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Hier ist Lotte daheim - ein Besuch beim Relegationsgegner von RB

Hier ist Lotte daheim - ein Besuch beim Relegationsgegner von RB

Sind Sie gerade über die Ortsmarke gestolpert und fragen sich: Lotte? Liselotte? Pulver? Wer nicht das Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück kennt oder die Fußball-Regionalliga-West intus hat, kommt im Leben nicht in Berührung mit Lotte.

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Mister Lotte Manfred Wilke.

Quelle: Manfred Mrugalla

Leipzig. Leipzigs Rasenballer müssen sich mit den Kickern vom Kreuz beschäftigen, kämpfen in der Relegation um Sein (=Aufstieg) oder Nichtsein. Höchste Zeit, der 14 000-Einwohner-Gemeinde auf den Zahn zu fühlen. Wie tickt Lotte? Ein Hausbesuch.

Pfingstsonntag in Lotte. Die Sportfreunde spielen gegen Rot-Weiß Essen, stehen vor d e m Erfolg der Club-Historie. Es winkt der Titelgewinn. Der seit 2008 von Maik Walpurgis, 39, trainierte Club wurde zuletzt zweimal Vize-Meister und einmal Dritter. In der Vorsaison fehlte ein Punkt zum Titel. Den machte die U23 von Borussia Dortmund in der letzten Minute perfekt.

Zu dieser Zeit hatten sie in Lotte Meister-Shirts ausgepackt. Nicht nur auf Schalke gibt's Meister der Herzen.Heute soll alles anders laufen.

Die 1000 Schlachtenbummler aus Essen gehen lammfromm Richtung Gästeblock, machen den Weg zur ConnectM-Arena für die heimischen Zuschauer frei. Die Osnabrücker Zeitung wird am nächsten Tag ein Foto mit kleinen Schlangen an den vier Kassenhäuschen veröffentlichen, von drangvoller Enge und selten erlebtem Fußballfieber schreiben. Fieber beginnt in der Region Tecklenburger Land bei 37,5 Grad. Beim Anpfiff ist das 7500-Mann/Frau-Stadion zu einem Drittel gefüllt. Kein Hexenkessel.

Böse Zungen behaupten, dass ein Aufstieg der Sportfreunde vornehmlich die Sportfreunde beglücken würde.

Allen voran "Mister Lotte" Manfred Wilke. Der Unternehmer und gebürtige Lotter ist die Herz-Lungen-Maschine des Clubs. Wilke, 61, hat den Verein wachgeküsst, Strukturen geschaffen, ein schmuckes Stadion gebaut, das Areal mit Photovoltaik-Anlagen gepflastert. Der Mann firmiert unter Fußball-Obmann, ist aber mehr, gewissermaßen alles. Über 250 (!) Sponsoren unterstützen den Club. Jeder einzelne ist in irgendeiner Weise mit Wilke verbandelt. Autohäuser, ein Küchenanbieter, aber auch Kleine wie Fredo's Reifenservice und Armin's Partyservice ermöglichen am Lotter Kreuz Profifußball. Und wenn es wieder nix wird mit dem Aufstieg, können die Hoffnungen professionell begraben werden. Bei Bestattungen Hindersmann.

Lotte gegen Essen ist zerfahren, findet keine Einkehr in die Ruhmeshalle, lebt von der Frage: Wann schießen die Walpurgis-Männer das Tor zur Meisterschaft? Sie schießen es in der 19. Minute. In den restlichen 71 Minuten wird klar: Tradition schießt keine Tore. Die Urenkel von Essens Legende Helmut Rahn schießen nicht mal aufs Tor.

Lotte gewinnt 1:0, feiert nächtens in einer Osnabrücker Cocktailbar mit gebremstem Schaum. "Wir wollen die Saison mit dem Aufstieg krönen", sagt Coach Walpurgis und nennt das Duell gegen Leipzig "Wahnsinn". Er spielt auf die von eitlen Provinzfürsten erdachte Regionalliga-Reform an. Folge: Die Meister müssen in die Relegation, spielen russisches Roulette. Nicht nur für Walpurgis Ding der Unmöglichkeit.

Menschen mit Kennerblick haben die Sportfreunde seziert und festgestellt: RB ist individuell besser besetzt. Bedeutet: nichts. Tagesform schlägt Klasse. Coach Alexander Zorniger: "Das wird eine ganz enge Kiste."

Die Sportfreunde. Ein Team im Wortsinn. Fast alle Lotter haben schon höher als vierte Liga gespielt, sind fit, griffig, pressen ähnlich früh wie RB. Kreuzgefährlich bei Ecken und Freistößen, stehen hinten ihren Mann.

Die Sportfreunde. Keine Schauspieler, kämpfen mit offenem Visier. Man kommt nicht umhin festzustellen: Eine überaus sympathische Truppe.

Die sich mit dem Lotter Rasen arrangiert hat. Der hat im Winter gelitten, ist ausgemergelt, stumpf, tief, holprig. Man muss dynamisch gegen die Kugel hauen, um Wallung in den Ball zu bekommen. Flache Pässe verhungern. Hier wird Fußball vor allem gearbeitet.

Die Lotterie: Am 29. Mai (17.30 Uhr) wird in Leipzig gespielt. Am 2. Juni (14 Uhr) in Lotte.

"Mister Lotte" Manfred Wilke tauchte übrigens nächtens in der Osnabrücker Cocktailbar auf, hielt nicht etwa eine Rede, sondern saß einfach nur da zwischen Trainern und Fußballern. Glücklich.

Die Rechnung ging auf seinen Deckel.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.05.2013

Schäfer, Guido

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