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Leipziger GP2-Pilot Marvin Kirchhöfer bereit für Auftakt in Barcelona

Motorsport Leipziger GP2-Pilot Marvin Kirchhöfer bereit für Auftakt in Barcelona

Heißes Pflaster in Barcelona: Leipzigs Motorsport-Ausnahmetalent Marvin Kirchhöfer greift am Pfingstwochenende wieder an. Nach seinem Wechsel in die GP2 und ins Cockpit des britischen Rennstalls Carlin will sich der 22-Jährige auch in der neuen Serie behaupten. Dabei hat Kirchhöfer an den Circuit de Barcelona-Catalunya beste Erinnerungen. Dort feierte er im Vorjahr in der GP3 seinen ersten Saisonsieg.

Der neue Dienstwagen von Marvin Kirchhöfer: blau und mit 600 PS unter der Haube.

Quelle: Foto: Marco Lang

Barcelona/Leipzig . Die Italiener haben guten Geschmack und die Ruhe weg. Auf den letzten Pfiff schickten sie am Donnerstagmittag den maßgeschneiderten, weiß-blauen Rennanzug für Leipzigs GP2-Debütanten Marvin Kirchhöfer direkt ins Hotel nach Barcelona.

„Alles super, das Teil ist vielleicht eine Idee zu groß. Aber daran sollte ein erfolgreicher Auftakt nicht scheitern“, sagte Kirchhöfer vor der neuen Herausforderung als Pilot im englischen Carlin-Team. Der 22-Jährige hält im internationalen Fahrerfeld die deutsche Fahne hoch. Kurzfristig wurde als neuer Teamkollege der Spanier Sergio Canamasas präsentiert. Der 30-Jährige hat bereits einschlägige Erfahrungen in der GP2 gesammelt und war schon als Testfahrer in der Formel 1 unterwegs. „Der ist sauschnell und kennt sich auf seiner Heimstrecke aus. Das sollte für Marvin von Vorteil sein“, hofft Uwe Baade (53) auf einen gelungenen Saisoneinstand seines Adrenalin besessenen Sohnes, dem er wie in den Jahren zuvor als Sponsor, Ratgeber und Vertrauter zur Seite steht.

Neuer Champion gesucht

Eins ist bereits vor dem ersten Rennen morgen auf dem 4,655 km langen Circuit de Catalunya sicher: Es wird einen neuen Champion geben. Vorjahres-Titelträger Stoffel Vandoorne (Belgien) wechselte in die Formel 1 zum McLaren-Team. Zu den Favoriten 2016 zählen die Experten den Vorjahresdritten Sergey Sirotkin (ART Grand Prix) und den Neuseeländer Mitch Evans (Campos Racing). Darüber hinaus kommen mit Alex Lynn bis zu den Junior-Routiniers Mitch Evans (Campos) oder Raffaele Marciello (Russian Time) viele Piloten fürs Podest in Frage.

Auch mit Kirchhöfer, der im Vorjahr zum Auftakt der GP3 seinen ersten Sieg in Barcelona gefeiert hat, ist zu rechnen. Doch das Umfeld mahnt: Bitte die Kirche im Dorf lassen. Das neue, blaue Dienstfahrzeug hat 600 PS unter der Haube, 200 mehr als zuletzt. „Ich freue mich extrem, dass es nach der langen Pause endlich wieder losgeht, mit neuer Strategie und Boxenstopp. Das Gefühl ist gut, die Jungs und ich haben Bock auf vordere Platzierungen. Ich denke, fürs Wochenende ist Top 8 bis 10 drin“, schätzt „MK“ ein. Die Startnummer 19 soll dabei Kirchhöfers Glückszahl sein, weil er an einem 19. Geburtstag hat. Dass vor dem ersten Rennen besonders viel Spannung in der Luft liegt, muss nicht extra betont werden. „Jeder versucht, das Maximum herauszuholen.“ Kirchhöfers Traum bleibt die Königsklasse. Die Formel 1 lässt grüßen, die mit dem „Großen Preis von Spanien“ traditionell die Rennsaison in Europa beginnt – die GP2 im Vorprogramm.

Programm, Freitag freies Training und Qualifying (15.55 Uhr). Sonnabend, 1. Rennen, 15.40 Uhr. Sonntag, 2. Rennen, 10.25 Uhr. TV-Übertragung bei Sky/Sport1.

Im Schnelldurchlauf:

Kirchhöfer über Details zum neuen Dienstwagen: Die Tests waren gut. Meine Strategie: Zum Auftakt sollte es gelingen, in die Top 7 zu fahren. Dann will ich mich von Rennen zu Rennen steigern.

... rasend durch Monaco, zweite Station der Serie: Ich war dort im vergangenen Jahr zum Grand Prix an der Strecke, aber nur mit 50 km/h unterwegs. Jetzt mit 270 Sachen wird es doch noch mal enger.

