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Leistungssport: Reform oder Reförmchen?

Am Olympiastützpunkt Leipzig ändert sich vorerst nicht viel Leistungssport: Reform oder Reförmchen?

Der deutsche Sport hat sich im Ringen um ein neues Spitzensportkonzept zusammengerauft. Nach einer Tagung der Mitgliedsverbände des Deutschen Olympischen Sportbundes am Dienstag in Frankfurt/Main sehen die Verantwortlichen trotz aller Kritik am neuen Konzept einen Durchbruch. Doch wie sieht es an der Basis aus? Wir haben uns am Olympiastützpunkt in Leipzig umgehört.

Europameisterin Cindy Roleder – bleibt sie in Leipzig?

Quelle: Imago

Leipzig.

Nowack erkennt in dem Papier „eine Aufwertung des hauptamtlichen Personals und Entmachtung des Ehrenamtes“. Er habe schon einige Evaluierungen mitgemacht: „Viele Formulierungen und Vorschläge kommen mir bekannt vor.“

Das Spannende: Der DOSB wolle eine zentrale(re) Führung in einem föderalen System. Kann dies funktionieren? Viele Partner müssen unter einen Hut gebracht werden, einige sind im DOSB-Papier kaum erwähnt. Vereine, Landes- und Spitzenverbände, Kreis- und Landessportbünde, Olympiastützpunkte, Sportschulen, Universitäten, wissenschaftliche Einrichtungen, Arbeitgeber der Athleten wie die Bundeswehr und nicht zuletzt Fördervereine und Sponsoren beteiligen sich an der Finanzierung des Spitzensports und fordern Mitsprache.

Wie ist die Situation in Leipzig?

OSP-Fusion : Mehrere Olympiastützpunkte in einem Bundesland dürften der Vergangenheit angehören. In Sachsen wird es einen Flächenstützpunkt geben, Leipzig die Eigenständigkeit verlieren. Die Nähe zur Wissenschaft (IAT, Sportfakultät) spricht für die Pleißestadt als Zentrale. Doch Chemnitz könnte der Hauptsitz werden, weil es für Außenstellen wie Klingenthal und Oberwiesenthal günstiger liegt. „Leipzig wurde in den 90er-Jahren nur eigenständiger OSP, weil wir eine so hohe Kaderzahl hatten. Sonst hätte es damals schon einen OSP Sachsen gegeben“, so Nowack, der mahnt: „Die hohen Betreuungsstandards müssen erhalten bleiben.“ Die Änderungen dürften nur die Verwaltung betreffen.

Stärkste Bundesstützpunkte (BSP) : Am Kanurennsport als erfolgreichster Sportart der vergangenen 20 Jahre sowie Kanuslalom mit der herausragenden Trainingsstätte in Markkleeberg wird nicht gerüttelt.

Sichere Bundesstützpunkte : Judo stand vor vier Jahren stärker da, dennoch gilt der Stützpunkt als sicher. Zumal der Leipziger Claudiu Pusa gute Chancen hat, Frauen-Bundestrainer zu werden. Auch Wasserspringen bleibe nach kurzzeitigen Irritationen erhalten – mit Dresden gibt es zwei Stützpunkte in Sachsen. „Alles andere wäre tödlich, man würde die eigene Basis abschneiden.“ Auch der sächsische Ruderstützpunkt bleibe nach den Erfolgen von Rio trotz aller Nachwuchsprobleme erhalten. Die Frage ist, ob als Flächenstützpunkt oder mit Zentrale in Dresden oder Leipzig. In der Leichtathletik bekommt Leipzig nach aktuellem Stand neben Sprint/Hürde noch den Schwerpunkt Lauf. Bemühungen um den Schwerpunkt Wurf/Stoß sind gescheitert.

Wackelkandidaten : Diese hat es unabhängig von der jetzigen Reform schon immer alle vier Jahre gegeben, diesmal sollen bundesweit 40 von 205 Stützpunkten geschlossen werden. Die Sportarten Hockey, Turnen und Gymnastik hat Leipzig bereits vor Jahren „verloren“. Im Ringen habe die zehnjährige Aufbauarbeit eine stabile Kaderpyramide und starke Leistungen hervorgebracht, zudem biete die Halle Leplaystraße Top-Bedingungen. Doch die ersehnte Anerkennung als BSP ist vorerst ausgesetzt. Schwimmen wird (alle Jahre wieder) heftig diskutiert. Dabei geht es auch um die hohe Bahnmiete. „Ein kostenfreies Stützpunkttraining würde die Zukunft des Schwimmens sichern“, so Nowack. Im Fechten betrachtet er die Diskussion über den Fortbestand des BSP als „ungerecht, denn dieser wurde erst im März 2015 anerkannt, müsste vier Jahre Zeit bekommen“. Die Schwerpunktsetzung im Handball sei noch offen, Bundesmittel seien kaum zu erwarten.

Paralympics : Im Schwimmen/Triathlon und Sitzvolleyball ist Leipzig stark, doch es fehle der Nachwuchs. Paralympische Stützpunkte könnten mit denen der Spitzenverbände gekoppelt werden. Dies wäre für den Schwimmsport eine Lösung.

Trainerverträge : Alle 19 am Olympiastützpunkt angestellten Trainer bleiben im Amt, da Stadt und Land ihre Förderung fortsetzen. Der Bund ist nur bei sechs Trainern an der Mischfinanzierung beteiligt.

Athletenverträge : Diese sollen über die Vereine laufen – in dem Punkt gab es zuletzt offenen Streit zwischen OSP-Förderverein und SC DHfK. Im Mittelpunkt stehen die Leichtathleten, deren Wechselfrist bis 30. November für Leipzig unangenehm enden könnte. Auch Europa- und Vizeweltmeisterin Cindy Roleder (SC DHfK) steht vor dem Absprung, OBM Burkhard Jung wurde eingeschaltet. Der OSP-Förderverein stellt die monatlichen Zuwendungen an Athleten ein, ruft aber mit seinen Partnern Projekte ins Leben.

Von Frank Schober

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