Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° Sprühregen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Leipziger Olympiasieger Thomas Munkelt: "Bolt tut mir ein bisschen leid"

Leipziger Olympiasieger Thomas Munkelt: "Bolt tut mir ein bisschen leid"

Thomas Munkelt (61) wurde 1980 Olympiasieger in Moskau über 110 m Hürden. Der heutige Zahnarzt startete für den SC DHfK Leipzig und wurde zudem zweimal Europameister.

Leipzig. Nach dem Olympiaboykott der DDR 1984 in Los Angeles trat er zurück.

Frage: Mit Ihrer Bestzeit von 13,37 Sekunden wären Sie bei den Weltmeisterschaften in Moskau Siebter geworden. Stellen Sie solche Vergleiche an?

Thomas Munkelt:

Eigentlich nicht. Eine Medaille ist dafür jedenfalls nicht mehr drin. Da muss man schon drei Zehntel schneller sein. Wichtig ist, dass die Läufer bei solchen Höhepunkten ihre Bestzeiten erreichen oder verbessern, und dann muss man sehen, was herauskommt.

Warum sind Ihre Nachfolger von ihren Bestleistungen bei solch wichtigen Wettkämpfen ziemlich weit entfernt?

Das weiß ich auch nicht so genau. Vielleicht haben sie einfach zu viele Höhepunkte im Jahr. Als ich aktiv war, war alles sehr überschaubar. Da hattest du viel Zeit, um sich auf die EM oder die Olympischen Spiele vorzubereiten. Die WM gibt es ja erst seit 1983. Da bist du nicht zu jeden Wettkampf gefahren, um ein paar Mark mitzunehmen. Das war jetzt nicht wörtlich gemeint, denn ich hätte das Startgeld, also die harte Währung, sowieso abgeben müssen.

Aber eine Westreise war doch bestimmt immer interessant, oder nicht?

Na klar, weil sie schließlich auch mit dem entsprechenden Tagegeld verbunden war. Aber nach meinem Olympiasieg 1980 war ich zum Beispiel so abgespannt, dass ich eine Einladung zum großen Meeting nach Zürich absagte. Mein Trainer Dieter Bachmann lag im Sterben. Ich wollte nur noch nach Hause und meine Ruhe haben. Aber am 28. August fahre ich als Tourist nach Zürich und schaue mir die Wettkämpfe an. Im Fernsehen kommt ja nichts mehr.

Wie könnte die Leichtathletik fürs Fernsehen interessanter werden?

Sie ist interessant genug, aber es wird ja nur noch Fußball übertragen. Egal, welche Bedeutung das Spiel hat und um welche Liga es geht. Ich bin Fußball-Fan, doch das geht auf Kosten anderer Sportarten und das finde ich unfair.

Kann der Zuschauer den Leistungen trauen, die Leichtathleten vollbringen?

Wenn ich zweifle, kann ich nicht zuschauen. Bei der Tour de France ist die Begeisterung an der Strecke doch auch nach wie vor riesig, Ich finde, dass gerade in der Leichtathletik sehr viel getestet wird. Ein solche harte Herangehensweise wünschte ich mir zum Beispiel auch im Fußball. Der Weltverband Fifa hat doch genügend Geld, um die weltweiten Kontrollen durchführen zu lassen. Irgendwie ist es komisch, dass im Vergleich zur Leichtathletik bei den Fußballern weniger Blutkontrollen durchgeführt werden. Dabei würde es der Glaubwürdigkeit keineswegs schaden.

Ist Usain Bolt für Sie glaubwürdig?

Solche Ausnahmetalente gibt es immer. Er tut mir fast ein bisschen leid, denn wenn er wie in Moskau keine Weltrekorde läuft, vermuten einige, dass er Angst vor Doping-Kontrollen hatte und daher auf die Mittel verzichtet hat. Läuft Bolt Weltrekord, heißt es: Jetzt hat er wieder gedopt.

In Moskau gab es keinen einzigen Weltrekord. Für Sie also kein Zeichen, dass Doper vorsichtiger geworden sind?

Leistungssport findet im Grenzbereich statt. Da kann ich nicht ständig Weltrekorde erwarten. Eine gewisse Stagnation wird es immer geben, ohne dass gleich Argwohn gehegt werden muss.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.08.2013

Interview: Winfried Wächter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regionalsport

Jede Woche im LVZ-Tippspiel zur Saison 2016/17 regionale Partien tippen und tolle Preise gewinnen! mehr

Alle Wettquoten zu Spielen von RB Leipzig gibt es bei SmartBets.