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Leipziger beim Höllenritt auf Hawaii

Ironman-WM Leipziger beim Höllenritt auf Hawaii

Im himmlischen Inselparadies von Kailua-Kona werden zwei Leipziger „Eisenmänner“ bei den Ironman-Weltmeisterschaften starten. Die Profis Christian Kramer und Per Bittner sind auf Hawaii mit Freude und Demut dabei.

Höllenritt im Paradies: Auf Hawaii finden die Ironman-Weltmeisterschaften statt.

Quelle: Imago

Leipzig. Ihre letzten Erfahrungen auf Hawaii waren nicht die besten. Deshalb sind die Leipziger Triathlon-Profis Christian Kramer und Per Bittner mit einer gehörigen Portion Demut zur Ironman-Weltmeisterschaft auf die windige Sonneninsel nach Kailua-Kona gereist, wo für Sonnabend ausnahmsweise angenehmes Wetter ohne extreme Hitze oder Sturmböen angesagt ist.

Christian Kramer wartet trotz der Top-Ten-Plätze in Südafrika und Frankfurt/Main in diesem Jahr noch auf ein annähernd perfektes Rennen. Nach seinem 14. Rang 2014 auf Hawaii hatte er an den Durchbruch geglaubt, doch die Einbrüche in den Folgejahren haben den 33-Jährigen geerdet. Diesmal haben Kramer und sein Team die Erwartungshaltung nach unten geschraubt, er soll wieder unverkrampft wie vor drei Jahren rangehen, die Freude in den Vordergrund stellen. Obwohl er unter professioneller Anleitung sehr viel ins Radtraining investierte, standen Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis, verlor er auf den 180 Radkilometern zuletzt meist rund 20 Minuten auf die Spitze. Diese sind im Marathon nicht aufzuholen. In der Weltspitze geht es um Details, deshalb wurde jeder Anbau seines Rades und seine Sitzposition zuletzt auf der Bahn in Büttgen von Experten auf Aerodynamik überprüft.

Olympia in Rio brachte indirekt Rückenwind für Christian Kramer. Denn sein Bundesliga-Teamkollege Martin Schulz errang vor vier Wochen mit seinem Paralympics-Triumph den größten Erfolg aller Zeiten eines Leipziger Triathleten. Kramer ist davon noch immer begeistert: „Fast alle haben von ihm Gold erwartet, es gab wenige Top-Favoriten wie Martin, so etwas muss man erstmal durchbringen. Da kommt ihm seine unbekümmerte Art entgegen, das war schon beeindruckend.“ Kramer und Team-Manager Ronny Winkler sind überzeugt, dass die „gelebte Inklusion“ im Bundesliga-Team auch einen Teil zur Goldmedaille beigetragen hat.

Können Christian Kramer und Per Bittner nun auf Hawaii nachziehen? Es gibt einen riesigen Unterschied: Die Hitzeschlacht des „Sprinters“ Martin Schulz an der Copacabana fand schon nach einer Stunde ein Happy End, dagegen dauert der Kampf gegen Wellen, Wind und heißen Asphalt morgen rund achteineinhalb Stunden. Da sind auch schon Top-Favoriten entkräftet spazieren gegangen statt zu laufen.

Das Gefühl des völlig leeren Akkus und verzweifelten Kopfes kennt auch Profi Kramer: „Trotz unseres vielen Trainings passieren Einbrüche. Sie sind der Taktik geschuldet, wenn du auf dem Rad zu viel investierst. Oder du vergisst dein Gel oder Getränk in der Euphorie. Vieles ist auch eine Kopfgeschichte, wenn der Athlet vor dir wegzieht. Besser ist es, vor dir bricht einer noch viel mehr ein und du bist auf der Überholspur.“ Am Ende sei der Tank bei allen leer. Die Frage ist: Wer kann nachtanken? Welcher Körper verträgt die nachgetankte Energie? Im Ziel sage keiner, es hätte auch noch zehn Kilometer länger gehen dürfen.

Für Per Bittner ist es der zweite Auftritt auf Hawaii nach 2013, als er im Vorfeld mit Top-Ten-Sprüchen den Mund zu voll nahm und mit Platz 32 auf den Boden der Realität geholt wurde. Daraus hat der 31-Jährige gelernt, auch aus seiner Zuschauerrolle 2014, als er Freundin Yvonne van Vlerken (37) nach Hawaii begleitete, das Rennen genau beobachtete und viel auf der Insel trainierte. Beide wohnen in Österreich, doch Bittner ist seiner Heimatstadt treu, wie seine Siege beim Leipziger Triathlon beweisen. In diesem Jahr versuchte er mit Höhentraining in Colorado Reserven auszureizen. Das habe im Sommer in Roth noch nicht funktioniert, als der zeitliche Abstand zur Höhe zu gering war und sich der Blondschopf auf dem Rad schlecht fühlte. Diesmal gab er dem Körper mehr Zeit zur Regeneration – in der Nacht zum Sonntag deutscher Zeit soll sich dies auszahlen.

Bei allem verhaltenen Optimismus wissen Kramer und Bittner: Noch nie war die Weltspitze so breit, noch nie lagen die 30 besten der Welt so eng beieinander.

Public Viewing des Ironman auf Hawaii am Sonnabend ab 18.30 Uhr bei „Pro-Motion“ in der Richard-Lehmann-Straße 21 in Leipzig.

Von Frank Schober

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