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Jenaer Fußballer ohne Stadion - Keine Unterstützung für SV Schott aus Leipzig im DFB-Pokal

Jenaer Fußballer ohne Stadion - Keine Unterstützung für SV Schott aus Leipzig im DFB-Pokal

Der Form wegen im Volksmund liebevoll „Giraffen“ genannt, gehören die Flutlichter des Ernst-Abbe-Sportfelds seit nunmehr 40 Jahren zur Silhouette Jenas, haben das Stadion zum unikaten Schmuckstück gemacht.

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Das von der Saale überflutete Ernst-Abbe-Stadion in Jena. Foto (2. Juni): Candy Weltz

Quelle: Candy Welz

Jena. Doch nun der Schock: Das 1974 verbaute Metall Europas höchster Flutlichtanlage ist am Sockel weggerostet, die Standsicherheit gefährdet. Konsequenz: Die vier Flutlichtmasten müssen verschwinden und das Stadion bleibt bis zum Abbau der Metallriesen gesperrt. Eine zweite Begehung am Donnerstag bestätigte nun das Statiker-Gutachten und die Entscheidung vom Vortag.

Fußball-Regionalligist FC Carl Zeiss Jena als Hauptmieter des Areals erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Stadt. Sportlich und wirtschaftlich summierten sich die Ereignisse für den Traditionsclub in existenzbedrohliche Ausmaße. „Die sportliche wie wirtschaftliche Tragweite der Komplettsperrung des Ernst-Abbe-Sportfeldes ist für uns noch gar nicht abzusehen. Nach eine Unzahl von Spielabsagen im Winter, dem Hochwasserschaden im Juni, nun vielleicht noch der Wegfall der Saisoneröffnung und ein gesperrtes Stadion. Die Summe der Ereignisse ist für unseren Verein Existenz bedrohend“, klagte Präsident Rainer Zipfel.

Geschäftsstelle und Mannschaft würden nun aus dem Gelände verbannt - mitten in der Vorbereitung auf eine Saison, die eigentlich den Aufstieg bringen sollte. Das für Samstag geplante Spiel zum 110-jährigen Jubiläum gegen den walisischen Club New Port County wird nach Weimar verlegt. „Wir wollten und konnten unseren walisischen Freunden einfach nicht absagen. Natürlich sind wir alles andere als in Feierlaune, da die Auswirkungen der Stadionsperrung für uns Existenz bedrohende Auswirkungen haben kann“, sagte Zipfel am Donnerstag.

Verein und Fans kritisieren Sanierungsstau der Stadt

Die Stadionsperrung hat weit über die Saisoneröffnung hinausgehende Konsequenzen. „Wir sind quasi obdachlos, nicht arbeitsfähig. Das ist umso bitterer, als dass die Stadt Jena schon seit Jahren um den Sanierungsstau bei der Flutlichtanlage weiß. Das ist nun die Quittung. Es kann nicht sein, dass der FCC diese nun zahlen soll“, sagte Geschäftsführer Roy Stapelfeld. Laut Zipfel  habe man die Stadt Jena aufgefordert, dem Club „im Laufe des Freitags eine verbindliche Aussage zukommen zu lassen, wann hier wieder der Spielbetrieb aufgenommen werden kann. Klarheit ist für uns, die wir am Freitag Staffeltagung haben, existenziell wichtig. Andernfalls drohen uns viel schlimmere Dinge als das Verlegen eines Freundschaftsspiels.“

Inwieweit Carl Zeiss noch seine sportlichen Perspektiven anpacken kann, steht in den Sternen. „Wie wollen wir im März des nächsten Jahres Lizenzunterlagen einreichen, ohne ein Flutlicht vorweisen zu können, was zwingend erforderlich ist? Der FC Carl Zeiss Jena steht am Scheideweg“, erklärte Zipfel.

DFB-Pokal-Spiel gegen den HSV: Leipzig kann SV Schott Jena nicht helfen

Betroffen sind auch die Bundesligafußballerinnen vom FF USV sowie die Leichtathleten und Wassersportler vom Flussabschnitt, der Teil der Sperrzone ist. Auch das DFB-Pokalspiel des SV Schott Jena gegen den Hamburger SV am 4. August ist in Gefahr. Eine Anfrage in Leipzig, notfalls dort in der Red Bull Arena zu spielen, verlief nicht positiv.

"Wir haben einen dichten Terminplan, das Spiel würde mit den Interessen unseres Hauptmieters RB Leipzig kollidieren", sagte Stadion-Chef Winfried Lonzen der LVZ.

Hintergrund: RB kickt zwei Tage vorher gegen Augsburg, der Rasen würde leiden. Zudem sind die Erfahrungen mit Jenaer Fans nicht die besten. Schotts Fußball-Abteilungsleiter Jörg Triller zeigte Verständnis und ist derzeit ratlos. Erfurt oder Gera seien aus logistischen Gründen ungeeignet. "Uns bleibt nur, zu warten und aus Jena auf weißen Rauch zu hoffen."

Die Carl-Zeiss-Fans haben derweil einen Hauptschuldigen schon ausgemacht. Sie machen die KIJ als Betreiber für die Katastrophe maßgeblich verantwortlich. Diese hätte in den vergangenen Jahren unter anderem am Korrosionsschutz gespart und seit 2010 knapp 1,7 Millionen Euro zur Flutlichtsanierung zurückgehalten, obwohl das Geld im Haushalt sogar vorgesehen gewesen wäre, hieß es in einer Stellungnahme der Bürgerinitiative „Unser Stadion“ Jena: „Die jetzige Situation hätte vermieden werden können.“

Der von den Fans schon langersehnte Umbau des Stadion in eine Multifunktionsarena würde „jegliche Instandhaltungen oder Investitionen in den derzeitigen Bestand voraussichtlich überflüssig machen“, begründete Oberbürgermeister Albrecht Schröter erst vor wenigen Tagen in einem Brief an die Fans. Grob fahrlässig, sagen die. Und noch dazu widersprüchlich. „Die Stadt ist es doch, die in Sachen Umbau seit Jahren auf Zeit spielt“, klagte Dirk Plötner, Vorsitzender der 2008 gegründeten Bürgerinitiative. Deren Forderung ist deshalb klar: Die neue Arena endlich auf den Weg zu bringen, bevor das Sportfeld in Sachen Investition zum Fass ohne Boden werde.

Anne Armbrecht, dpa/S.E.

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