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Melkus-Rennwagen jetzt in Panitzsch: Die Zigarre auf dem Dreiseitenhof

Melkus-Rennwagen jetzt in Panitzsch: Die Zigarre auf dem Dreiseitenhof

Leo von Sahr, zu Hause seit vielen Jahren in Panitzsch bei Leipzig, ist zwar bundesdeutscher Herkunft, nichtsdestotrotz aber ein großer Fan des Automobilrennsports, wie er weiland in der DDR stattfand.

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Leo von Sahr mit dem Melkus-Rennwagen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Durch seine Ostverwandtschaft war er dafür sensibilisiert worden, weil die ihm ab und an diverse Publikationen zukommen ließ und von Sahr im tiefen Wessi-Land somit von Melkus und Co. und deren recht eigentümlichen Taten erfuhr. Die Exoten, die auf dem Sachsenring und auf den Dreiecken von Schleiz oder Frohburg Gas gaben und noch dazu ihre Gefährte selbst entwickelt und oft selbst zusammengeschraubt hatten, kamen von Sahr ungleich authentischer vor als die damals schon hochgezüchteten Boliden mit den Piloten Jim Clarke oder Niki Lauda.

Einmal im Osten angekommen, knüpfte Leo von Sahr schon 1990 direkte Kontakte zur legendären Rennwagenschmiede in Dresden. Er lernte die ganze Melkus-Dynastie kennen. Nun erwarb der Rand-Leipziger Rennsportfreak aus Dresdner Familienbesitz den Melkus-Rennwagen Formel III, Typ 64, genannt die Zigarre. Das besondere an ihm: Auf der Aluminium-Verkleidung prangt die Startnummer 81, mit der Heinz Melkus bei den Rennen unterwegs war. Zwischen 1950 und 1980 ging er 289 Mal an den Start, 80 Mal war er der Sieger und errang sechs DDR-Meistertitel. Nach seinem Karriere-Ende übernahm Sohn Ulli die 81. Bei einem Unfall nicht auf der Rennstrecke, sondern auf der Autobahn - Melkus jr. war auf der Heimfahrt vom Nürburgring - verunglückte er 1990 tödlich, als an seinem Sportwagen ein Reifen platzte. Heinz Melkus starb 2005.

Die Melkusse leben heute auch Dank solcher Fans wie Leo von Sahr weiter. "1990 hatte ich Heinz Melkus und die Zigarre kennengelernt, seither war dieser Rennwagen für mich ein Traum", erinnert sich von Sahr. Zwischenzeitlich besaß er schon einen Formel-Junior-Rennwagen, Baujahr 1961, und einen sogenannten MT, den Melkus gemeinsam mit dem Leipziger Fahrer und Konstrukteur Hartmut Thaßler entwickelt hatte. Auch der eine oder andere Flitzer aus westlicher Produktion stand mal auf dem Panitzscher Dreiseitenhof. "Die Zigarre", sagt von Sahr, "ist nun für mich die Krönung". In ihr ruht ein Wartburg-Dreizylinder-Zweitaktmotor, der mit 72 PS knapp 200 km/h schnell sein konnte. Fürs Original spricht last not least das Markenschild, ein natürlich von Hand gefertigtes Messingschild mit der Gravur "Heinz Melkus Dresden". Von der Zigarre existieren heute noch fünf Stück, die mit der 81 ist natürlich die wertvollste von allen. Leo von Sahr: "Wie unter Melkus in der DDR solche Rennwagen gebaut wurden, ist ein Wunder. Nicht ohne Grund nannte man ihn ja auch den Colin Chapman des Ostens." Chapman, so wäre zu ergänzen, war ein britischer Rennauto-Konstrukteur und der Begründer der Marke Lotus.

Das Melkus-Schmuckstück, zum Preis eines sehr gut ausgestatteten Golfs erworben, steht nun in einer Garage auf dem Dorf. Sein stolzer Besitzer schaut ständig nach ihm, er putzt und poliert, pflegt seinen neuen Liebling wie es sich für einen richtigen Fan gehört und was die Ehefrau wohlwollend akzeptiert. Irgendwann im kommenden Jahr will er ihn an die Luft lassen und bei Oldtimer-Rennen starten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.10.2013
Thomas Mayer

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