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Leipziger Mediziner stärken Handball-Schiedsrichtern den Rücken

Interview Leipziger Mediziner stärken Handball-Schiedsrichtern den Rücken

Der Siegeszug der deutschen Handballer bei der EM in Polen war auch begleitet von Diskussionen über Verletzungen im Handball. Bundestrainer Dagur Sigurdsson waren vor und während des Turniers wichtige Spieler ausgefallen. Grund genug, darüber mit Dr. Gotthard Knoll (Mannschaftsarzt HCL) und Dr. René Toussaint (Mannschaftsarzt SC DHfK) zu sprechen.

Sie sorgen für die Gesundheit der Leipziger Spitzen-Handballer: Dr. Gotthard Knoll (Mannschaftsarzt des HC Leipzig, rechts) und Dr. René Toussaint (Mannschaftsarzt des SC DHfK, links).

Quelle: Christian Modla

Der Siegeszug der deutschen Handballer bei der EM in Polen war auch begleitet von Diskussionen über Verletzungen im Handball. Bundestrainer Dagur Sigurdsson waren vor dem Turnier und während der Spiele wichtige Akteure ausgefallen. Grund genug, darüber mit Dr. Gotthard Knoll (Mannschaftsarzt des HC Leipzig) und Dr. René Toussaint (Mannschaftsarzt des SC DHfK) zu sprechen. Dr. Knoll ist im Leipziger St. Elisabeth-Krankenhaus Chefarzt der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie - Sportklinik, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen begeht. Dr. Toussaint ist in diesem Krankenhaus ärztlicher Leiter des ambulanten Rehazentrums in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses.

Ist Handball eine Sportart, in der besonders viele Verletzungen vorkommen?

Dr. Gotthard Knoll: Handball ist ein harter Sport, keine Frage. Das ergibt sich aus dem körperbetontem Spiel, in dem dann auch nahezu alle Körperteile in Mitleidenschaft gezogen werden können.

Dr. René Toussaint: Es gibt auch Spiele, in denen wir nicht aufs Feld müssen, um Verletzungen zu behandeln. Aber manchmal hat man gar nicht genug Hände um zu helfen. Nach einer Untersuchung in Deutschland treten die meisten Verletzungen bei den Frauen im Handball vor Volleyball und bei den Männern im Fußball vor Handball auf.

Dr. Gotthard Knoll: Die Schwere der Verletzungen ist bei Skifahrern besonders groß, was durch die hohen Geschwindigkeiten zu erklären ist. Aber damit haben wir in diesem Winter aus naheliegender Gründen nicht so viel zu tun.

Handball-Trainer klagen über zu viele Spiele in einer Saison. Zu Recht?

Dr.  René Toussaint: Mancher Nationalspieler hatte vor dem ersten EM-Spiel schon fast 50 Partien absolviert. Das ist natürlich sehr viel.

Dr. Gotthard Knoll: Wenn die Last in den 60 Minuten oft und lange nur auf wenigen Spielern liegt, ist bei diesen die Verletzungsanfälligkeit zwangsläufig größer. Mit einer größeren Breite im Team wird das Risiko natürlich geringer.

Also unterstützen Sie die Pläne, dass sich die HBL den internationalen Regularien anschließt und 16 statt 14 Spieler pro Team zulässt? In der Frauen-Bundesliga und bei allen internationalen Wettbewerben auf Club- und Nationalmannschaftseben wird bereits mit 16 Spielern gespielt.

Dr. Gotthard Knoll: Unser Bestreben geht zunächst dahin, dass das Gleichgewicht zwischen Belastung und Regeneration stimmt. Wir legen außerdem immer Wert darauf, dass in der Saisonvorbereitung die konditionellen und koordinativen Grundlagen geschaffen werden, damit die Akteure die Belastung bewältigen.

Frage: Hören die Trainer auf Ihre Hinweise? Die wollen doch vor allem, dass die Verletzten möglichst schnell wieder zu Verfügung stehen.

Dr. René Toussaint: Aber ja, sie hören genau zu. Wir sind da im engen kooperativen Austausch. Sie wissen ja auch, dass es wenig sinnvoll ist, jemand einzusetzen, wenn die Verletzung noch nicht belastbar ausgeheilt ist. Um das Rückkehrziel schnellstmöglich zu erreichen, erhalten die Verletzten sofort eine intensive sporttherapeutische und rehabilitative Behandlung. Zur endgültigen medizinischen Beurteilung der Spielfähigkeit setzen wir zunehmend auch spezielle Tests ein.

Dr. Gotthard Knoll: Auch ich hatte mit keinem Trainer ein Problem. Die Reha ist extrem wichtig. Und deshalb ist es günstig, dass wir in unserem Haus alles unter einem Dach anbieten. Wir haben kurze Wege. Sportwissenschaftler Martin Franz sowie die Physiotherapeuten Christian Markus und  Danilo Menge, die auch den HCL betreuen, arbeiten ebenfalls hier. Unsere Einrichtungen haben einen hohen Stellenwert bei der Versorgung von Sportlern. Das gilt natürlich auch für alle anderen Patienten, die aus Mitteldeutschland zu uns kommen.

Gibt es besonders typische Handballverletzungen?

Dr. Gotthard Knoll: Kreuzband-, Schulter- und Muskelverletzungen kommen häufig vor. Langwierig sind insbesondere Kreuzbandverletzungen. Ein halbes Jahr Pause muss mindestens einkalkuliert werden. Auch Bauchmuskelverletzungen tauchen auf. Gefährlicher können Wirbelverletzungen werden, insbesondere dann, wenn neurologische Zeichen wie Lähmungen oder Gefühlsstörungen auftreten. Auch dies kam schon vor und verlangt dann besondere Aufmerksamkeit und Sorgfalt.

Dr.  René Toussaint: Und deshalb begrüßen wir sehr, wenn die Schiedsrichter Attacken, die die Sportler in ihrer Gesundheit gefährden, konsequent bestrafen, zum Beispiel wenn der Spieler in der Luft gestoßen wird und seine Bewegung und die Landung auf dem Boden nicht mehr koordinieren kann. Dann können schwere Verletzungen entstehen, auf die sich der Körper auch bei bester Ausbildung nicht einstellen kann. Mit sensomotorischem Training haben wir vorher Automatismen geschult. Die funktionieren aber bei Unfairness leider nicht.

Interview: Winfried Wächter

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