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Torhüter aus Leidenschaft – Handball-Olympiasieger Wieland Schmidt wird 60

Torhüter aus Leidenschaft – Handball-Olympiasieger Wieland Schmidt wird 60

Auf dieses eine Bild wird Wieland Schmidt wohl sein Leben lang angesprochen werden. Wutentbrannt und mit viel Adrenalin im Körper feuert der einstige Weltklasse-Handballtorhüter nach dem Abpfiff des Olympia-Finales im August 1980 den Ball ab.

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Wieland Schmidt ist heute Torwarttrainer beim SC DHfK und Co-Trainer beim HC Leipzig. (Archivfoto)

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. „Eigentlich wollte ich den russischen Kameramann, der mich nach jedem von mir kassierten Tor angegrinst hat, mit dem Ball abschießen“, erinnert sich Schmidt, der am Montag seinen 60. Geburtstag feiert, noch ganz genau an die Anekdote unmittelbar nach dem sensationellen Olympiasieg der DDR-Handballer über den haushohen Favoriten UdSSR. „Aber im letzten Moment habe ich es mir noch überlegt und der Ball flog haarscharf an seinem Kopf vorbei in eine Blechwand.“

Mit einem in der letzten Sekunde gehaltenen Ball des Russen Alexander Karschakewitsch machte Schmidt das Wunder von Moskau perfekt und krönte sich nach dem 23:22-Endspielsieg selbst zu einem der Weltbesten seiner Zunft. „Davon haben wir nicht mal zu träumen gewagt, da die Russen uns in allen Belangen überlegen waren“, blickt der 276-fache DDR-Nationalspieler mit Stolz zurück. Im Vorfeld hatten er und seine Kollegen wie Frank-Michael Wahl, Peter Rost oder Lothar Doering zwar das in einer Nebenhalle stehende Siegerpodest als Dritter schon mal ausprobiert. „Einer wollte ganz nach oben, aber wir haben ihn zurück gehalten, weil wir glaubten, es bringt Unglück.“

Seinen 60. Geburtstag wird „Willi“ in Leipzig nicht groß feiern, nur im Kreise seiner Familie und mit einigen engen Freunden. „Ich will das gar nicht feiern. Ich fühle mich nicht wie 60, das hört sich so uralt alt“, erzählt der gebürtige Magdeburger, der seit Jahren in der Messestadt lebt. Die zahlreichen Interviews und Fernsehberichte zu seinem Jubiläum freuen ihn: „Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, was ich erreicht habe.“

Den Weg zum Handball fand Schmidt über seinen Vater, der noch auf dem Großfeld aktiv war. Erst probierte er sich als Spieler, um dann im Tor seine Berufung zu finden und beim SC Magdeburg als Ausnahmekönner über mehr als ein Jahrzehnt die Szene zu bestimmen. „Torhüter sind eigentlich Idioten. Weil ein bisschen pervers ist dieser Job schon“, gibt der dreifache Handballer des Jahres, der mit dem SCM von 1974 bis 1989 kein einziges Heimspiel verlor, unumwunden zu. Sein Erfolgsrezept: „Mein unbedingter Siegeswille. Ich kann einfach nicht verlieren.“ Und dementsprechend lang ist die Liste seiner Erfolge: Olympiasieger 1980, Vize-Weltmeister 1974, WM-Bronze 1978 und 1986, zweifacher Europapokalsieger sowie Supercup-Gewinner 1981 und sechsfacher DDR-Meister.

Nach der politischen Wende spielte der seit 28 Jahren glücklich mit Michaela verheiratete Familienvater noch bis 1992 beim Bundesligisten SG Hameln, um dann endgültig dem geliebten Handball- Parkett Adieu zu sagen. Ein Angebot des großen FC Barcelona 1988 konnte er nicht annehmen, weil „die DDR-Obersten etwas dagegen hatten. Damals war ich sehr traurig, dass ich das nicht geschafft habe. Jetzt fahre ich mit meiner Frau hin und genieße die Stadt“, sagt Schmidt ohne Groll.

Seinen schwersten Kampf musste der gelernte Kommunikationswirt 1998 ausfechten, als er nach einer Herzmuskelentzündung klinisch tot war und nur durch Reanimation auf einer Leipziger Intensivstation wieder ins Leben zurück geholt wurde. „Da war ich mal kurz im Zauberwald“, erzählt Schmidt. Ein Schrittmacher regelt seitdem den Herzschlag des viel beschäftigten Olympiasiegers.

Sein Herz schlägt nach wie vor für den Handball. Als Torhütertrainer betreut er den weiblichen DHB-Nachwuchs sowie die Zweitliga-Männer des SC DHfK Leipzig. Beim mehrfachen Frauen-Meister HC Leipzig ist er zudem Co-Trainer. „Ich versuche, die Spieler weiterzubringen und freue mich über ihre Erfolge“, sagt Schmidt.

Er wünscht sich, dass Handball in Deutschland wieder die Sportart Nummer zwei wird: „Die Frauen haben bei der WM einen ersten Schritt gemacht und sind auf dem richtigen Weg. Das hoffe ich auch für die Männer. Handball soll wieder seinen alten Stellenwert erlangen.“

Sandra Degenhardt, dpa

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