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Sport-Moderator Wolff-Christoph Fuss zu Gast in der LVZ-Kuppel in Leipzig

Gespräch mit Guido Schäfer Sport-Moderator Wolff-Christoph Fuss zu Gast in der LVZ-Kuppel in Leipzig

Wolff-Christoph Fuss ist einer der bekanntesten Sport-Kommentatoren in Deutschland. In der LVZ-Kuppel sprach er mit Chefreporter Guido Schäfer über seine Begegnung mit Louis van Gaal, Ostblockmannschaften und sein erstes Pokalspiel in Leipzig.

Sport-Kommentator Wolff-Christoph Fuss (links) mit Guido Schäfer in der LVZ-Kuppel.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. „Du bist Gast im Wohnzimmer, zwängst dich da mitten auf’s Sofa und einfach mal machen.“ In Minute 44, also kurz vor der Halbzeit, definiert gestern Abend Wolff-Christoph Fuss in der Kuppel der Leipziger Volkszeitung beim lockeren Plausch selbst, was der Kommentator eines Fußballspieles für ein Selbstverständnis haben sollte. Das scheint sich zumindest mit dem zu decken, was die Fußball-Freaks, -Ästheten und -Liebhaber von ihm verlangen. Nur in den Genuss kommt nicht mehr jeder, denn seit 2012 leiht der 39-Jährige seine Stimme seit 2012 dem Abosender Sky, seit 1999 ist er im Geschäft, sehr gut im Geschäft sogar.     

Wohl am einprägsamsten in seiner bisherigen Laufbahn war das Aufeinandertreffen mit dem „General“ Louis van Gaal. „Als ich ihn kennengelernt habe, habe ich gemerkt, dass ich überhaupt nichts über die Sportart weiß“, schildert Fuss, als er von dem Trainer 2009 das erste Mal gemustert wurde. Aber anstatt sich abschätzig abzuwenden, nahm der Holländer sich dem Kommentator an. Per Magnettafel stieß er Fuss in eine neue Dimension des Verständnisses von Fuß und Ball. Sogar zu dem Satz: „Ein großes Spiel braucht einen großen Moderator“ soll sich van Gaal gar einmal hinreißen lassen haben.

Bei all den Komplimenten, die Talk-Leiter Guido Schäfer ihm in gewohnt launiger Art an diesem Abend auch macht, Fuss bleibt zurückhaltend – eben genau nach seinem Selbstverständnis, ja nur Gast zu sein.

2015 erstmals am Elsterflutbecken

Auch wenn er als Kommentator vor großen Spielen auf ein 160-Seiten Pamphlet zurückgreifen kann, „wo drinsteht, wer wann das letzte Mal mit der linken Gesichtshälfte rechts oben einen versenkt hat“, bleibt er in seiner Herangehensweise fast minimalistisch. Lediglich vier Zettel reichen, mit den Aufstellungen der Teams, den Ersatzbänken und ein paar Zusatzinfos. „Bei Ostblockmannschaften, also der Konsonantenwüste aus den Karpaten, schaue ich mir an, wie die überhaupt ausgesprochen werden“, erklärt er. 

Wobei mit Ostblock nicht Leipzig gemeint ist. Einmal, zum Pokalspiel weilte er in der selbst ernannten Heldenstadt, mit dem Verweis, demnächst sicherlich öfter hier zu sein. „Ich halte es nicht für ausgeschlossen, Bayern gegen RB Leipzig zu kommentieren“, kündigt er an. Und freut sich drauf.  Das war anders, als er im Pokalhit gegen Wolfsburg im März 2015 erstmals am Elsterflutbecken auftauchte. „Wenn dir das dein Chef unterm Tannenbaum legt, denkst du: Eine Abmahnung wäre ehrlicher gewesen.“ Dieser Eindruck sollte schnell ins Gegenteil umploppen. „Dann war ich hier, ich kenne Kretzsche (Stefan Kretzschmar, d.A.) schon lange, war am Abend vorher beim Handballpokalspiel und dann im Stadion, das ausverkauft war. Ich habe diesen Abend total genossen“, erzählt Fuss weiter. 

Den vielen RB-Kritikern in Fußball-Deutschland kann der Reporter nicht folgen. „Ich kann nichts Verwerfliches daran finden, dass Leipzig Bundesligastadt ist. Ich kann nichts Verwerfliches daran finden, dass sich hier ein Mäzen engagiert. Ohne Sponsoren kann kein Verein überleben.“

1860 München: „Da schmeckt Fußball noch nach Bratwurst“

Wenn sich der Kommentator mal selbst erden will, dann zieht es ihn zu 1860 München. „Da schmeckt Fußball noch nach Bratwurst“, sagt er in seinem unnachahmlichen Stil, der ihn so beliebt gemacht hat. Schließlich spricht Fuss nicht von umgestoßenen Böcken, Hebel, die umgelegt werden müssten oder von langen Kerls, die jetzt mit vor müssten. Phrasengedresche kann er nicht ab.

Aber auch er hat sich da schon in die Nesseln gesetzt. Etwa, als er einmal Schalke als S05 bezeichnet oder Bauern statt Bayern gesagt hat. Ob er sich als bester Fußball-Kommentator Deutschlands sieht, will Schäfer wissen. „Nein, nein, ich versuche nur, bestmöglich zu informieren und zu unterhalten. Wenn es den Leuten gefällt, ist es in Ordnung. Wenn es den Leuten nicht gefällt, kann ich es nicht ändern.“ Seine Vorbilder? „Ich mochte Leute, die sehr authentisch sind, auch im richtigen Leben. Leute, die spielen, haben mich gestört.“ Das gelte auch für Kollegen, die sich wichtiger nehmen als das Fußballspiel, worüber sie berichten. „Ich mochte Originale wie Gerd Rubenbauer, Dieter Kürten oder Werner Hansch, auch wenn das nicht meine Generation ist.“

Zum Talk-Finale die Frage aller Fragen: Wer wird denn nun Europameister? Fuss kneift nicht. „Ich sehe keinen anderen Favoriten als Deutschland. Wir sind Weltmeister, die Truppe ist gut. Aber ich finde, Jogi Löw hätte Schmelzer mitnehmen müssen.“

Nach höchst unterhaltsamen 90 Minuten folgen noch „Diese verrückten 90 Minuten“. So heißt Wolff-Christoph Fuss’ Buch, aus dem er zum Abschluss noch ein Kapitel liest. Wie der Fußball-Talk zuvor – beste Unterhaltung.

Alexander Bley

Leipzig Peterssteinweg 51.332971 12.37368
Leipzig Peterssteinweg
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