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Rad-Campion aus Argentinien kehrt zurück: Küsse für die Radrennbahn

Rad-Campion aus Argentinien kehrt zurück: Küsse für die Radrennbahn

Umarmungen für eine alte Freundin, Küsse für den Betonbelag und ein paar Tränen auf der Wange: Es waren bewegende Momente, die sich auf der Leipziger Radrennbahn abspielten.

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Dietlind Kremer, Antonio Alexandre, Marcelo Alexandre, Michael Schiffner (v.l.).

Quelle: SCDHfK Leipzig

Leipzig. Nach 33 Jahren kehrte der einstige argentinische Radprofi Marcelo Alexandre an den Ort seines größten Triumphes zurück.

Im Juli 1981 hatte sich der damals 18-Jährige im 1000-Meter-Rennen zum Junioren-Weltmeister gekrönt. "Es ist ein unglaubliches Gefühl, wieder in Leipzig zu sein. Die Rennbahn hat sich überhaupt nicht verändert", sagte der Olympiateilnehmer von 1984 und 1988 glücklich. "Ich wollte immer zurückkommen und nun hat es endlich geklappt", jubelte der 51-Jährige über das Wiedersehen.

Das hat auch mit Dietlind Kremer zu tun. Die Leipzigerin, heute wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni, war damals als Studentin der argentinischen Mannschaft als Dolmetscherin zugeteilt. Sie betreute die Sportler im Wohnheim "Jenny Marx" in der Goethestraße, übersetze bei Presseanfragen, schloss die Südamerikaner ins Herz.

Im sozialen Netzwerk Facebook nahm der Südamerikaner vor einem Jahr Kontakt zur alten Bekannten aus der "República Democrática Alemana" auf. Die Freude war auf beiden Seiten riesig. Der heute als Trainer in einer Radsportschule in Buenos Aires arbeitende Alexandre legte nach der Bahnrad-WM der Senioren in Manchester mit seinen sieben Schützlingen einen Zwischenstopp in der Heldenstadt ein.

Groß war die Spannung bei Dietlind Kremer und Michael Schiffner, der als Vertreter des SC DHfK und der Stadt gekommen war, als das Auto auf den Parkplatz der Rennbahn einbog. "Don´t cry for me Argentina" (Weine nicht, Argentinien), entfuhr es Kremer lautstark. Aber ihre Bitte blieb unerhört. Nachdem Alexandre mit Vater Antonio (79), 1981 als Trainer dabei, das 400-Meter-Rund betreten hatte, bekamen selbst die Teamkollegen feuchte Augen. Radsport-Ass Schiffner, der 1976 mit Hans-Joachim Hartnick, Karl-Dietrich Diers und Gerhard Lauke im Mannschaftszeitfahren bei den Olympischen Spielen in Montreal gestartet und bei der Friedensfahrt mehrfach erfolgreich war, überreichte dem Gast eine Kopie des zeitgenössischen WM-Artikels aus dem "Radsportler" sowie einen Briefmarkenbogen aus Anlass des 60. Geburtstages des SC DHfK.

Auch der Argentinier sparte nicht mit Geschenken: Eine Kopie des weiß leuchtenden Weltmeistertrikots und der Goldmedaille sollen im Leipziger Sportmuseum Platz finden. Emotionaler Höhepunkt war aber Alexandres einsame Fahrt über die Bahn - 1000 Meter wie bei seinem klaren Sieg über Dirk Streicher vor 33 Jahren. Anders als der DDR-Sportler feierte der 1,89-Meter-Mann - heute mit nur fünf Kilogramm mehr auf der Waage - weitere Triumphe.

Er holte bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles Platz sechs im Sprint und Platz sieben über 1000 Meter, nahm 1988 als Aktiver und 1996 als Nationaltrainer noch zwei Mal an den Wettbewerben im Zeichen der Ringe teil. Seine zwei Töchter eifern dem Vater übrigens nicht nach. Sie hechten lieber Volleybällen hinterher.

"Vielleicht kommen meine künftigen Enkel ja wieder zum Radsport", sagte Alexandre scherzhaft. Großvater, Vater, Bruder - schon seit 1928 werden in der Familie Rennen gefahren. Die Leipziger Alfred-Rosch-Kampfbahn, um die es Dauer-Zoff zwischen Stadt und Sächsischen Radfahrer-Bund gibt, nimmt in dieser sportlichen Familiensaga einen ganz besonderen Platz ein.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.10.2014

Thomas Fritz

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