Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Griff in die Trickkiste der Motivation - WM-Held David Storl und sein Coach

Griff in die Trickkiste der Motivation - WM-Held David Storl und sein Coach

Sven Lang hatte sich schon ein paar Worte zurechtgelegt, wenn es bei David Storl diesmal nicht so gut gelaufen wäre. Von einem 23-Jährigen könne man nicht jedes Jahr eine Medaille oder einen Titel erwarten, hätte der Coach der Öffentlichkeit mitgeteilt.

Voriger Artikel
Kapllani-Hattrick: Dynamo Dresden erleidet 0:3-Blamage gegen Frankfurt
Nächster Artikel
WM-Medaille verpasst: Freud und Leid bei der deutschen Männer-Staffel

David Storl und Sven Lang am Tag nach dem Triumph auf dem Roten Platz.

Quelle: dpa

Stattdessen war der Trainer aus dem Häuschen und freute sich total mit dem jüngsten Kugelstoß-Weltmeister, der nun auch der jüngste Doppelweltmeister in seiner Disziplin ist.

 "Die letzten Wochen waren eine Nervenschlacht", gestand der Markkleeberger, nachdem es bei seinem Schützling lange nicht so rund gelaufen war. Vor dem Finale griff Lang in die Trickkiste der Motivation. "Du willst doch nicht schlechter sein als Christina Schwanitz." Dieser Vergleich zur Vizeweltmeisterin aus der eigenen Gruppe zieht immer. Oder: "Du musst eigentlich nur anderthalb Meter weiter stoßen als sie." - "Stimmt, das mache ich doch eigentlich immer", antwortete Storl: "Aber nach oben wird die Luft diesmal ganz schön dünne."

 Auch die Ehefrau des Trainers gab von daheim aus alles. Sie schickte Storl das Horoskop aus der Leipziger Volkszeitung. Darin war am Freitag unter Löwe von "traumhaften Stunden" und einem "unvergesslichen Tag" die Rede. Aber: "Sie müssen auch ihren Teil dazu beitragen." Passte wie die Faust aufs Auge. Lang war nach der Quali skeptisch ("Da war er sich zu sicher"), doch vor dem Finale guter Dinge: "Da ist David mit breiter Brust ins Stadion gekommen. Das war eine ganz andere Körpersprache."

 Zum dritten Mal in Folge brachte das abschließende Trainingslager die Kehrtwende. Lang: "Sobald die Schranke runtergeht in Kienbaum, gibt es für ihn nur noch die WM. Er trainiert wie ein Kaputter, er frisst wie ein Kaputter. Und den Rest der Zeit pennt er oder geht in stoischer Ruhe angeln." Einmal zog er einen ordentlichen Hecht aus dem Wasser, den die Küche zubereitete. "Er macht auch keine Ausflüge nach Berlin wie andere." Der Coach hat kein Verständnis für diese Hauptstadt-Trips: "Dann brauche ich nicht ins Trainingslager fahren."

 Dass Storl 22 Meter drin hat - so lautete sein heimliches Ziel - zeigte er im letzten Versuch. "Da hatte er vorher sein dreckiges Lachen im Gesicht. Daher wusste ich: Der Versuch geht weit", so der Trainer. Im Gegensatz zum Gold-Stoß (21,73 m), bei dem sich die Kampfrichter nach langer Diskussion korrigierten, war der letzte von rund 21,90 m tatsächlich ungültig.

 Zwar stellten die Verbände der USA und Kanadas eine Anfrage an die Jury - eine Vorstufe zum Protest - doch Storls Gegner reagierten fair. "Es gibt keine Ausreden, er ist verdient Weltmeister", meinte der favorisierte Ryan Whiting, der ebenso happy über Silber war wie Dylan Armstrong über Bronze. "Man wird ja nicht jünger", so der Kommentar des 32 Jahre alten Kanadiers.

 Im Call Room vor dem Finale traf David Storl den schnellsten Mann der Welt. "Usain Bolt erkannte mich, deutete mit einer Bewegung an, dass ich doch Kugelstoßer sei. Da sagte ich zu ihm: Pass auf, wo du hin rennst, damit dich nicht meine Kugel trifft." Die Reaktion zeigt, dass Storl nicht zu nervös war. "Der Wettkampf hat heute endlich mal wieder Spaß gemacht. Die Meetings vorher waren vom Gefühl her eher wie auf Arbeit gehen. Ich habe halt einen Riesentrainer, der mich darauf trimmt, beim Saisonhöhepunkt fit zu sein. Er kann sich wunderbar in uns Athleten hinein versetzen."

 Der angehende Polizist kann sich auf eines verlassen: "Ich bin Wettkampftyp, ich liebe den Kampf Mann gegen Mann. Dann muss man grausam sein, darf dem anderen den Erfolg nicht gönnen." Es fasziniere ihn, dass es nach monatelanger Vorbereitung auf 90 Minuten an einem Tag ankommt. Es wurde ein wunderbarer Tag. Storl tat einiges dafür. Frank Schober

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.08.2013

Frank Schober

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regionalsport

Jede Woche im LVZ-Tippspiel zur Saison 2016/17 regionale Partien tippen und tolle Preise gewinnen! mehr

Aktionslogo Sportlerwahl Landkreis Leipzig 2016

Kreissportbund Landkreis Leipzig, Sparkasse und Leipziger Volkszeitung suchten die besten Sportler 2016. mehr

Alle Wettquoten zu Spielen von RB Leipzig gibt es bei SmartBets.