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Siegwart Karbe erinnert sich an die Leipziger Marathon-Premiere 1977

Siegwart Karbe erinnert sich an die Leipziger Marathon-Premiere 1977

Am Sonntag wird zum 37. Mal der Leipzig-Marathon gestartet. Die Erstauflage 1977 führte durch den Clara-Zetkin-Park. Mit dabei war auch Siegwart Karbe, der noch immer stolz auf seine damalige Zeit ist - trotz durchaus schmerzhafter Erinnerungen.

Leipzig. An die Zehennägel denkt Siegwart Karbe sofort. Sie erwiesen sich als das große Problem, wenn ein Marathon in Schuhen mit weniger guter Qualität ­gelaufen wurde. So wie 1977 beim ersten Leipzig-Marathon. Karbe gehörte zu den Premiere-Läufern, ist noch ­heute stolz auf seine damaligen 3:25:12,6 Stunden und weiß, dass er im Clara-Zetkin-Park einige Zehennägel verloren hat. Das kommt noch immer vor, wenn das Schuhwerk nicht passt.

"Heute kauft man halt eine andere Marke oder eine andere Größe. Aber damals war es schwer, in den Laden zu gehen und das Richtige zu bekommen", erinnert sich Karbe. Ilmia hieß die Marke, die für gewöhnlich im Angebot war und sich auf längeren Strecken eher als denkbar ungeeignet erwies.

Die Erstauflage des Leipzig-Marathons, von Hochschullehrern der Karl-Marx-Universität um Heinrich Hagenloch organisiert, wurde von offizieller Seite argwöhnisch betrachtet. Im Westen war die Trimm-dich-Bewegung mit vielen Angeboten entstanden. Im Sportwunderland DDR sollte sich die Bevölkerung mit sogenannten Gesundheitsläufen begnügen. "Die waren wesentlich kürzer", weiß Karbe. "Und insofern haben wir in Leipzig mit dem Marathon schon Neuland beschritten."

Der ehemalige Kanute (mit dem Vierer 1963 Vizeweltmeister und 1965 Europameister) arbeitete damals am Institut für Freizeit- und Erholungssport der weltbekannten Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK). Die Mannschaft um Winfried Ehrler war am Ausdauersport sehr interessiert. Ehrler organisierte später auch den ersten Triathlon am Kulkwitzer See. Der durfte nicht so heißen, sondern musste sich offiziell Ausdauerdreikampf nennen, um ja nicht den Eindruck zu erwecken, es werde etwas aus dem Westen übernommen.

"Das waren schon merkwürdige Zeiten", sagt Karbe. Viermal ist er den Marathon gelaufen, alle vier in Leipzig - mit den entsprechenden Verlusten an den Zehen. Einmal blieb die Uhr für ihn sogar bei 3:16 Stunden stehen. "Alles unter 3:30 ist für einen Volkssportläufer eine sehr gute Zeit, schon unter vier Stunden kann sich sehen lassen." Schließlich ist das Training aufwändig, und auf etwa 50 Kilometer pro Woche müsste derjenige schon kommen, der in diese Bereiche vorstoßen will. Auch beim Rennsteiglauf war Karbe Stammgast, sowohl auf dem langen Kanten als auch auf der kürzeren Strecke.

Karbe, Jahrgang 1935, lässt das Laufen inzwischen ruhiger angehen. Aber dem Leipzig-Marathon ist er immer treu geblieben. Er ist kürzere Strecken gelaufen und hat oft geholfen, als er noch Sportamtsleiter war. Auch am Sonntag ist er dabei, wenn der Spendenlauf für das Myelin-Projekt gestartet wird.

Um seine Zehen muss Karbe nicht mehr bangen. Erstens ist die Strecke mit vier Kilometern wesentlich kürzer als die 42,195 Kilometer des langen Kantens, zweitens hat er inzwischen natürlich das passende Schuhwerk. iwww.leipzigmarathon.deInfo-Telefon Verkehrslage: 0175 7007342 Startzeiten am Sonntag

9.15 Uhr: Deutsche Meisterschaften Inline-Skaten Halbmarathon.

9.40 Uhr: Rollstuhlfahrer/Handbikes (Halb­marathon).

9.45 Uhr: Inline-Skaten (Halbmarathon).

10 Uhr: Marathon.

11 Uhr: Schüler-Mannschafts-Marathon,

11.05 Uhr: 4 km Lauf/Walken, Promi-Spendenlauf.

12 Uhr: Enni-Kinderlauf (bis 10 Jahre).

12.45 Uhr: Halbmarathon.

13.45 Uhr: 10-km-Lauf/Walken.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.04.2013

Winfried Wächter

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