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Handball-Talk in der LVZ-Kuppel: EM-Sensation weckt Hoffnungen

Die Mentalität entscheidet Handball-Talk in der LVZ-Kuppel: EM-Sensation weckt Hoffnungen

Wie weiter nach einer der größten Sensationen, dem EM-Titel der deutschen Handballer? Geht der Höhenflug bei Olympia weiter? Das war am Freitagabend Thema beim vom früheren Sportchef Winfried Wächter launig moderierten Talk in der ausverkauften LVZ-Kuppel.

Geballte Handball-Kompetenz am Freitag in der LVZ-Kuppel: Christian Prokop, Dagur Sigurdsson, Moderator Winfried Wächter, Stefan Kretzschmar (v.l.)

Quelle: Christian Modla

Bundestrainer Dagur Sigurdsson, 42, erzählte, wie er aus einer No-Name-Truppe ohne Stars Goldjungs und aus lieben Schwiegersohn-Typen hungrige „Bad Boys“ machte – ein Begriff, den Sigurdsson in Anlehnung an eine NBA-Basketballmannschaft selbst geprägt hat. „Entscheidend war die Mentalität“, hat Handball-Ikone Stefan Kretzschmar, 43, als Erfolgsgeheimnis ausgemacht, „niemand hat nach den vielen Ausfällen gejammert, jeder Spieler fühlte sich wichtig, ebenbürtig, hatte große Momente.“

Der DHfK-Aufsichtsrat hatte Sigurdsson 2014 nicht für den richtigen Mann gehalten, wollte einen deutschen Coach, äußerte Zweifel am Isländer. Kretzsche hat sich längst revidiert und entschuldigt, sieht die Deutschen nun als Mitfavorit für Rio. Dann kommen die Verletzten zurück. „Jetzt hat er (Sigurdsson) den Scheiß und muss zwischen 21 Top-Leuten entscheiden, früher gab es nur einen guten Linksaußen“, witzelte Kretzschmar, der auf dieser Position gespielt hat.

Der Bundestrainer sieht das als Luxusproblem. „Ich betrachte uns alle als großes Team, werde Bundesliga, Champions League und Länderspiele abwarten, dann festlegen, welche 14 Akteure mitfahren. Es werden die sein, die am besten zusammenpassen.“ Am Mittwoch reist seine Mannschaft zum Empfang bei der Kanzlerin, zwei Tage später folgt in Leipzig der erste Test nach der EM gegen Katar. Für Sigurdsson Auftakt der Rio-Vorbereitung. „Ich will unbedingt gewinnen, setze uns bewusst unter Druck, auch weil wir bei der WM gegen Katar verloren haben.“

DHfK-Trainer Christian Prokop, 37, sieht die Nationalmannschaft als leuchtendes Beispiel dafür, was mit Teamgeist, Risikobereitschaft, Mut, taktischen Finessen möglich ist. Und mit ehrgeizigen jungen Leuten. Ein Kurs, den er auch in Leipzig fährt. Prokop schwört auf gute Nachwuchsarbeit. „Wir gehen an die Schulen, sind nahe dran an den Kids, geben Talenten eine ehrliche Chance und liefern mit Eigengewächsen wie Binder, Krzikalla oder Semper Orientierung und Vorbilder, setzen auf Identifikation.“ In Leipzig gebe es spätestens seit dem Bundesliga-Aufstieg Euphorie und einen Handball-Boom. Der Erlös von Freitagabend (rund 2000 Euro) kommt übrigens dem Schul-Projekt des SC DHfK zugute.

Auf die Frage, warum (noch) kein Leipziger in der Auswahl steht, sagte Sigurdsson: „Ich behalte den Verein fest im Auge, das ist eines der spannendsten deutschen Handball-Projekte.“ Die Entwicklung erfolge ähnlich rasant und harmonisch wie einst bei seinem früheren Klub Füchse Berlin. „Aber wir haben da auch Fehler gemacht.“ Dass der SC DHfK Philipp Weber, der schon im erweiterten Nationalkader war, im Sommer nach Wetzlar ziehen lässt, mochte der Bundestrainer nicht kritisieren: „Ich weiß nicht, ob das ein Fehler ist, niemand weiß das.“

Kretzschmar entgegnete: „Man muss auch mal unpopuläre Entscheidungen treffen. Ich vertraue zu hundert Prozent meinem Trainer und bin bisher sehr gut damit gefahren.“ Scherzend ergänzte er: „Außerdem machen wir keine Fehler.“

Und er hofft, dass der deutsche Handball sich auch keine mehr leistet wie 2007 nach dem WM-Gewinn. Damals habe man sich zurückgelehnt, statt den Schwung zu nutzen. „Wir müssen aktiv sein, am Ball bleiben, die mediale Bekanntheit erhöhen, neue Stars aufbauen und mehr Sponsoren in die Bundesliga ziehen.“ Mit Erfolg im Rücken sei das wesentlich leichter. Kretzsche hat registriert: „Man muss die Leute erst mal irgendwie in die Halle kriegen, dann spüren sie die Atmosphäre und merken, was das für ein fantastischer Sport ist.“

Von Steffen Enigk

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