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Ironman auf Hawaii und der Traum vom Rückflug in der Business Class

Ironman auf Hawaii und der Traum vom Rückflug in der Business Class

Oktober sind bei der Langstrecken-WM der Triathleten auf der Pazifik-Insel erstmals gleich zwei Leipziger DHfK-Profis am Start. Für Christian Ritter (30) ist es der zweite Hawaii-Auftritt nach 2010, Per Bittner (28) feiert Premiere.

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Christian Ritter (l.) und Per Bittner sind seit Jahren befreundet und nun gemeinsam in Hawaii am Start.

Quelle: Christian Nitsche

Am 12. Vor ihrem Abflug trafen wir das Duo. Ab Montag drucken wir eine Woche lang das Hawaii-Tagebuch der beiden ab.

Frage: Was ist für Sie das Besondere am Ironman auf Hawaii?

Christian Ritter: Es ist halt die Geburtsstätte des Triathlons und schon deshalb etwas Besonderes, dort zu starten. Ich versuche mit Respekt, aber auch mit der nötigen Gelassenheit an den Start zu gehen. Denn am Ende ist es ein Rennen wie jedes andere.

Wirklich?

Ritter: Naja, es wird ein ziemlicher Hype darum gemacht. Deshalb besteht die Gefahr, dass man zu viel will und dafür am Ende bezahlen muss. Es gilt mehr als anderswo, mit den Kräften hauszuhalten. In Europa wird meist auf einem Rundkurs mit vielen Zuschauern gelaufen. Die können dich antreiben, wenn du in einer Krise bist. Wenn es dir in Hawaii bei Kilometer 32 oder 35 schlecht geht, bist du ganz mit dir allein. Wenn du damit ein Problem hast, wird es schwierig. Ich freue mich eher darauf. In Frankfurt kann es für mich auch mal anstrengend sein, wenn alle meinen Namen rufen, der ja auf der Startnummer steht.

Per, wie fiebern Sie Ihrer Hawaii-Premiere entgegen?

Per Bittner: Schlaflose Nächte habe ich noch nicht. Die Strecke soll ja auch nicht so aufregend sein. Aber die Anspannung steigt, schließlich habe ich das ganze Jahr darauf hingearbeitet. Da will ich nächsten Samstag auch meine beste Form erreichen. Das Training wird jetzt weniger. Jetzt ist es wichtig, auf den Körper zu hören.

Ritter: Damit haben viele ein Problem vor Ort. In der Woche vor dem Wettkampf findet auf der Insel ein regelrechtes Schaulaufen statt. Viele der Altersklassen-Starter wollen sich zeigen, rennen mit freiem Oberkörper rum und prüfen jeden Tag, ob die Form noch da ist. Den Fehler sollte man nicht machen. Solche Leute sind am Wettkampftag meist platt.

Gibt es sonst Unterschiede zu anderen Ironman-Rennen?

Bittner: Ich habe gehört, dass die Kampfrichter in den USA besonders hart durchgreifen, wenn es um die Kontrolle des Windschattenverbots geht.

Ritter: Das hat mich 2010 getroffen. Da habe ich in kurzem Abstand zwei Zeitstrafen bekommen. Das ist schon hart, wenn du ins Strafzelt musst und du siehst Leute vorbei fahren, die du schon hinter dir gelassen hast. Außerdem kommst du völlig aus dem Rhythmus. Gerade in den ersten eineinhalb Stunden ist auf dem Rad hohe Konzentration gefordert, um nicht in die Zehn-Meter-Zone zum Vordermann zu fahren. Ich habe das 2010 am Berg unterschätzt. Da werden aus elf Metern im Nu sieben oder acht Meter. Und schon erhälst du die Strafe. Bei den Profis wird härter gewertet als in den Altersklassen, deshalb sind deren Rad-Zeiten manchmal besser. Aber bei den Profis geht es auch um mehr Geld.

Werden Sie von der Familie begleitet?

Ritter: Nein. Ich bin ja auch nicht zum Urlaub dort. Ich teile mir ein Apartment mit meinem Manager Ronny Winkler. Mal gucken, was wir schönes kochen.

Bittner: Meine Freundin Yvonne van Vlerken hat sich um alles gekümmert. Sie kennt sich gut aus, war schon drei, vier Mal dort, hat sicher auch gute Chancen. Aber von der Familie ist niemand mit. Für mich sind dort viele Sachen neu. Da wäre es zu stressig, mich noch um Schwester, Mama oder Papa zu kümmern.

Wie verlief der letzte Wettkampf drei Wochen vor der WM?

Ritter: Ich war zum Halb-Ironman in Südfrankreich. Die Reise war wie ein Griff ins Klo, auf dem Rad ging nix. Ich hatte mir mehr als Platz elf ausgerechnet. Aber eine Generalprobe muss wohl schiefgehen. Das war im Sommer drei Wochen vor dem Ironman in Frankfurt genauso.

Bittner: Ich habe beim Mountainbike-Neuseencup die 90 Kilometer mitgemacht. Weil vor mir drei Mann gestürzt sind, habe ich den Anschluss verloren und musste lange alleine strampeln. Am Ende bin ich Achter geworden. Das Rennen war ganz schön hart, die Oberschenkel haben noch drei Tage später gebrannt. Aber es war ein guter Trainingsreiz.

In Hawaii dürfen 50 Profis starten. Wo wollen Sie sich einrangieren?

Ritter: Ich will es viel besser machen als 2010, als ich auf Platz 38 gelandet bin. Die Top 15 sind mein Ziel. Natürlich wäre ich nicht böse, wenn ich noch etwas weiter vorn lande.

Bittner: Top 20, 15, 10 - keine Ahnung.

Ritter: Die Dichte ist sehr groß. Eine Viertelstunde hinter dem Ersten kannst du schon 20. sein. Bei den Frauen kann man 15 Minuten hinter der Siegerin immer noch in den Top 5 sein.

Welches ist das beste Triathlon-Alter?

Ritter: Fast alle Sieger der letzten zehn Jahre waren jenseits der 35.

Da geht also noch was. Haben Sie aufgrund des Trainingsumfanges nicht manchmal Motivationsprobleme?

Ritter: Bei mir ist es eher umgekehrt. Einen Tag ohne Bewegung kann ich mir nicht vorstellen. Ich kann auch nicht einfach nur zum Baden an den See fahren.

Bittner: Mir macht das Spaß, was ich tue. Und wenn der Kontakt zur Spitze da ist, lohnt sich der Aufwand.

Müssen Sie noch Nebenjobs machen?

Bittner: Bis zum vergangenen Jahr war ich Fahrrad-Kurier. Aber durch Preisgelder und Sponsorenverträge kann ich die Zeit jetzt fürs Training nutzen.

Ritter: Wir könnten hier und da mehr Preisgelder gewinnen, wenn wir nicht die stark besetzte Ironman-Serie bestreiten würden. Aber mein einziger Nebenjob ist, beim Schwiegervater Rasen zu mähen. Dafür muss man sich erst qualifizieren.

Christian, Sie sind gerade 30 geworden. Hatten Sie Zeit zu feiern?

Ritter: Das holen wir im Dezember nach. Dann wird meine Freundin auch 30 und zwei Tage später heiraten wir. Sie hat mich gefragt, ob ich überhaupt wiederkomme, wenn ich in Hawaii gewinne und 110 000 Dollar kassiert habe. Ich habe geantwortet: Ja, dann fliege ich aber Business Class. Interview: Frank Schober

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.10.2013

Frank Schober

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