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Interview mit Bob-Anschieber Thomas Blaschek

Interview mit Bob-Anschieber Thomas Blaschek

In fast allen Wintersportarten toben noch Weltcups und Titelkämpfe. Dagegen haben die Bobfahrer ihre vorolympische Saison beendet. Nach wochenlangen Wettkampf- und Reisestrapazen genießt der Leipziger Thomas Blaschek die Ruhe daheim in Gohlis, endlich hat der 31-Jährige mehr Zeit für Freundin Nadine und seine fast einjährige Tochter Neela.

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Thomas Blaschek (links) mit seiner Bob-Crew in Sotschi.

Quelle: dpa

Auch wenn es mit einer WM-Medaille nicht geklappt hat, stand Blaschek in diesem Winter als Anschieber im Viererbob von Thomas Florschütz dreimal auf dem Treppchen. Zuletzt gelang dem Quartett sogar Rang zwei beim vorolympischen Test in Sotschi.

Frage: Sie schrieben auf Facebook: Position vier auf der Bobbahn von Sotschi ist wie Autofahren auf der Felge ohne Stoßdämpder. So schlimm?

Thomas Blaschek: Ich hatte dort nach den ersten Trainingsläufen Kopfschmerzen. Das sagt alles. Denn die bekommt man eigentlich nur, wenn man ein halbes Jahr nicht im Bob saß.

Ist die Bahn nicht olympiatauglich?

Die Russen haben einfach nichts am Eis gemacht - zumindest bei den internationalen Trainingsläufen. Ab 21 Uhr hatten die Einheimischen dann Geheim-Training auf präpariertem Eis, was ihnen aber nichts genützt hat. Denn sie waren hinter uns - da wird es wohl richtig rauchen. Uns haben die Bedingungen abgehärtet. Denn wer sich auf schlechtem Eis vorbereitet, kommt im Wettkampf auf präpariertem Eis gut zurecht. Flori hat eine super Linie gefunden, obwohl wir bei den Starts nur 13. und 14. waren.

Platz zwei auf der Olympiabahn lässt doch sicher für 2014 hoffen?

Die Platzierung ist perfekt, wir halten jetzt auch den Bahnrekord. Wichtig ist für Flori, dass er nicht gewonnen hat. Denn der Aberglaube und die Erfahrung zeigen, dass der Sieger des Weltcups ein Jahr später bei Olympia nicht gewinnt.

Olympia-Silber wäre doch auch super.

Flori will mehr, denn er gilt ja als ewiger Zweiter.

Wie sind die Bedingungen in der Olympiastadt und drumrum?

Ich war von der Infrastruktur nicht begeistert. Ich dachte, die Russen mit ihrem Geld bauen schneller. Die wichtigste Straße zur Bobbahn ist nicht fertig, viele Gebäude stehen noch nicht mal im Rohbau. Es tropft überall vom Dach. Vom olympischen Dorf ist schon etwas zu erkennen, aber das Stadion für die Eröffnung und Abschlussfeier steht auch noch nicht. Gut ist dagegen eine rund 80 Meter lange Einlaufstrecke an der Bahn mit Tartanbelag, das haben wir nicht überall. Leider waren wir zwei Wochen in einem Hotel ohne vernünftigen Kraftraum. Daher haben wir zum Saisonschluss auch nicht mehr viel gemacht und waren am Start nicht besonders schnell.

Wie waren die Temperaturen?

Schnee haben wir fast keinen gesehen. Die Bobbahn liegt 800 Meter hoch, da waren die Temperaturen nie unter null.

Als Hürdensprinter haben Sie Olympia verpasst. Wie nah sind Sie jetzt als Bobfahrer dran, sich den Traum zu erfüllen?

Das steht auf der Kippe. Zum einen haben wir in Leipzig bislang keinen Kindergarten-Platz, sodass ich bis August wohl nur einmal am Tag trainieren kann. Zum anderen bin ich bei den Anschub-Tests nicht der Überflieger. Meine Stärke ist das lange Laufen an Position vier. Doch allein das 140 Kilo schwere Testgerät zu beschleunigen, liegt mir mit meinen 95 Kilo nicht. Ich bewundere Kevin Kuske, wie schnell er mit seinen 120 Kilo ist. Zum Glück vertraut mir Flori trotzdem, wir harmonieren super. Aber mit meinen Anschubzeiten kann er mich nicht setzen.

Wollen Sie an Gewicht zulegen?

Ich wiege schon sechs, sieben Kilo mehr als zu meinen Zeiten als Hürdensprinter. Ich habe gemerkt, dass ich eine Grenze nicht überschreiten sollte. Bei 97 Kilo und mehr fühle ich mich unwohl, verliere meine Stärken im Sprint und bekomme Achillessehnen-Probleme.

Passt sonst alles in Leipzig?

Ich trainiere gern mit zwei weiteren Wintersportlern im Kraftraum der Nordanlage, dort sehe ich auch die Hürden-Jungs regelmäßig. Trainer Matthias Pohle kommt ja auch aus der Leichtathletik. Er schreibt die Pläne und begleitet das Krafttraining, seit Idriss Gonschinska in seiner neuen Funktion als DLV-Cheftrainer keine Zeit mehr für mich hat. Ich hoffe, Matze Pohle bekommt in der Olympiasaison wieder ein Honorar. Das war seit Oktober weggefallen. Ich rechne es ihm hoch an, dass er mich trotzdem unterstützt hat.

Interview: Frank Schober

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.03.2013

Frank Schober

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