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Plötzlich Profi: Leipzigerin Sandra Atanassow hat sich vom Amateur-Boxen verabschiedet

Plötzlich Profi: Leipzigerin Sandra Atanassow hat sich vom Amateur-Boxen verabschiedet

Sie hat schon unzählige Male im Ring gestanden, aber diesmal war alles irgendwie ganz neu. Das Tapen der Hände vor dem Kampf, die Schläge gegen die Tatzen zur Erwärmung, der Einlauf in die Halle unter Scheinwerferlicht und schließlich die Ansage ihres Namens mit vielen langgezogenen Vokalen - "Sandra Atanassow!" Die Leipziger Boxerin absolvierte jetzt ihren allerersten Profikampf.

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Sandra Atanassow (rechts) im Box-Ring mit Melanie Zwecker.

Quelle: Ben Alraum

Leipzig. "Bei der Erwärmung war ich plötzlich richtig nervös", sagt die 30-Jährige lachend. Mit Ertönen des Ringgongs war allerdings Schluss mit lustig, setzte sich die Federgewichtlerin in Dettenheim bei Karlsruhe vor knapp 1000 Zuschauern souverän gegen die Lettin Jekaterina Lecko durch. "In der ersten Runde habe ich ruhig gemacht, in der zweiten hatte ich sie ein paar mal in den Seilen, vor der dritten sagte mein Betreuer Michael Siegel ,Jetzt gibst du Gas'", erzählt Atanassow. Danach habe der Ringrichter schnell abgebrochen, Sieg durch technischen K.o.

Mit dem Wechsel ins Profilager hat Atanassow einen Schlussstrich unter ihre Amateurkarriere gezogen, in der sie trotz drei deutscher Vizemeistertitel und weiterer Erfolge bei Länderkämpfen nie für eine internationale Meisterschaft berücksichtigt worden war. "Das Kapitel ist abgeschlossen. Jetzt ist eine neue Tür aufgegangen und ich freue mich riesig auf die neue Herausforderung", blickt sie nach vorne. Die Entscheidung sei zum Jahreswechsel gereift, auch weil Trainer Torsten Müller vom Boxring Atlas und der MDR als Arbeitgeber voll dahinter standen.

Doch unterstützende Worte reichen nicht aus. Als Profi muss sie neben der Lizenz des Bundes Deutscher Berufsboxer vieles selbst finanzieren - das geht ins Geld. Wie die Fahrten zum Boxstall Mach 1 in Karlsruhe. Oft trainierte sie dort in den vergangenen Wochen mit erfahrenen Boxerinnen wie der Intercontinental-Titelträgerin Melanie Zwecker, in deren Rahmenprogramm sie nun kämpfen durfte. Weil die Profikämpfe auf 10 Runden angesetzt sind, hat sich auch die Trainingsintensität erhöht. "Ich bin fit wie nie und habe nur noch neun Prozent Körperfett", sagt Atanassow, die den Nachnamen ihrem bulgarischen Vater verdankt. Zwar will sie weiterhin bis zu sechsmal in der Woche in Leipzig trainieren, aber Torsten Müller wird sie mangels Profilizenz auch bei künftigen Kämpfen nicht in der Ecke unterstützen können. Einen Wegzug aus Leipzig schließt sie aus.

Dafür steht die Suche nach professionellem Management und Sponsoren weit oben auf der Liste. Mit einem Ausstatter gab es schon erste Gespräche. Vom Frauenboxen den Lebensunterhalt zu bestreiten, sei dennoch eine Illusion. Zunächst muss sie sich ihre Sporen im Ring verdienen: Der nächste Fight könnte schon im Sommer anstehen. "Boxen ist mein Leben. Ich bereue den Schritt zu den Profis keine Sekunde", sagte Atanassow überzeugt.

Der Gedanke an einen Titelkampf wäre zwar verfrüht, aber bei weltweit gerade 100 Frauen in ihrer Gewichtsklasse, darunter vier aus Deutschland, ist die Durchlässigkeit zur Spitze groß. So viel ist sicher: An Durchsetzungsvermögen mangelt es Sandra Atanassow jedenfalls nicht.

Thomas Fritz

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