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Mit dem Porsche einen Renault Clio verdient

Der Leipziger David Jahn (25) holt Rang zwei in der GT-Masters-Serie Mit dem Porsche einen Renault Clio verdient

Der 25-jährige Leipziger David Jahn fährt mit einer 800-PS-Waffe namens GT 3 über den Asphalt – als Instrukteur bei Porsche. Wenn das nicht schon der Traum eines jeden Mannes wäre – das Autofahren zum Beruf zu machen – setzt der Wahlleipziger noch einen oben drauf.

Hobby und Beruf vereint: Porsche-Mitarbeiter David Jahn fährt im ADAC GT Masters einen Porsche 911 GT 3 R.

Quelle: KÜS

Leipzig. „350 Sachen auf der Straße kann man nicht mehr mit einer Hand fahren“, sagt David Jahn. Und er muss es wissen, schließlich geht der 25-Jährige mit einer 800-PS-Waffe namens GT 3 auf den Asphalt. Als Instrukteur bei Porsche. Wenn das nicht schon der Traum eines jeden Mannes wäre – das Autofahren zum Beruf zu machen – setzt der Wahlleipziger noch einen oben drauf. In seiner Freizeit steigt er ins Cockpit einer echten Rennmaschine. Auch das ist ein Porsche, genaue Bezeichnung 911 GT 3 R (991), allerdings ohne Straßenzulassung. Jahn darf diese Pferde nur in der ADAC-GT-Masters-Serie galoppieren lassen.

Und das mit Profi Kévin Estre in dieser Saison für das pfälzische KÜS Team 75 Bernhard extrem erfolgreich. In den letzten vier Rennen der Siebener-Serie lehrten die beiden der Konkurrenz das Fürchten. In Spielberg, auf dem Nürburgring, in Zandvoort und auf dem Hockenheimring sprang jeweils mindestens ein Sieg raus. Vor allem dann, wenn Jahn als Erster ins Cockpit stieg. So erfuhr sich der aus Speyer stammende Pilot in der Serie insgesamt 159 Punkte. Platz zwei hinter Connor de Phillippi und Christopher Mies (beide 168 Zähler). „Eine tolle Aufholjagd, wir haben in drei Rennen richtig auf die Kacke gehauen“, freute sich Jahn. „Neun Punkte haben zum Sieg in der Gesamtwertung gefehlt. Da sagt man als Racer dennoch schade.“

Ja, scheinbar fließt Benzin durch die Adern des 1,65-Meter großen Vollblut-Motorsportlers. „Satt“ ist er noch lange nicht. Und ein Spaziergang war die Vizemeisterschaft in der GT-Serie beileibe auch nicht.

Anders als in der Formel 1 sind Seriensiege quasi unmöglich. Chancengleichheit ist oberstes Gebot. Deswegen werden die Ersten „bestraft“. Restriktion nennt sich das oder umgangssprachlich Erfolgsballast. „30 Kilo Zusatzgewicht machen drei Zehntel aus“, erklärt Jahn. Dumm nur, dass die Leistungsdichte in der GT-Masters so eng ist, dass um jede Zehntelsekunde gefightet wird. „Das ist die stärkste GT 3-Serie der Welt“, sagt der Rennfahrer. „Es ist immer Action, jeder fährt auf Attacke und die Autos sind ausgeglichen“, beschreibt David Jahn die Serie.

Fakt ist auch: In der Motorsportszene regiert das Geld. Und ein Gentleman-Fahrer ist David Jahn nicht. Das wäre einer, bei dem beispielsweise der Papa die Schatulle öffnet und dem Junior Spielgeld gibt. „Ich habe mit minimalem Budgeteinsatz fast das Maximum rausgeholt“, erzählt Jahn.

Zwischen 400 000 und 600 000 Euro kostet pro Team die GT-Saison. Auf zwei Fahrer aufgeteilt, bleibt dennoch ein hübsches Sümmchen über dem Strich. Das bringen in der Regel die Fahrer mit. Ein sechsstelliger Betrag war es bei Jahn, den er sich über Sponsoren sicherte. Zumindest etwas refinanziert hat er das mit den Siegen. An Prämien kamen etwa 30 000 Euro zusammen. Geteilt auf Team und Fahrer blieb etwa ein „Renault Clio“ übrig, wie er sagt.

Nun soll der nächste Schritt folgen. Jahns Ziel ist, das Rennfahr-Hobby irgendwann zum Beruf zu machen. Seitens des Teams könne es weitergehen. Weitere Interessenten haben sich auch schon gemeldet. Am liebsten würde er mal in der Langstrecken-WM am Lenkrad sitzen. Le Mans lässt grüßen. „Das wäre das Nonplusultra“, schwärmt Jahn. Realistischer sei, dass der Gohliser über kurz oder lang gegen den Leipziger Marvin Kirchhöfer (derzeit GP 2) in einer GT-Serie fahren wird.

Aber im Beruf ein 800-PS-Geschoss zu steuern, ist sicherlich auch nicht so schlecht. Zumal der sogar mehr Bumms hat als sein 911er Rennmobil. Das bringt „nur“ 500 Pferde zum Laufen.

Von Alexander Bley

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