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Nach Beinamputation: Ilke Wyludda aus Halle will zu den Paralympics

Nach Beinamputation: Ilke Wyludda aus Halle will zu den Paralympics

Ihre Krankengeschichte füllt ganze Bücher: Patellasehnen-, Kreuzband- und Achillessehnenrisse prägten ihre Karriere - und im Dezember 2010 wurde Ilke Wyludda gar der rechte Unterschenkel amputiert.

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Ilke Wyludda bei ihrem Olympiasieg 1996.

Quelle: dpa

Halle/Saale. Jetzt strebt die Diskus-Olympiasiegerin von Atlanta 1996 eine Teilnahme an den Paralympics in London an. Die 42-jährige Hallenserin schwitzt wieder bei ihrem langjährigen Coach Gerhard Böttcher. „Ich habe praktisch bei Null begonnen. Derzeit absolviere ich 80 Prozent meines damaligen Trainingsprogramms“, sagte Wyludda.

Es wäre nach 1992, 1996 und 2000 ihr vierter Start unter den olympischen Ringen. „Meine Leben stand auf dem Spiel. Mir blieb damals keine andere Wahl“, sagte Wyludda über die Amputation. Das Bein musste ihr nach einer hartnäckigen Entzündung abgenommen werden, doch mit einer Prothese fühlt sich die zweifache Europameisterin wieder einigermaßen beweglich. „Meine neue persönliche Situation hat mich zur Rückkehr zum Sport bewegt. Ich habe gemerkt, dass ich wieder etwas für mich tun muss, um mich körperlich in einen besseren Zustand zu bringen.“

Nach zehn Jahren nahm Wyludda wieder Diskus und Kugel in die Hand. „Es war ein tolles Gefühl, endlich wieder einen Muskelkater zu haben“, sagte die gebürtige Leipzigerin. Bei der IWASF (International Wheelchair and Amputee Sport Federation)-Weltmeisterschaft Anfang Dezember 2011 in Dubai gewann sie Silber mit dem Diskus (20,69 Meter) und Bronze mit der Kugel (6,90 Meter). „Die Weiten waren grottenschlecht. Da habe ich noch sehr viel Luft nach oben.“

Nach der Operation hat Wyludda ihr Leben völlig umstellen müssen. Ihre Wohnung wurde ebenso behindertengerecht umgebaut wie ihr Honda. „Ganz wichtig für mich ist, dass ich mobil bin. Anfangs war es natürlich eine große Umstellung, mit dem linken Fuß Gas zu geben“, erklärte die Assistenzärztin.

Sie lässt sich gerade zur Fachmedizinerin für Anästhesie weiterbilden, ihr Tag beginnt in der  Regel um 4.30 Uhr. „Ich müsste nicht unbedingt arbeiten gehen, ich will es aber. Morgens brauche ich jetzt anderthalb Stunden, um in die Gänge zu kommen.“ Von 7.00 bis 16.00 Uhr ist sie in der BG-Klinik Bergmannstrost beschäftigt und fühlt sich dort sehr gut aufgehoben. „Mein Arbeitgeber weiß, was es bedeutet, nach einer schweren Verletzung wieder Höchstleistung bringen zu wollen. Außerdem kann ich mich auch sehr gut in die Lage der Patienten hineinversetzen.“

Vier bis fünf Mal in der Woche schindet sich Wyludda, um ihren Traum von London zu verwirklichen, obwohl sie noch keinen Kaderstatus genießt und spezielle Fördermaßnahmen damit wegfallen. Am 3./4. März wird sich Wyludda bei der Internationalen Deutschen Hallenmeisterschaft in Halle erstmals der nationalen Konkurrenz stellen.

„Ich muss mich steigern, den Diskus auf knapp 30 Meter schleudern und die Kugel auf neun Meter stoßen,  um eine Chance auf das Ticket für die Paralympics zu haben“, meinte die zweifache Vizeweltmeisterin. Die Plätze für London werden Mitte Juni bei den Titelkämpfen in Berlin vergeben. Es wäre kein Wunder, wenn sich Wyludda mit ihrer enormen Willenskraft den Weg nach London schafft. 

Finn Müller, dpa

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