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Springreiter André Thieme: „Man muss ein cooler Ossi sein“

Partner Pferd Springreiter André Thieme: „Man muss ein cooler Ossi sein“

Der gebürtige Sachse André Thieme fehlte überraschend bei der Weltcup-Qualifikation am Freitagabend auf der Partner Pferd. Es gab gute Gründe, warum er erst am Samstag in Leipzig an den Start geht.

Springreiter André Thieme

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Wenn André Thieme über die Partner Pferd spricht, geht ihm das Herz auf. „Leipzig ist wie nach Hause kommen“, sagt der 40 Jahre alte Reiter. Das ist durchaus doppeldeutig zu verstehen, denn der Mann mit dem deutlich norddeutschen Akzent ist in Sachsen (Hoyerswerda) geboren. Seine Ausbildung zum Pferdewirt hat er in Redefin gemacht, jetzt lebt er mit seiner Familie in Plau am See in Mecklenburg.

Dass er auch bei Leipzig von „zu Hause“ spricht, hat mit seiner ostdeutschen Identität zu tun. „Ossi ist kein Schimpfwort. Man muss ein cooler Ossi sein“, sagt er lässig. Daher sei die Partner Pferd für ihn ein Heimspiel, „das gilt für alle Turniere den in neuen Bundesländern“. Da bekommt er einen besonderen Empfang. „Die Zuschauer schreien noch etwas lauter, fiebern noch mehr mit. Das bekommen wir schon mit“

In der Starterliste der Weltcup-Qualifikation am Freitagabend fehlte der Name Thieme überraschend. „Wir haben im letzten Moment entschieden, nicht im Weltcup zu reiten“, erzählt er und räumt ein: „Das war anders gedacht. Aber Conthendrix, mein bestes Pferd, hatte eine lange Pause, ist zuletzt vor zwei Monaten in einem Turnier gegangen. Da käme ein so schweres Springen zu früh.“

Freitag war der zweite Tag der Partner Pferd. Das sind die Eindrücke vom Springen, Voltigieren und Trabi-Show. Fotos: Christian Modla

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Der andere Teil von „wir“ ist Bundestrainer Otto Becker. Mit dem habe er kurz vor der Partner Pferd telefoniert. „Alles in Schuss für den Weltcup?“ hat Becker gefragt. „Ich habe geantwortet, mir wär‘s lieber, wenn ich nicht starte. Ich will und kann ja auch kein Weltcup-Finale reiten.“ Der Bundestrainer hatte Verständnis, er weiß am besten, wie wichtig ein geschicktes Turniermanagement für Erfolg oder Misserfolg ist.
 
Mit seiner Nummer zwei im Stall, Cellisto, will Thieme am Samstag im Championat angreifen. Conthendrix bekommt auch noch seinen Auftritt. „Im Zeitspringen am Abend will ich ihn langsam heranführen, vorsichtig. Ich hoffe, die Zuschauer pfeifen nicht. Nächste Woche in Schwerin soll er dann im Großen Preis starten.“

Ja, und dann geht es für Thieme und seine Pferde in die USA, wie seit Jahren schon. Im Februar ist für zwei Monate Florida das Ziel, im Herbst der Bundesstaat New York. In Übersee startet er bei Springen, in denen der Sieger eine Million Dollar zu gewinnt. Thieme hat das schon zweimal geschafft – 2011 mit Aragon Rouet in Saugerties (New York), 2014 mit Contanga in Ocala (Florida). „In die Staaten zu gehen war das Klügste, was ich machen konnte“, sagt André Thieme und schwärmt: „Amerika ist meine zweite Heimat. Sportlich und wirtschaftlich haben sich sich da andere Welten aufgetan.“

Apropos wirtschaftliche Welt. Sein Star-Pferd Contanga hat er voriges Jahr verkauft – Thieme ist wie viele Reiter Sportler und Unternehmer, was ihn möglicherweise einen Startplatz im deutschen EM-Team kostete. Bei welchem Preis er für Contanga schwach geworden ist, will Thieme nicht verraten. „Es war schon ‚ne ganze Menge...“

Den Traum, bei einem Championat in der deutschen Requipe zu reiten, hat er nicht aufgegeben, obwohl er bei EM und WM stets nur fast dabei war. Olympia in Rio ist die nächste Chance, Thieme gehört zum A-Kader. Ende Januar gibt Otto Becker beim Kadertreffen die Eckpfeiler der Qualifikation bekannt. Er weiß, die Ergebnisse in der Halle werden kaum eine Rolle spielen. Was er mit Conthendrix in den USA reißt, ist wichtiger.

Bleibt noch die Frage, warum er bei seiner Amerika-Begeisterung nicht dauerhaft in die USA übersiedelt. „Im Herzen bin ich ein Patriot“, sagt er. „Nach zwei Monaten bekomme ich Heimweh.“ Leipzig ist da perfekt, weil auch ein bisschen Heimat für ihn. Und laut wird es auf jeden Fall, wenn er am Samstagnachmittag einreitet.

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