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Leipzigs DHfK-Handballer Boese: "Es ist gefährlich, schon vom Aufstieg zu sprechen"

Leipzigs DHfK-Handballer Boese: "Es ist gefährlich, schon vom Aufstieg zu sprechen"

Wie ein typischer Student betritt René Boese den Hörsaal der Sportfakultät der Universität Leipzig. Der 29-Jährige ist aber kein "normaler" Student, sondern Vollblut-Handballer.

Leipzig. Neben dem Sportstudium gilt die volle Konzentration des Rechtsaußen der 2. Bundesliga. In dieser Liga festigte der SC DHfK seine gute Ausgangsposition (Platz vier) mit einem 25:23-Erfolg in Großwallstadt. Im Interview erklärt der aus Cottbus stammenden René Boese, wie er Studium, Sport und Familie unter einen Hut bekommt. Und wie er die Chancen auf den Aufstieg in die stärkste Liga der Welt einschätzt.

Frage: Sie sind ein viel beschäftigter Mann. Wie passt das alles zusammen?

René Boese: Ich bin 2009 aus Berlin mit der Priorität Studium hierher gekommen. Das macht mir unglaublich viel Spaß. Natürlich habe ich nebenbei auch noch den Handball sowie meine Frau und meinen Sohn. Weswegen ich mit der Regelstudienzeit auch nicht hingekommen bin. Wenn ich mich jedoch in meinem Semester umschaue, bin ich bei Weitem nicht der Einzige, der im fünften Jahr immer noch dabei ist.

Nimmt die Universität Rücksicht auf Ihre Handballkarriere?

Zu Teilen. Wenn ich an Situationen denke, in denen ich Prüfungen verschieben oder Kurse absagen musste, weil wir wichtige Spiele hatten und ich mir nicht frei nehmen konnte, hätte ich mir manchmal etwas mehr Entgegenkommen seitens der Uni gewünscht. Auf der anderen Seite gibt es durchaus Dozenten, die uns sogar als Zuschauer bei Heimspielen unterstützen. Diese haben auch besonders viel Verständnis für unsere Situation. Vorteile bei Prüfungen gab es aber nie.

Wie wichtig finden Sie das berufliche Standbein neben dem Leistungssport?

Es ist unverzichtbar. Ich habe das aktuelle Beispiel eines Freundes, der ebenfalls hier studiert hat. Kürzlich hat er sich mit 25 Jahren das Kreuzband gerissen und musste von heute auf morgen mit dem Sport aufhören. Das Studium hatte er nicht vollendet. Solche Fälle geben mir zu denken. Ich bin jetzt fast 30, habe in meinem Studium noch drei Klausuren sowie die Bachelorarbeit vor mir und mache mir natürlich bereits Gedanken um meinen Berufseinstieg.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation der Mannschaft im Vergleich zum vergangenen Jahr ein?

Das vergangene Jahr war für den SC DHfK sportlich eine Katastrophe. Nach dem ersten Jahr in Liga zwei, in dem wir sehr gut gespielt haben und am Ende als Aufsteiger Fünfter wurden, war die darauffolgende Saison ein Desaster. Wir haben aus dieser Zeit gelernt und der aktuelle Tabellenplatz gibt uns recht. Obwohl die Liga so ausgeglichen ist wie noch nie und uns zur Zeit nur zwei Minuspunkte vom zwölften Platz trennen. Wir müssen weiterhin alles geben, um vorne mit dabei zu sein.

Der Aufstieg scheint zum Greifen nah. Sehen Sie das genauso?

Ich finde es grundsätzlich gefährlich, jetzt schon vom Aufstieg zu reden. Wir haben am eigenen Leibe erfahren, was passieren kann, wenn die Erwartungen zu hoch sind und am Ende nicht erfüllt werden können. Das interne Ziel ist ein einstelliger Tabellenplatz. Wir haben das Zeug, vorn mit dabei zu sein, das haben wir gegen Friesenheim bewiesen. Wir müssen konstant unsere Leistung abrufen, dann steht uns nichts im Weg.

Herrscht im Team harter Konkurrenzkampf oder reine Harmonie?

Jeder will spielen, das ist ganz klar. Aber es herrscht eine gesunde Konkurrenz im Team. Wir haben einen guten Mix aus jungen dynamischen und älteren erfahrenen Spielern. Jeder profitiert von den Stärken des anderen.

Ihr letzter Trainer hat Sie zum Ende der Saison verlassen. Wie sind die Eindrücke vom neuen Coach?

Unser vorheriger Trainer Uwe Jungandreas war von der alten Schule, ein "Schleifer". Er hat uns viel rennen und schwitzen lassen. Die Situation im vergangenen Jahr war sicher nicht allein seine Schuld, aber in solch einem Fall folgen häufig personelle Konsequenzen und genau das ist passiert. Ein neuer Trainer bringt immer Vor- und Nachteile mit sich. Christian Prokop bezieht die Jugend viel mit ein, ist fachlich sehr fit und legt viel Wert auf Taktik und Disziplin. Ich kann über beide Trainer nichts Schlechtes sagen und habe zu beiden einen sehr guten Draht.

Vermissen Sie manchmal die Zeit in Berlin und die erste Liga?

Ich hatte drei Jahre das Vergnügen, in der besten Liga der Welt zu spielen. Das ist für jeden Handballer der große Traum. Es war ein tolles Erlebnis. Natürlich möchte ich mit dem SC DHfK dorthin zurück. Als ich vor fünf Jahren mit der Familie nach Leipzig kam, war das der Plan. Wir haben nicht vor, die Stadt demnächst wieder zu verlassen. Leipzig ist zu unserer Heimat geworden, hier kam unser Sohn zur Welt - unser zweiter ist auf dem Weg. Mein Vertrag läuft bis 2015 und ich würde sehr gern für drei Jahre verlängern. Wenn der Verein diesen Weg mit mir gehen möchte, gehe ich diesen sehr gerne mit.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.02.2014

Till Traupe

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