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Michael Ballack sagt in Leipzig Ciao – Weggefährten erinnern sich an den Capitano der DFB-Elf

Michael Ballack sagt in Leipzig Ciao – Weggefährten erinnern sich an den Capitano der DFB-Elf

Leipzig lechzt nach Spitzenfußball – oder ist es allein der Name Michael Ballack? Das Abschiedsspiel am Mittwochabend in der Red Bull Arena war jedenfalls innerhalb eines Tages ausverkauft.

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Michael Ballack verabschiedet sich am Mittwochabend in Leipziger von der aktiven Fußballer-Bühne. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Im Folgenden erinnern sich ehemalige Weggefährten an die Anfänge einer Weltkarriere.

Michael Ballack: ein Fußballstar, der den sächsischen Dialekt in die große weite Welt hinaustrug. Der unvollendete Held, der sich oft mit Silbermedaillen begnügen musste, nie einen großen internationalen Titel gewann. Der zu seiner Zeit torgefährlichste Mittelfeldspieler des Kontinents. Der Kapitän, den Bundestrainer Joachim Löw nach einer Verletzung im Jahr 2010 aus dem DFB-Team verbannte … Über den gebürtigen Görlitzer, gibt es so einige Geschichten zu erzählen. Während seiner Fußballkarriere erlebte Ballack alle Höhen und Tiefen, die ein Leben im Rampenlicht mit sich bringen.

Bernd Schneider: „Traummitspieler Ballack“

Doch wenn der Capitano am 5. Juni ab 20.05 Uhr zu seinem Abschiedsspiel ein letztes Mal auf dem grünen Rasen gegen den Ball tritt, kann er es einfach nur genießen. 43.000 Zuschauer und seine Weggefährten werden ihm in Leipzig einen krönenden Abschluss bereiten. Alle wollen „goodbye“ sagen. Keinem ist der Weg zu weit. Sogar Star-Trainer Jose Mourinho, momentan noch bei Real Madrid unter Vertrag, und John Terry, Kapitän des FC Chelsea, geben sich in Leipzig die Ehre. Bernd Schneider, ebenfalls dabei, betitelt den einstigen Nationalmannschaftskollegen auf seiner Homepage sogar als „Traummitspieler“.

Ballack hat beim Verschicken der Einladungen an jeden gedacht, und dabei auch nicht vergessen, wer ihn entdeckte und nach oben brachte. „Ich hätte gerne alle beim Abschied dabei, die zu meiner Karriere beigetragen haben“, sagte der 36-Jährige im März auf der Pressekonferenz in der Red Bull Arena in Leipzig. Selbst die weniger bekannten Trainer aus seinen Kinder- und Jugendtagen in Chemnitz kommen. Dort ist Ballack aufgewachsen. Dort hätte er auch gern sein Abschiedsspiel ausgetragen. Aber das Stadion an der Gellertstraße ist zu klein. Die Infrastruktur in Leipzig sei einfach besser, sagte der Capitano.

Schon in der A-Jugend als Libero 30 Tore erzielt

Das Fußball-ABC lernte Ballack in den 80-er Jahren bei der BSG Motor Fritz Heckert in Karl-Marx-Stadt. Reinhard Häfner, Trainer der Männermannschaft des Chemnitzer FC, entdeckte Ballack im Alter von 18 Jahren, weil er „überragende Spiele“ in der A-Jugend ablieferte. Als Libero erzielte er in einer Saison 30 Tore. Häfner holte ihn 1995 zu seinem Team in die 2. Bundesliga. Einsätze hatte der junge Ballack dort als Mittelfeldspieler nur sporadisch. „Er war sehr ruhig und zurückhaltend, wurde aber durch seine großartigen Leistungen sofort von den Kollegen anerkannt“, erzählt Häfner, der sich noch gut an Ballacks erstes Jahr im Profifußball erinnert.

