner Lieblingsmannschaft in der fünften Liga spielt. Er kenne die Probleme von Fußballfans. „Ich weiß, wie es ist, einen Stehplatz zu haben.“

Dass sich Rechtsanwälte zu Arbeitsgemeinschaften zusammenschließen, sei nicht ungewöhnlich und komme in vielen Bereichen vor, sagt Jacqueline Lange. Sie ist Geschäftsführerin der Rechtsanwaltskammer Sachsen. „Rechtsanwälte vertreten die Interessen ihrer Mandanten. Dazu steht es jedem frei, sich auf ein bestimmtes Gebiet zu spezialisieren“, sagt Lange.

Die Vertretung in einem Strafprozess sei nur ein Teil der Arbeit, sagt der Anwalt. Verunsicherte Fans kämen vielmehr, wenn die Polizei Melde-Auflagen oder Verbots-Verfügungen verhängt habe. Dann werde beraten, ob bei Gericht Rechtsschutz beantragt wird. Bei Fanclubs in mehreren Bundesländern informiere er auch über die Rechte von Fußballanhängern.

Gründerin der AG Fananwälte ist Angela Furmaniak aus Lörrach in Baden-Württemberg. „Auslöser war für mich, dass Fußballfans in besonderem Maß von polizeilichen Überwachungs- und Verfolgungsmaßnahmen betroffen sind, aber kaum eine Lobby haben“, betont sie. Lau ergänzt: Dass bei Polizeieinsätzen Fans auch durch Beamte Verletzungen davon tragen, werde oft verschwiegen.

Das Thema ist längst in der Politik angekommen. Der Sportausschuss des Bundestags wird am 8. Februar öffentlich über Strategien gegen Gewalt im deutschen Fußball diskutieren. Bei einem Spitzentreffen von Deutschem Fußball-Bund (DFB), Deutscher Fußball Liga (DFL) und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wurde im November eine Task Force gegen Fußball-Gewalt vereinbart. Dialog statt Verbot ist die neue Devise.

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Lorenz Caffier (CDU), Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, fordert personifizierte Eintrittskarten und Kameras zur Gesichtserkennung. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Doch der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier (CDU), hat jetzt andere Vorschläge parat: Mit personifizierten Eintrittskarten und Kameras zur Gesichtserkennung will er notorische Randalierer vor den Stadien abfangen.

Anwalt Lau plädiert indes dafür, Fußball-Gewalttäter zu behandeln wie andere Straftäter auch. Doch hier bekämen schon jugendliche Ersttäter Haftstrafen, Bagatelldelikte würden hart verfolgt, Stadionverbote trotz unbewiesenen Verdachts aufrechterhalten. Ihn regt auch auf, dass die Behörden nicht darüber informierten, wer in die bundesweite Datei für Sport-Gewalttäter aufgenommen wird. Die Löschung von personenbezogenen Daten zu erreichen, sei ein Kampf, sagt Lau.

„Zu mir kommen Handwerker, Beamte, Azubis, die meisten zwischen 20 und 30 Jahren“, berichtet Lau über die Fans, die anwaltliche Hilfe suchen. Die wenigsten seien arbeitslos - „die haben ein geregeltes, ordentliches Leben“. Er kenne auch viele, die deeskalierend auf Jüngere einwirkten.

Lau wünscht sich wie seine Kollegen mehr Gespräch zwischen allen, die mit Fußball zu tun haben. Die AG Fananwälte hat die Fußballverbände aufgefordert, nicht nur mit Staatsanwälten und Innenministerien zu sprechen, sondern auch mit dialogbereiten Fans.

Jutta Schütz, dpa / rob

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