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Kapitäne unter sich: Hertzsch, Jülich und Kittler beim Fußball-Talk

Kapitäne unter sich: Hertzsch, Jülich und Kittler beim Fußball-Talk

Fußball-Talkrunde beim Leipzig Fernsehen im List-Haus, die Kapitäne der Leipziger Oberligisten steckten die Köpfe zusammen. Es gab stilles Wasser, perlende Statements, einen fidelen Moderator (Roman Knoblauch) und mit Ingo Hertzsch (32/RB), Torsten Jülich (35/Lok) und Kevin Kittler (28/FC Sachsen) gut gelaunte Diskutanten.

Leipzig. Die Quintessenz der knackigen Stunde gibt es schon vor der Ausstrahlung (Freitag, 18.30 Uhr, Sonnabend, 10.30 und 18 Uhr): Die einstigen Platzhirsche haben sich mit dem Zwölfender RB arrangiert, pochen aber trotz des Eindringlings auf ihre Daseinsberechtigung.

Jülich, der nach fünf Jahren der Wanderschaft (1. FC Saarbrücken, Eintracht Braunschweig) 2008 zurück in den Schoß seines Stammvereins gekehrt ist: "Wir können das Rad jetzt nicht mehr zurückdrehen. RB ist da, die werden aufsteigen - und wir müssen auf uns schauen, eine gute Rückrunde spielen. Nach all den Aufstiegen stagnieren wir momentan in der Oberliga etwas, aber das ist eine normale Entwicklung." Die Stagnation komme aber gewissermaßen zur rechten Zeit, merkte der Ur-Leutzscher Kittler (kam just von einem grün-weißen Bowling-Nachmittag) an. "In dieser Saison hat eh nur ein Verein eine Chance auf Platz eins. Wir sind froh, dass wir nach der zweiten Insolvenz überhaupt noch existieren. Da muss man zwangsläufig kleine Brötchen backen."

Jülich/Kittler sind sich einig, dass beide Traditionsklubs auf Sicht vom Oberligakrösus profitieren werden. Hintergrund: Dank des finanziellen Spiels ohne Grenzen können Talente künftig in der Wiege des Deutschen Fußball-Bundes gehalten werden, müssen sich nicht mehr in Halle, Chemnitz oder Dresden verlustieren. Und weil nicht jede Nachwuchskraft auf Sicht dem hehren (Bundesliga-)Anspruch der Rasenballer genügen wird, fällt auch etwas für Probstheida und Leutzsch ab.

Beim Thema Kohle und Schmerzensgeld für Profis im Spätherbst ihrer Karriere klinkte sich Ingo Hertzsch energisch ein. "Wir sind keine Söldnertruppe, sondern Fußballer, die richtig Lust haben, das Projekt nach vorne zu bringen." Zweifler könnten gerne eine der hitzigen Übungseinheiten besuchen. "Bei uns schiebt keiner eine ruhige Kugel." Der Konkurrenzkampf sei jetzt schon extrem, werde mit jeder höheren Spielklasse immer härter. Jaja, nur die Harten kommen in den Garten, dürfen sich das saftige Grün der Bullen-Weide einverleiben. Dass auf dem Weg vom Trainingsplatz zum Ernstfall bislang einiges an Power und Klasse verlustig gegangen ist, ist auch Hertzsch nicht entgangen. "Wir haben selten richtig gut, begeisternd und schnell gespielt. Das muss besser werden." Der 32-Jährige ist übrigens angenehm überrascht, wie fair es bei den Derbys gegen Lok und Sachsen Leipzig zugegangen ist. "Hat Spaß gemacht." Könnte auch an den beiden Siegen gelegen haben ...

Während sich der zweimalige Nationalspieler auf den Umzug von Markranstädt ins Zentralstadion freut, ist FCS-Mann Kittler glücklich über den Weg zurück zu den Wurzeln, sprich in den Kunze-Sportpark. Einen echten Heimvorteil habe es in der WM-Arena nie gegeben, so der 28-jährige Student. Es mache schlicht keinen Sinn, vor 2000, 3000 Hanseln in der riesigen Schüssel zu spielen. "In Leutzsch herrscht eine ganz andere Atmosphäre, da sind wir und unsere Fans zu Hause."

Dass sich die grün-weißen und blau-gelben Fußballer im heimischen Leipzig den Hintern verfroren, während die potenten RBler im Süden übten, lässt Jülich und Kittler im wahrsten Sinne des Wortes kalt. "Wir haben die Vorbereitung gut durchgezogen, sind heiß auf Aue", sagt "Jule" mit Blick auf das vorgezogene Spiel gegen die U23 von Erzgebirge Aue (Sonnabend, 13.30 Uhr). Und, nein, er ist nicht neidisch auf das Rasenball-Camp in Andalusien. "Ich war in meiner Karriere auch schon in ein paar Trainingslagern, muss das nicht mehr unbedingt haben." Kittler sieht im Andalusien-Trip keinen Wettbewerbsvorteil. Im Gegenteil. "Gespielt wird wahrscheinlich auf Eis und Schnee - und darauf haben wir in den letzten Wochen auch trainiert."

Kittler hat einen verwegenen Traum, der so geht: Er spielt (und gewinnt) mit seinen Leutzschern in der Regionalliga (!) gegen den 1. FC Lok - und pilgert tags darauf mit Frau und Kind ins ehemalige Zentralstadion, um in der ausverkauften Red-Bull-Arena Bundesliga-Fußball zu gucken.

Eingefleischte Fans der drei Klubs müssen jetzt ganz stark sein: Nach der Freud betonten Aufzeichnung im Studio 3 sammelten sich Hertzsch, Jülich und Kittler am Tresen und stießen mit eiskaltem Weizenbier an. Lächelnd, sich mögend und verstehend. Diese heimelige Atmosphäre wird eher weniger Stil bildend für die Anhänger der Vereine sein.

Guido Schäfer

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