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Schwimmstar Biedermann fordert den Profi: „2000 bis 3000 Euro netto“

Nach dem Karriereende Schwimmstar Biedermann fordert den Profi: „2000 bis 3000 Euro netto“

Die Olympischen Spiele in Rio markierten das Karriereende des Hallensers. In Leipzig sprach Schwimm-Weltmeister Paul Biedermann nun über seine Karriere und erklärt, was sich im deutschen Sport nach Rio ändern muss.

Inzwischen hat Paul Biedermann seine dritten und letzten Olympischen Spiele ausgewertet.

Quelle: dpa

Leipzig . Im August hat er in Rio seine Karriere beendet, seit einer guten Woche ist er mit seinem Trainer per Du. Gewöhnt hat sich Paul Biedermann nach 14 gemeinsamen Jahren noch nicht daran. Immer wieder rutscht dem Schwimm-Weltmeister „Herr Embacher“ raus, wo er doch einfach nur „Frank“ sagen müsste. „Im Westen gibt es fast nur das du, aber bei uns im Osten ist es immer noch normal, dass der Trainer gesiezt wird“, sagte Biedermann am Wochenende in Leipzig, wo er bei einer bundesweiten Trainerweiterbildung über seine Karriere plauderte.

Dabei verriet der Hallenser, dass er für einen Moment sogar an den Rücktritt vom Rücktritt gedacht habe. „Das war bei der Abschlussfeier in Rio. Da wurde mit einer kleinen Show für Tokio 2020 geworben. Das war so toll, dass ich kurz überlegt habe...“ Doch die Vernunft habe gesiegt. „Der Aufwand war schon jetzt riesengroß, um das Niveau zu halten, geschweige denn zu steigern. Ich fände es lächerlich, in zwei Jahren wieder anzufangen“, so der 30-Jährige, der sich nach 18 Jahren Leistungssport Mitte August bei allen Gremien offiziell abgemeldet hatte. Dies hinderte die Doping-Kontrolleure des Weltverbandes Fina nicht, kürzlich an der Tür des „Privatiers“ zu klingeln. „Wir haben dann zwei Stunden Kaffee getrunken, ehe der Rückruf aus Lausanne kam und sich die Kontrolleure verabschiedeten.“

Inzwischen hat Paul Biedermann seine dritten und letzten Olympischen Spiele ausgewertet. 2008 sei der Freistilspezialist über 200 Meter als Fünfter unter Wert geschlagen worden. Aufgrund verschiedener Stoffe der Schwimmanzüge habe er in Peking „keinen Kampf mit gleichen Waffen“ geführt. In London 2012 habe er dem Druck nicht standgehalten. Dass ein Sponsor die Gold-Plakate schon gedruckt hatte, sei nicht förderlich gewesen. Nach Rio sei er mit sich im Reinen. „Ich habe alles gegeben, mehr war nicht drin.

Druck zu groß

Seinen Trainer wurmt Rang sechs deutlich mehr. „Für mich ist die Sache unvollendet“, meint Embacher: „Die Chance auf eine Medaille war nie so groß wie diesmal. Paul fehlte etwas die Substanz, weil er in einer entscheidenden Phase krank war.“ Biedermann und Embacher glauben zu wissen, warum die DSV-Schwimmer bei Olympia ihr Potenzial nie abrufen. „Wir werden im Olympiajahr unruhig und hektisch, wenn etwas nicht so läuft oder der Sportler krank wird“, meint der Coach: „Die Hektik müssen wir rauskriegen.“ Der Druck sei zu groß, weil Existenzen vom Abschneiden im Olympiapool abhängen. „Wenn wir mit Spaß rangehen und die Atmosphäre genießen, kommt mehr raus“, ist der 52-Jährige überzeugt.

Ähnlich sieht es Paul Biedermann: „Wir Sportler spüren vor Olympia die Nervosität der Trainer, weil es um ihre Verträge und ihre Zukunft geht. Das können einige vor ihren Sportlern nicht ausblenden.“ Wie man mit Teamgeist und einer gewissen Aggressivität in den Wettkampf geht, hätten die US-Amerikaner vorgelebt.

Wie weiter im deutschen Spitzensport? Dazu haben die Hallenser eine klare Meinung. Biedermann fordert den Profisportler, der vom Staat monatlich 2000 bis 3000 Euro netto bekommt.

Embacher schwillt der Kamm, wenn er den seit Jahren herumgeisternden Slogan „Traineroffensive“ hört. Davon seien höchstens zehn Prozent umgesetzt worden. „Wir können es uns nicht leisten, dass unsere wenigen guten Trainer ins Ausland gehen. Aber wir müssen aufhören, uns um eine Million mehr oder weniger an Sportförderung zu unterhalten.“ Er fordert in einem reichen Land wie Deutschland den großen Wurf. „Mit einer Milliarde Euro könnten wir die Sportler und Trainer bezahlen. Wenn du als Staat dazu nicht bereit bist, brauchst du keine Leistung fordern.“ 2016 gab es 178 Millionen vom Bund.

Paul Biedermann will dem Sport treu bleiben, sich auch im DSV einbringen –  aber nur, wenn Gabi Dörries aus Schleswig-Holstein am 5. November auf dem Verbandstag in Leipzig neue Präsidentin wird.   Embacher sieht bei seinem Ex-Schützling Management-Fähigkeiten und meint: „Paul hat einen Namen. Viele hören zu, wenn er etwas sagt.“ 

Frank Schober

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
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