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Hansa Rostock muss Heimspiel ohne Publikum austragen

Hansa Rostock muss Heimspiel ohne Publikum austragen

Hansa Rostock ist in den Schlagzeilen wie in besten Bundesliga-Zeiten. Erst präsentierte der stark abstiegsgefährdete Fußball-Zweitligist am Mittwoch Wolfgang Wolf als Nachfolger seines tags zuvor entlassenen Trainers Peter Vollmann.

Frankfurt/Main/Rostock. Wenige Stunden später war klar: Dem Neuen steht ein Heimdebüt vor leeren Rängen bevor. Hansas Einspruch gegen einen Antrag des DFB-Kontrollausschusses, nach den Ausschreitungen im Nordderby gegen den FC St. Pauli ein Heimspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu bestreiten, wurde abgeschmettert.

Hansa verzichtete am Abend nach einigem Hin und Her auf weitere Rechtsmittel und wird nun das Heimspiel am 18. Dezember gegen Dynamo Dresden vor leeren Rängen bestreiten. „Der DFB hat uns signalisiert, dass aufgrund der Qualität und Quantität der Ausschreitungen, die auch in der Vergangenheit unangenehme Begleiterscheinungen des FC Hansa waren, ein Einspruch gegen dieses Urteil keine Aussicht auf Erfolg hätte“, sagte Vorstandsvorsitzender Bernd Hofmann in einer Pressemitteilung. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) folgte mit dem Urteil dem Antrag des vorgeschalteten DFB-Gremiums.

Hansas Vorstandschef erneuerte seine Bedenken gegen die drakonische Strafe. Sie würde die Ursachen der kriminellen Handlungen nicht beheben. „Das Urteil des Sportgerichtes zeigt, dass auch der Deutsche Fußball-Bund keine Lösungsansätze hat, wie diesen kriminellen Entwicklungen innerhalb des deutschen Fußballs begegnet werden soll“, sagte Hofmann. Der 42-Jährige kündigte an, intensive Gespräche mit dem Ligaverband aufnehmen zu wollen, um der Entwicklung Einhalt zu gebieten.

Die Partie der beiden ehemaligen DDR-Oberligisten ist das zweite „Geisterspiel“ in der 2. Bundesliga nach der Partie Alemannia Aachen - 1. FC Nürnberg am 26. Januar 2004. Das Spiel ohne Zuschauer bringt finanzielle Einbußen in sechsstelliger Höhe für die Rostocker, für alle Beteiligten aber auch weniger Aufregung. Denn die zurückliegenden Vergleiche zwischen Rostock und Dresden waren wiederholt von Auseinandersetzungen rivalisierender Fans begleitet.

Das Duell gegen St. Pauli stand am 19. November kurz vor dem Abbruch, nachdem im Hamburger Fanblock bengalische Feuer abgebrannt worden waren. Rostocker Anhänger schossen daraufhin Leuchtraketen in den Gästeblock. Nach Spielschluss gab es erneut Ausschreitungen. Hansa Rostock sprach in dem Zusammenhang bisher weit über 50 bundesweite Stadionverbote aus. Insgesamt sind gegen über 70 Personen Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Der FC St. Pauli wurde wegen der Vorkommnisse zu einer Geldstrafe von 8000 Euro verurteilt. Das Strafmaß wurde laut DFB-Mitteilung von 20.000 Euro im ursprünglichen Antrag des Kontrollausschusses reduziert, da neues Beweismaterial nachgewiesen habe, dass keine diskriminierenden Rufe der Gäste-Fans vorlagen.

Hansas neuer Trainer Wolf verbreitete bei seiner Vorstellung Zuversicht. „Ich bin überzeugt davon, dass wir mit harter Arbeit unser gemeinsames Ziel Klassenerhalt erreichen können“, sagte er. Am Mittwochnachmittag leitete der 54-Jährige das erste Training in Vorbereitung auf das Auswärtsspiel am Freitag in Paderborn.

Der neue Chef-Übungsleiter erhält zunächst einen Vertrag bis Saisonende. Dieser verlängert sich im Falle des Ligaverbleibs automatisch um ein Jahr. „Wolfgang Wolf war unser Wunschtrainer und erster Ansprechpartner. Er hat uns mit seiner Art und seinen Vorstellungen überzeugt. Er passt zu Hansa und unserer Philosophie“, sagte Rostocks Manager Stefan Beinlich über den Ex-Profi.

Der gebürtige Pfälzer verfügt über große Erfahrungen im Trainergeschäft. In der Bundesliga trainierte er den VfL Wolfsburg, den 1. FC Nürnberg und den 1. FC Kaiserslautern. Zuletzt war Wolf bis zum Februar dieses Jahres beim Drittligisten Kickers Offenbach tätig. Hansa hatte Vollmann am Dienstag wegen der anhaltenden sportlichen Talfahrt mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Der Traditionsverein liegt bei Ligahalbzeit auf Abstiegsrang 17 und hat mit elf Punkten so wenige Zähler auf seinem Konto wie noch nie in seiner Ligageschichte. 

Gert Glaner, dpa

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