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Stunde der Liebeserklärungen: Rangnick, Basler und Marschall reden über Leipzigs Perspektiven

Stunde der Liebeserklärungen: Rangnick, Basler und Marschall reden über Leipzigs Perspektiven

Was passiert, wenn sich Ralf Rangnick, Mario Basler sowie Olaf Marschall begegnen und LVZ-Chefreporter Guido Schäfer moderiert? Genau, da werden Geschichten von früher erzählt.

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Ur-Krostitzer Fußball Talk im Haus Leipzig: Auf dem Podium: Olaf Marschall (nicht im Bild), v.l.: Ralf Rangnick (RB Sportdirektor), Guido Schäfer (Moderator), Mario Basler (Geschäftsführer 1. FC Lok).

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Da wird geflachst, über den Fußball in Leipzig debattiert, über RB und Lok natürlich, auch Chemie wird einmal erwähnt. Geschehen all das am Donnerstagabend im Haus Leipzig, wo die Premiere des „Ur-Krostitzer Fußball-Talks“ stattfand.

Die Wege der plaudernden „Fußball-Götter“ haben sich übrigens nicht erst in Leipzig und schon gar nicht erst an diesem Abend gekreuzt. Marschall und Basler spielten drei Jahre gemeinsam in Kaiserslautern, in der besten Zeit der Roten Teufel. Rangnick wiederum lernte Marschall bei einem Freundschaftsspiel als Trainerkollegen kennen, der eine coachte die TSG Hoffenheim, der andere die U23 Kaiserslauterns. Wie der Kick ausgegangen ist? 0:0 glaubt Marschall. Nein 2:1, wie es „Professor“ Rangnick besser weiß. Der erinnert sich noch genau, nennt die Torschützen und schildert entscheidende Szenen. 

Rangnick nimmt Leipzig 2005 erst richtig wahr

Die guten alten Zeiten also. Immer interessant, wenn Ralf Rangnick von seinen DDR-Erfahrungen erzählt. Seine Eltern, Vertriebene aus Königsberg und Breslau, haben sich in Glauchau kennengelernt, seine Cousine wohnt noch heute im sächsischen Lichtenstein. Als Kind war er jedes Jahr zum Verwandtenbesuch dort. „Das war immer spannend, auch wenn wir an der Grenze einmal sechs Stunden gefilzt wurden“, erzählt er. „Wenn wir zurückkamen wusste ich immer, wie gut wir es materiell haben. Aber auch, dass es eine andere Seite gibt, nämlich große Solidarität unter den Leuten, die wir in Sachsen erlebt haben.“ Leipzig hat er erst 2005 richtig wahrgenommen – als Trainer von Schalke 04 beim Ligapokal-Finale gegen Stuttgart im neuen Stadion. Zwei Rote Karten und in der Kabine heulende Schalker „Sünder“ sind unvergessen.

Von Toren kann auch Olaf Marschall erzählen. Knallharte Frage von Schäfer: Was war vorgestern vor 28 Jahren los? Die Lok-Legende weiß es genau: „EC-Spiel gegen Bordeaux, 100 000 im Stadion. Wir hatten dort 1:0 gewonnen und lagen 0:1 zurück, dann das Elfmeterschießen. Das war Dramaturgie pur“, erzählt die Lok-Legende mit leuchtenden Augen. Hatte er Angst, als René Müller zum letzten, entscheidenden Elfer antrat? „Nein, ich wusste ja, der konnte Fußball spielen.“ Mario Baslers Leipzig-Erfahrungen beginnen auch nicht erst mit seiner Verpflichtung zum Sportdirektor bei Lok in diesem Jahr. „Gegen den VfB Leipzig habe ich mein erstes Profitor geschossen und meine erste Rote Karte kassiert“, erzählt er. Das war 1992, Basler stand in Diensten von Hertha BSC. Interessant, was der so lauffaule wie geniale Fußballer zum Thema Trainer sagt: „Ich hatte in meiner Karriere bis auf Berti Vogts nur coole Trainer.“

"Im Normalfall spielen wir noch ein Jahr Liga zwei"

Aber natürlich geht es nicht nur um die guten alten Zeiten. Fußball in Leipzig ist immer ein großes Thema, aktuell erst recht. Zu klären ist: Steigt RB in die Bundesliga auf? Welche Perspektiven hat Lok? Wie groß ist die gegenseitige Abneigung? Es ist die Stunde der Klarstellungen und Liebeserklärungen. Letztere kommt von Rangnick: „Seit ich in Leipzig bin, habe ich keine Rückenprobleme mehr.“ Ist doch schon mal was, doch was ist nun mit dem Aufstieg? Rangnick stellt also klar: „Wenn wir‘s noch schaffen, wär das großartig. Aber im Normalfall spielen wir noch ein Jahr in Liga zwei.“

Jetzt muss Mario Balser in die Bütt und sein Verhältnis zu RB erklären. „Ich würde mich freuen, wenn RB aufsteigt“, stellt der Lok-Chef klar. „Ich kenne die Situation aus München mit Bayern und 1860. Zwei Fan-Lager, die sich nicht riechen können, das ist nichts Schlimmes, das ist doch normal.“ Und fast energisch fügt er an: „Ich werde mir von Lok-Fans nicht verbieten lassen, mich mit Ralf Rangnick zu unterhalten oder ins Stadion zu gehen.“ Ein großer Moment an Deutlichkeit.

Basler mit frohen Botschaften

Eine gute Botschaft für die an der Stelle vielleicht erzürnten Fans in Probstheida hat Basler aber auch mitgebracht. Es gebe einen Sponsor, der den Rückkauf des Stadions und Marketingrechte fürs Logo finanziert. Man sei „guter Dinge“, bald werde der Deal offiziell bekanntgegeben. Wer der generöse Geldgeber ist, verrät Basler allerdings nicht. Super-Mario noch einmal staatstragend und grundsätzlich zum Thema RB: „Wir haben überhaupt keine Berührungsängste. Es kann aber nicht sein, dass Fans entscheiden, gegen wen wir Freundschaftsspiele bestreiten.“ Rangnick lässt sich nicht lumpen, spielt den Ball generös zurück: „An uns soll es nicht liegen. Wenn wir einen vernünftigen Umgang hinkriegen, sind wir von unserer Seite aus völlig offen.“

Jetzt ist die Veranstaltung an dem Punkt angekommen, wo die Zukunft des leidgeprüften Leipziger Fußballs nur noch rosig sein kann. Basler malt sie sich so aus: „Es wäre für die Stadt doch großartig, wenn RB in der Bundesliga spielt und wir vielleicht in fünf Jahren in der 3. Liga. Wir haben ja sogar drei große Vereine hier (an der Stelle kommt Chemie ins Spiel!). Warum können wir nicht aus Leipzig eine Fußballhochburg machen?“ Die Sätze gehen den 200 Gästen runter wie Öl. Das salbungsvolle Schlusswort des Tages kommt von Olaf Marschall: „Man kann vieles machen. Man darf nur nicht so stur sein.“

Uwe Köster

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