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Leipziger Boxprofis machen kurzen Prozess in Dessau

Boxnacht Leipziger Boxprofis machen kurzen Prozess in Dessau

Sandra Atanassow und Nico Wagner überzeugen bei der Dessauer Boxnacht. Die Federgewichtlerin gewann bereits in Runde zwei durch technisches K.o. Schwergewichtler Fliegner brauchte eine Runde mehr.

Marianna Gylias (l.) gegen Sandra Atanassow bei der Boxnacht in Dessau.

Quelle: Hartmut Boesener

Dessau/Leipzig. Bis zu ihrem persönlichen Kampf des Jahrhunderts ist es noch ein steiniger Weg. Doch die Richtung stimmt, wie Sandra Atanassow am Sonnabend bei der Dessauer Boxnacht mit ihrem dritten Profi-Sieg eindrucksvoll unterstrich. Den Soundtrack aus Rocky IV – Kampf des Jahrhunderts – hatte die Federgewichtlerin zum Einmarsch ausgewählt („Eine Szene des Films ist für mich der Wahnsinn und immer wieder Antrieb zu trainieren“), ehe sie Minuten später der erfahrenen Ungarin Marianna Gulyas keinen Moment zum Luftholen ließ.

Von Abtasten war in dem auf 6x2 Minuten angesetzten Duell nichts zu spüren – Sandra Atanassow legte ein Höllentempo vor und war stets Chefin im Ring. In Runde zwei wurde die Ungarin zwei Mal in kurzer Folge angezählt, sodass Ringrichter Timo Hoffmann („Die deutsche Eiche“ kämpfte vor 15 Jahren gegen Vitali Klitschko) auf technisches K.o. entschied und abbrach. „Ich war anfangs überrascht, dass schon Schluss ist, ich hätte gern noch weiter gekämpft“, sagte die Siegerin, die mit ihrem Auftritt nicht nur Werbung in eigener Sache, sondern für das Frauenboxen an sich betrieb: „Mein Plan, Druck zu machen und sie nicht zur Entfaltung kommen zu lassen, ist super aufgegangen.“ Die Freude war riesig, immer wieder kamen Freunde sowie wildfremde Menschen, um sich mit der 1,68 m großen und 57 Kilo leichten Frau vom Boxring Atlas fotografieren zu lassen.

Der Gong zum Kampfbeginn hatte für die 31-Jährige wie eine Befreiung gewirkt, „denn ihre Nervosität war heute grenzwertig“, sagte Trainer Torsten Müller. Dies bestätigte Sandra: „Als meine Musik anfing, wollte ich erst gar nicht aus der Kabine. Alles war wie Pudding. Und auf dem langen Weg zum Ring ging mir alles Mögliche durch den Kopf.“ Dennoch: Die volle Halle und die Atmosphäre in Dessau seien „einfach nur Hammer“ und halfen, ihr Potenzial abzurufen. Während sich andernorts im Vorprogramm die Reihen langsam füllen, ging das Dessauer Publikum von Anfang an voll mit. Aufgrund der Nähe zu ihrer Heimatstadt waren viele Fans extra wegen der Sächsin angereist.

Während Sandra Atanassow keine Zeit verlieren, die gute Zusammenarbeit mit dem Sauerland-Stall fortsetzen und schon 2016 um den (internationalen) deutschen Meistertitel kämpfen will, geht es dem Leipziger Schwergewichtler Nico Wagner darum, im Boxring Spaß zu haben. Den hatte der ehemalige Footballer der Leipzig Lions bei seinem Profi-Debüt in seinem erst dritten Boxkampf garantiert. Die Anspannung des 33-Jährigen, der zum Hit der dänischen Metal-Band Volbeat („Ruf für einen Krieger“) einlief, entlud sich in grenzenlosen Jubel, als in Runde drei die Betreuer des Polen Patryk Kowoll das Handtuch warfen. Glücklich fiel Wagner seinem Coach Maik Kurzweil um den Hals.

„Ich bin froh, dass ich meine Ausdauer, Athletik und Wendigkeit ausspielen und meinen Trainer stolz machen konnte“, sagte der 1,94 m große und 113 Kilo schwere Fitnesstrainer, der seine Motivation so beschreibt: „Im Football ist dein Team nur so stark wie das schwächste Glied in der Kette. Als Boxer kann ich mich selbst beweisen. Ich brauchte eine Vollkontaktsportart, in der ich mit Disziplin, Ehrgeiz und Willen viel erreichen kann, auch wenn ich in meinem Alter kein Weltmeister mehr werde.“

Der ehemalige Hallenser, der seit 2006 in Leipzig lebt, warb mit seinem Dessauer Auftritt auch für das Sin City Boxgym L.E.: „Das klassische Box-Klischee wird bei uns nicht bedient. Wir sind wie eine Familie, bei uns trainieren Studenten, Anwälte oder Journalisten zusammen – und alle sind gleich.“ Wagner freut sich schon jetzt auf die am 7. Mai in der Wollkämmerei geplante Box-Nacht. Und 2016 wird sicher auch sein Coach wieder in den Ring steigen.

Von Frank Schober

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