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Momente, die man nie vergisst: Ekstase im Stadion – so erlebte ich das BVB-Wunder

Momente, die man nie vergisst: Ekstase im Stadion – so erlebte ich das BVB-Wunder

Total am Boden. Bye bye Borussia. Die Champions-League-Geschichte war für die Schwarz-Gelben am Dienstagabend bereits zu Ende geschrieben. Doch dann geschah das Unfassbare.

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Champions-League-Viertelfinale in Dortmund. LVZ-Online-Mitarbeiterin Anne Grimm war beim Wunder gegen Malaga dabei.

Quelle: Anne Grimm

Dortmund/Leipzig. Von Dortmunder Jungs, dem totalen Wahnsinn und den größten Verlierern des Abends. So erlebte ich das Wunder mit dem BVB.

 

Da war ich also, mittendrin, im Viertelfinale der Fußball-Champions-League. Mit rund 65.000 Zuschauern sang ich, „Wir sind alle Dortmunder Jungs“. Obwohl ich als sächsische Frau natürlich weit davon entfernt bin. Aber beim Fußball zählen solche Sentimentalitäten nicht. Das Ziel für den Abend war klar, denn das gaben die Fans auf der berüchtigten Südtribüne vor der Partie mit einer beeindruckenden Choreographie vor: „ Auf den Spuren des verlorenen Henkelpotts“. Na dann, Bussia ole ole. Bussia, so nennen die im Ruhrpott also ihre geliebte Borussia. Wieder etwas dazu gelernt.

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Dortmund/Leipzig. Total am Boden. Bye bye Borussia. Die Champions-League-Geschichte war für die Schwarz-Gelben am Dienstagabend bereits zu Ende geschrieben. Doch dann geschah das Unfassbare. Von Dortmunder Jungs, dem totalen Wahnsinn und den größten Verlierern des Abends. So erlebte ich das Wunder mit dem BVB.

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Seelischer Zustand soweit in Ordnung, die Anspannung allerdings bis in die Haarspitzen zu spüren. Nach dem 1:1 in der ersten Halbzeit hieß es in den zweiten 45 Minuten weiter bangen. Dann traf es mich wie einen Boxer beim Knockout. 82. Minute, Malaga netzte zur 2:1-Führung ein. Totenstille in der Fankurve. Auf der anderen Seite des Stadions schwebten die spanischen Fans auf Wolke sieben, nur noch weiß-blaue Fahnen im Dortmunder Abendhimmel.

Meine Stimme versagte. Alle lagen am Boden. Die Fans, die Spieler von Jürgen Klopp, auch der Sprücheklopfer selbst. Nicht nur das – plötzlich begannen einige BVB-Fans das Stadion zu verlassen. Hämische Rufe aus den eigenen Reihen. Unverständnis bei mir: Wie kann man seine Mannschaft in einem Champions-League-Viertelfinale so im Stich lassen? Meine Gedanken schweiften kurz ab, Erinnerungen an das Bayernspiel 1999 gegen Manchester im Finale. Aber wie sollte Dortmund gegen diesen starken Torhüter innerhalb so kurzer Zeit zwei Buden machen? Mein Mut war wieder weg.

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Felipe Santana schoss den BVB mit seinem Tor ins CL-Halbfinale.

Quelle: Bernd Thissen

Doch Stadionsprecher Norbert Dickel heizte weiter ein. Vier Minuten Nachspielzeit, gleich ist es vorbei, dachte ich. Den Rest erlebte ich nur noch in Trance. 91. Minute: 2:2. Skeptische Blicke rund um mich herum. Schaffen sie es noch? Irgendwie glaubte hier niemand mehr so richtig an ein Wunder.

Kaum hatte ich mich erholt, erneuter Trubel im Strafraum. 3:2! Was??? Ungläubig starrte ich zum Schiedsrichter. Der zeigte Richtung Mittellinie, das Tor war gültig. Der Wahnsinn nahm seinen Lauf. Und dann war sie da – die totale Ekstase. Plastikbecher flogen, die Tribüne bebte. Und spürte ich da so etwas wie Freudentränen in meinen Augen aufsteigen? Zwei wildfremde Männer klatschten mit mir ab, meine Familie und ich lagen uns in den Armen. Die Sekunden bis zum Abpfiff kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Was war hier geschehen?

Der BVB lag komplett am Boden, war klinisch tot. Und schickte 65.000 Zuschauer innerhalb von zwei Minuten in eine Welt der Glückseligkeit. Auf dem Weg zurück nach Leipzig dachte ich an nichts anderes, als an dieses unfassbare Erlebnis. Mein Lieblingsverein hatte Sportgeschichte geschrieben und ich war dabei. Und irgendwie taten mir die Spanier auch ein bisschen leid. Aber ganz ehrlich: Die großen Verlierer des Abends waren andere. Nämlich die Dortmund-Fans, die bereits ab der 82. Minute nicht mehr an den BVB glaubten und das Stadion verließen.   

Übrigens: Im Signal Iduna Park gab es nur alkoholfreies Bier. Die Trunkenheit bestand also aus purer Freude.

Anne Grimm ist Mitarbeiterin von LVZ-Online und berichtet regelmäßig von RB Leipzig und dem HC Leipzig.

Anne Grimm

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