Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Petra Tzschoppe und Ulrich Franzen wollen an die LSB-Spitze

Petra Tzschoppe und Ulrich Franzen wollen an die LSB-Spitze

Leipzig. Thomas Bach hatte in den vergangenen Wochen gewiss andere Sorgen. Doch immer, wenn der neue IOC-Präsident Petra Tzschoppe traf, erkundigte er sich nach den bevorstehenden Wahlen im Landessportbund (LSB) Sachsen, ermutigte die Leipzigerin zu ihrer Präsidentschafts-Kandidatur und wünschte ihr viel Glück.

Zuletzt heute vor einer Woche im Schloss Bellevue, wo sich beide auf Einladung des Bundespräsidenten anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des deutschen Sportabzeichens trafen. Am kommenden Sonnabend möchte Petra Tzschoppe beim Landessporttag in Dresden Nachfolgerin des LSB-Präsidenten Eberhard Werner werden - der Kesselsdorfer legt das Amt nach acht Jahren nieder. Die Wahlen sind so brisant wie noch nie. Seit Monaten tobt hinter den Kulissen der Wahlkampf, denn zum ersten Mal in der Geschichte des LSB streben zwei Kandidaten das höchste Amt an.

Im Gegensatz zu Thomas Bach zuletzt im IOC wird die Leipzigerin kommende Woche als Außenseiterin gehandelt. Die 54-Jährige gehört zwar seit 13 Jahren dem LSB-Präsidium an und ist seit acht Jahren Vizepräsidentin. Doch eine Findungskommission hat LSB-Schatzmeister Ulrich Franzen vorgeschlagen, der seit fünf Jahren zum Präsidium gehört und dort eine erste Kampfabstimmung gewann. Für Petra Tzschoppe ist aber klar: "Ich kandidiere trotzdem und ich werde auf der Zielgeraden auch nicht mehr abbiegen. Dass es erstmals zwei Kandidaten gibt, ist für mich gelebte Demokratie. Über den neuen Präsidenten entscheidet allein der Landessporttag." Dort sind knapp 500 Stimmen zu vergeben. Beide Bewerber hatten in der Vergangenheit Eberhard Werner mehrfach vertreten, zuletzt war Franzen sein offizieller Stellvertreter. Werner ist CDU-Mitglied, beide potenzielle Nachfolger sind parteipolitisch ungebunden.

Morgen heißt das Duell Merkel kontra Steinbrück, sechs Tage später Tzschoppe kontra Franzen. Während im Kampf ums Kanzleramt die Unterschiede zwischen den Bewerbern einigermaßen deutlich wurden, gestaltet sich dies in der sächsischen Sportpolitik als schwierig. Zunächst ließ die LSB-Geschäftsstelle ausrichten, Franzen werde sich vor der Wahl öffentlich nicht äußern. Dann rief der Vorstand der ostsächsischen Sparkasse in Dresden gestern doch zurück.

Warum Franzen der Kandidat des LSB ist, erklärt der scheidende Präsident. "Es gibt keinen Besseren, ich habe ihn vorgeschlagen. Der Präsident muss Geld beschaffen. Ulrich Franzen ist überall bekannt, hat mich oft vertreten und wird konsequent unsere Linie weiterführen. Petra Tzschoppe schätze ich sehr, sie hat viele Jahre hervorragende Arbeit geleistet. Die Abstimmung wird zeigen, wie es ausgeht. Meine Wahl steht fest", so Eberhard Werner.

Geld-Beschaffung sieht Petra Tzschoppe nicht als Hauptaufgabe eines Präsidenten. "Sicher wird der Landessportbund um Geld kämpfen müssen. Das ist in meinen Augen wie bisher vor allem das Gebiet des Schatzmeisters." Die gebürtige Zwickauerin strebt trotz aller bisherigen Erfolge einige Veränderungen an, um den Sport in Sachsen für künftige Aufgaben zu rüsten und den Organisationsgrad von knapp 15 Prozent der Bevölkerung zu erhöhen. "Ich gehöre seit 2006 zum Präsidialausschuss Breitensport/Sportentwicklung des DOSB und habe viel über den sächsischen Tellerrand geschaut. Ich kenne gute Projekte in anderen Bundesländern, die für Sachsen interessant sind. Sie betreffen den demografischen Wandel, das Ehrenamt, die Integration, Inklusion sowie Bildung." Der sächsische Sport brauche auf allen Ebenen mehr Transparenz, eine bessere Kommunikation, bessere Abstimmung über Großsportveranstaltungen sowie einen Wirtschaftsbeirat, um beim Einwerben von Sponsorengeldern die Vorstellungen der Unternehmen einfließen zu lassen. Zugleich sollte dadurch das sportliche Ehrenamt in den Unternehmen stärker gewürdigt werden.

Die Dozentin der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Uni Leipzig meint, im sächsischen Sport gut vernetzt zu sein sowie Haupt- und Ehrenamt in Einklang zu bringen. "Als Sportsoziologin beschäftige ich mich mit dem Verhältnis von Sport und Gesellschaft." Dies sei an der LSB-Spitze nicht anders.

Ulrich Franzen ist ehemaliger Volleyballer bei Westfalia Buer im Ruhrgebiet. Er musste verletzungsbedingt aufhören. Im LSB möchte er die erfolgreiche Arbeit fortsetzen und dafür sorgen, dass die finanziellen Rahmenbedingungen für den Sport in Sachsen weiter erfolgreich gestaltet werden. "Das wird angesichts der allgemein angespannten finanziellen Situation nicht leicht. Es geht aber darum, weiter die Mittel für Trainer, Übungsleiter, Vereine und Sportstätten bereitzustellen. Auf Grund meiner Funktion kann ich meinen Teil dazu beitragen. Das habe ich bereits als Schatzmeister getan und werde es als Präsident fortsetzen." In Vertretung von Werner habe er viele Kontakte in Landesministerien geknüpft. "Sachsens Sport wächst gegen den demografischen Trend. Das ist ein Pfund, mit dem er wuchern kann", so der 55-Jährige.

Sollte Petra Tzschoppe gewählt werden, wäre neben Rheinland-Pfalz Sachsen das zweite Bundesland, in dem eine Frau den organisierten Sport leitet. Angst vor einer Niederlage habe sie nicht. Ihre 23-jährige Tochter habe gesagt: "Mutti, du kannst nur gewinnen. Entweder wirst du Präsidentin - oder hast mehr Freizeit." Winfried Wächter, Frank Schober

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.09.2013

Winfried Wächter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regionalsport

Jede Woche im LVZ-Tippspiel zur Saison 2016/17 regionale Partien tippen und tolle Preise gewinnen! mehr

Alle Wettquoten zu Spielen von RB Leipzig gibt es bei SmartBets.