Auch bei den Mitspielern war Ballack beliebt. Torsten Gütschow, damals CFC-Stürmer und 14 Jahre älter als der Jungspund, sagt: „Fußball war sein Leben. Dem Micha musste man nicht sagen, dass er als junger Spieler die Bälle holen oder das Tor tragen soll. Das hat er von ganz allein gemacht.“ Sein Talent sei schon früh erkennbar gewesen, auch der fußballerische Unterschied zu den Mitspielern, erklärt Gütschow, der für die DDR-Nationalmannschaft spielte und mit Dynamo Dresden DDR-Meisterschaft und -Pokalsieg feierte.

Bereits in seinem zweiten Jahr bei den CFC-Profis, das Team war in die Regionalliga abgestiegen, wurde der 20-jährige Ballack in den Mannschaftsrat gewählt und gab auch auf dem Feld den Ton an. „Micha hatte eine gute Spielübersicht, war technisch versiert und konnte sogar beidfüßig schießen“, erinnert sich Christoph Franke, 1996 vom Co- zum Chef-Trainer in Chemnitz befördert.

Häfner lotst Ballack ins DFB-Team

Seiner Zeit in Chemnitz und den beiden Trainern Häfner und Franke hat Ballack auch den Sprung ins DFB-Team zu verdanken. Die Zügel beim Nachwuchs der Nationalmannschaft hielt Mitte der 90-er Hans-Jürgen (Dixie) Dörner in der Hand, zu dem Häfner beste Verbindungen hatte. Schließlich spielten beide viele Jahre gemeinsam bei Dynamo Dresden und in der DDR-Auswahl. „Ich habe Ballack groß gemacht, ihn für die Nachwuchs-Nationalmannschaft empfohlen“, sagt der 61-jährige Häfner heute noch immer voller Stolz. Wie sich Ballacks Weg im Nationaltrikot fortsetzte, ist weltbekannt. „Dass er 98-facher Nationalspieler und sogar Kapitän der deutschen Mannschaft wird, hat damals allerdings niemand gedacht“, sagen Häfner, Franke und Gütschow übereinstimmend.

Den Bezug zu Chemnitz hat Ballack nie verloren. „Er kommt immer mal wieder zu Turnieren in die Stadt, trifft sich mit alten Freunden“ erzählt Franke, der mit dem Ausnahmefußballer regelmäßig telefoniert. „Micha ist ein Mensch, der seine Weggefährten nicht vergisst“, sagt sein früherer Trainer. Zu seinen Chelsea-Zeiten lud er ihn auch mal nach London ein.

Gute Erinnerungen an Leipzig

Michael Ballack kehrt gerne zu seinen Wurzeln zurück. Zu seinen Beweggründen für das Abschiedsspiel in Leipzig sagte er: „Der Fußballstandort hat Tradition und ich komme aus Sachsen.“ Doch auch früher hat er auf den Sportplätzen dieser Stadt schon einiges erlebt. „Mir ist das große Zentralstadion mit den fast 100.000 Zuschauern noch in Erinnerung, weil ich als Zwölfjähriger mit meinem Vater bei einem Länderspiel zu Besuch war“, sagte Ballack kürzlich der LVZ in einem Interview und fügte hinzu: „Außerdem habe ich ja auch gegen den VfB Leipzig gespielt. Und beim FC Sachsen in Leutzsch, wo durch die Nähe zu den Zuschauern auch immer eine ganz besondere Stimmung war.“ Nicht zu vergessen der Auftritt mit der deutschen Nationalmannschaft im November 2004 in Leipzig, als der frisch gebackene Auswahlkapitän mit seinem Team ein 3:0 gegen Kamerun feierte.

Die Stadt Leipzig ist stolz darauf, Sachsens berühmtestem Fußballspieler den Abschied bereiten zu dürfen. Das hat ihm Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) schon persönlich übermittelt. Auch Häfner und Franke reisen am 5. Juni in die Messestadt. Sie haben eine Einladung von ihrem ehemaligen Schützling bekommen und wollen dem „Micha“ noch einmal „Tschüss“ sagen. „Ich wünsche ihm alles Gute für das Leben nach dem Fußball. Ein Mann mit so viel Sachverstand wird seinen Weg gehen“, ist Gütschow überzeugt.

Anne Grimm

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