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Teamplayer der deutschen Leichtathletik

Teamplayer der deutschen Leichtathletik

Es ist genau ein Jahr her, als Idriss Gonschinska mit seinen Kollegen jeden Abend tiefenentspannt und scherzend durch den Olympiapark schlenderte. Nach einer einzigen Medaille 2008 in Peking konnte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) in London sein Konto auf acht Mal Edelmetall erhöhen.

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Auf dem Trainingsplatz (hier 2010 mit Thomas Blaschek) ist Idriss Gonschinska nicht mehr täglich anzutreffen.

Quelle: Mario Jahn

Leipzig. Zwar war der Leipziger vor Jahresfrist noch für die Laufdisziplinen zuständig, in denen der DLV seit Jahren Mühe hat, mit der Weltspitze Schritt zu halten. Doch schon damals betonte der 44-Jährige gern: "Es gibt nur eine Leichtathletik." Dem Argument trug der DLV inzwischen offenbar Rechnung: Im neuen Olympiazyklus ist Gonschinska der Cheftrainer für alle 47 olympischen Disziplinen. Bei der WM ab Sonnabend in Moskau hofft er auf Fortsetzung der Erfolgsstory, gibt aber zu bedenken: "Acht Medaillen waren eine Ausnahme-Situation. Dieses unglaublich tolle Ergebnis sollte nicht als Normalität empfunden werden."

Über kurzfristigen Erfolg oder Misserfolg wird er zwar in Moskau bei den täglichen Pressekonferenzen seine Statements abgeben. Doch der Sachse arbeitete seit London vor allem daran, den Verband für die Zukunft aufzustellen. Der entscheidende Punkt sei der Generationswechsel im Trainerbereich. "Wir müssen dafür sorgen, dass unser Trainer-Knowhow nicht ins Ausland abwandert. Ebenso wichtig ist es, junge Trainer zwischen 25 und 35 Jahren an erfahrene Kollegen zu koppeln."

Beispiele hierfür gibt es auch in Sachsen. Jahrelang hatte Gonschinska mit Jan May (37) einen jungen Assistenten an seiner Seite, der nach London selbst den Sprung vom Quereinsteiger zum Männer-Bundestrainer Kurzhürde geschafft hat und nun täglich in Leipzig mit Sprint-Bundestrainer Ronald Stein (50) auf dem Platz steht. In Chemnitz wird der Markkleeberger Sven Lang, der als Kugelstoß-Bundestrainer die WM-Medaillenkandidaten Christina Schwanitz und David Storl betreut, von Christian Sperling unterstützt, dessen erste Trainerstation das LAZ Leipzig war. Im Laufbereich arbeiten mit Diagnostik-Bundestrainer Thomas Dreißigacker (26) und dem erfahrenen Wolfgang Heinig (62) ein Leipziger und ein Ex-Leipziger eng zusammen.

Gonschinska macht sich als Teamplayer einen Namen. Er fördert den Austausch zwischen den Kollegen. "Für alle muss der Erfolg der Nationalmannschaft an erster Stelle stehen." Alte Zöpfe müssten abgeschnitten werden: "Es gab über Jahre Konkurrenzdenken zwischen Chemnitz, Dresden und Leipzig. Ich will aber eine enge Zusammenarbeit."

Gonschinska hofft, dass der DLV bei der WM nicht nur im Wurfbereich sowie im Stabhochsprung auftrumpft, sondern auch die Anstrengungen im Sprintbereich fruchten - vor allem mit Top-Platzierungen der 4x100-m-Staffeln. "Wir waren 2010 in der Vorbereitung erstmals im Frühjahr in den USA, um unter idealen klimatischen Bedingungen sowie gegen Weltklasse-Konkurrenz die Renngeschwindigkeit zu entwickeln." Mittlerweile tragen die Camps in Florida Früchte, um den ständigen klimatischen Vorteil der Karibik-Sprinter auszugleichen. Coach Ronald Stein sei bereit, neue Wege zu gehen, lobt Gonschinska. Er fordert von der Männer-Staffel, das Risiko der Wechsel zu erhöhen, wenn es um eine Medaille geht: "Wir müssen im Gegensatz zu London schon im Vorlauf angreifen." An Martin Keller vom LAZ Leipzig - seit Freitag in 10,07 s bester deutscher Sprinter 2013 - gefalle ihm, dass er vier Kilo abgespeckt hat, leichtfüßiger wirkt, aber auch an Start, Beschleunigung und Schrittlänge gearbeitet hat.

Eine Sächsin gehört zu den ersten heißen Eisen, die der DLV im Feuer hat: Christina Schwanitz habe durch ihren Hallen-EM-Titel in Göteborg enorm an Selbstvertrauen zugelegt. "Sie hat sich in allen athletischen Parametern verbessert, das Mental-Coaching wirkt sich positiv aus." Für Gonschinska ist die 27-Jährige eine Bank. Am Sonntag (Vorkampf) und Montag (Finale) will die Olympiazehnte ohne Nervenflattern endlich auch mal im Sommer groß auftrumpfen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.08.2013

Frank Schober

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