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Harte Landung: Skispringen künftig ohne fluege.de

Unister steigt aus Harte Landung: Skispringen künftig ohne fluege.de

Die Story war eine Erfolgsgeschichte und hat das Skispringen in den letzten Jahren revolutioniert: Die Sprungski der Marke fluege.de. Nun steigt das Leipziger Unternehmen Unister bei dem Geschäft aus.

Skispringen künftig ohne fluege.de

Quelle: dpa

Leipzig. Die Story war eine Erfolgsgeschichte und hat das Skispringen in den letzten Jahren revolutioniert: Die Sprungski der Marke fluege.de, gebaut im thüringischen Floh-Seligenthal von der „Fluege.de Sprungskiproduktions GmbH“, einer Tochter des Leipziger Internet-Riesen Unister. Dutzende Athleten aus aller Welt sprangen seit sechs Jahren mit den markanten blauen Latten über die Schanzen der Welt, flogen mit ihnen zu Weltmeister-Titeln (u.a. Sarah Hendrickson, Wolfgang Loitzl), Olympiasiegen (u.a. Andreas Wank, Andreas Wellinger) Weltrekorden (Anders Fannemel) oder Vierschanzentournee-Triumphen (Thomas Diethard). Damit ist nun Schluss, ab kommenden Winter gibt es keine fluege.de-Ski mehr.

„Nach sechs Jahren stellt das Flugbuchungsportal fluege.de planmäßig sein Engagement in der Sportart Skispringen ein. Damit endet eine spannende und vor allem erfolgreiche Zeit des Sportsponsorings“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. „Als Marketingplattform war unser Projekt ein voller Erfolg und wegweisend in diesem Bereich.“

Kann man so sagen. Schlüsselfigur in der abenteuerlich klingenden Geschichte, in der ein Internet-Unternehmen, das vor allem Reisen verkauft, plötzlich Sprungski herstellte, war Georg Reichart (70). Der Bayer hatte sich mit einer Firma für spezielle Sicherheitsbindungen einen Namen gemacht. „Ich wurde gefragt, ob ich mich um die zum dritten Mal in Insolvenz gegangene Firma Germina kümmern könnte“, erzählt er. Nun ist Ski produzieren und verkaufen ein schwieriges Geschäft, erst recht bei Sprungski. Der Markt beträgt nur 2000 bis 2500 Paar jährlich, damit kann niemand Geld verdienen.

Doch Reichart hatte die geniale Idee, den Sprungski als Werbefläche zu vermarkten und so Investitionen zu generieren. Er trug den Plan etlichen Firmen vor, holte sich Absagen. Aber nicht aus Leipzig. Dieter Thoma stellte den Draht zu Unister her, im April 2010 kam es in Leipzig zum entscheidenden Gespräch: Reichart, sein Mitgesellschafter Bernhard Seidl, Dieter Thoma und Unister-Gründer Thomas Wagner waren dabei. Wagner hob den Daumen.

So einfach lief das mit Ski als Werbefläche aber nicht. Die Regeln des Weltverbandes sagen eindeutig: Auf den Ski darf nur der Name des Produzenten stehen. Also wurde die „fluege.de Sprungski­produktions GmbH“ gegründet und so elegant die FIS-Bestimmung erfüllt. Im ehemaligen Germina-Werk in Floh-Seligenthal standen/stehen die Maschinen aus DDR-Zeiten, dort arbeiten Experten, die schon immer Sprungski hergestellt haben. Peter Lange, zu den großen Zeiten von Sven Hannawald und Martin Schmitt Techniker der DSV-Springer, holte man an Bord. Auch die Verpflichtung von Pierre Heinrich als Chef des Service-Teams erwies sich als Glücksgriff.

Was wird aus dem Team, geht es überhaupt weiter? Georg Reichart bestätigt, dass der Vertrag „termin- und fristgerecht gekündigt“ wurde. Der Bayer sagt aber auch: „Die genauen Hintergründe sind mir noch verschlossen. Erfolglosigkeit kann es aber wohl nicht sein.“ In Floh-Seligenthal soll es mit der Skiproduktion weitergehen. „Für Sport 2000 produzieren wir ja weiterhin Ski. Und aktuell sind wir dabei, für fluege.de Ersatz zu akquirieren“. Interessenten gebe es reichlich.

Uwe Köster

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