... die Engländer nach zwei Jahren im französischen Team: Ich bin happy mit der neuen Mannschaft. Die Jungs sind unkompliziert, sehr offen, super drauf und die Verständigung ist auch einfacher. England gefällt mir außerordentlich gut. Zum Simulator-Training bin ich in dieser Woche noch mal in der Zentrale von Carlin. Die liegt auf halber Strecke zwischen London und Winchester in Farnham. Einer von den Mechanikern sammelt mich am Flughafen ein. In Frankreich musste ich immer ein Mietauto nehmen, da waren die knallhart.

... Boxenstopp, den es in der GP3 nicht gab: Verlangt schon einige Übung. Denn da geht es verdammt eng zu, enger als in der Formel 1. Bei uns sind es nur zehn Zentimeter zwischen Mechaniker und Auto. Da muss alles stimmen. Noch ein Unterschied zur Königsklasse: Dort sind 21 Leute bei einem Boxenstopp beschäftigt, bei uns sechs. Erklärt auch die Schnelligkeit. In der Formel 1 geht das unter 2,5 Sekunden, wir kommen aufs Doppelte.

... weitere neue Parameter: Statt 400 PS sind es jetzt 600. Wir haben zwei Rennen mehr im Kalender, elf statt neun. Neu sind die Stationen Monaco und Baku. Die Rennen dauern eine Stunde, was mir entgegenkommt. Vorher waren es 40 Minuten. Wir fahren unterschiedliche Reifenmischungen: Im freien Training mit harten Reifen, im Qualifying sind es die weichen.

... das teure Vergnügen: Die Saison wird definitiv teurer als letztes Jahr. Es ist ja kein Geheimnis, dass es für einen Fahrer, der nicht die Erfolge mitbringt, in der GP2 um die 1,5 Millionen kostet. Da ich mich ganz gut angestellt habe, zweimal in Folge GP3-Dritter wurde, bewegt sich das für uns im unteren siebenstelligen Bereich – immer noch ein Batzen Geld. Mit unserem Etat sind wir noch nicht ganz durch, arbeiten dran und suchen nach passenden Partnern. Mal zum Vergleich: Im Kartsport lag der Etat bei 100 000 Euro, in der GP3 vom Team abhängig zwischen 600 000 und 700 000 Euro. Deshalb bin ich über meine loyalen Sponsoren sehr froh. Es war ja lange nicht klar, in welche Richtung es in dieser Saison geht, als ich von Mercedes auf Warteposition gesetzt wurde. DTM stand zur Debatte. Erst Ende Februar haben wir es dann mit Carlin hingekriegt.

... den Hype um Mick Schumacher (17): Vorteil für ihn ist das extreme mediale Interesse. Doch daraus erwächst auch ein extremer Druck. Man wird sehen, wie er in der Formel 4 abschneidet. Ich habe sie im ersten Jahr gewonnen, wobei man fairerweise sagen muss, dass das Niveau in dieser Klasse schon gestiegen ist.

... Rennanzug und Helm: Der Anzug kommt maßgeschneidert aus Italien, Farbe blau-weiß. Der Helm ist der alte, weiß-rot.

... die Startnummer 19: Das soll meine Glückszahl werden, weil ich am 19. März Geburtstag habe.

... Hündin Lucky: Sie ist ein guter sportlicher Begleiter und strahlt positive Energie aus. Sollte ich irgendwann mal beim Joggen schneller sein, bin ich zufrieden. Ich fühle mich fit, auch dank der super Betreuung in der Medica-Klinik. Unter Leitung von Patrick Eder erhalte ich dort zudem ein spezielles Reaktions- und Koordinationstraining.

... die Fernbeziehung zu Freundin Jackie, die in der Schweiz lebt: Es ist gut, wie es läuft. Klar ist das nicht immer einfach, aber wir beide sind fokussiert auf unsere Ziele, die wir verfolgen.

... die Rasenballer in der Königsklasse: Das ist für RB und Leipzig eine Riesensache. Wir wissen, dass es nicht der typische Traditionsverein ist, aber der große Zuspruch sagt doch alles. Die Stimmung im Stadion ist sensationell. Ich war schon mehrfach live dabei und freue mich jetzt auf Bayern, Dortmund und Co.

Termine, GP2:

14./15. Mai: Barcelona, Spanien

28./29. Mai: Monte Carlo

18./19. Juni: Baku

2./3. Juli: Spielberg

9./10. Juli: Silverstone

23./24. Juli: Budapest

30./31. Juli: Hockenheim

27./28. August: Spa-Franchorchamps

3./4. September: Monza

1./2. Oktober: Sepang

26./27. November: Abu Dhabi

Von Kerstin Förster

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