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Unparteiische als Handelsware - Sachsens Fußball hat einen Schiedsrichter-Skandal

Unparteiische als Handelsware - Sachsens Fußball hat einen Schiedsrichter-Skandal

Sachsens Fußball hat einen Schiedsrichter-Skandal. Es geht buchstäblich um den "Handel" mit Referees, manipulierte Daten und um Geld, das dafür geflossen ist.

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Heiko Wittig vom Nordsächsischen Fußballverband (NFV).

Quelle: André Kempner

Leipzig. Das alles ist neben weiteren Verdachtsmomenten in einem verbandsinternen Schreiben des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV) aufgeführt, das der LVZ vorliegt.

In diesem "Antrag auf Einleitung eines Sportgerichtsverfahrens" stehen vornehmlich Heiko Wittig und Manfred Näther vom Nordsächsischen Fußballverband (NFV), einem Kreisverband des SFV, am Pranger. Die Rede ist aber auch von "weiteren bislang noch unbekannten Mittätern".

Den Funktionären wird hauptsächlich die Meldung falschen Schiedsrichter-Bestandes vorgeworfen, um Strafen für Vereine, die ihr Schiedsrichter-Soll nicht erfüllten, abzuwenden. Als Gegenleistung sollen die Beschuldigten oder deren Verband NFV Geld genommen haben.

Offenbar wurde mindestens sechs Vereinen aus Leipzig vom NFV gegenüber dem Leipziger Stadtverband FVSL bestätigt, dass Referees von ihnen in Nordsachsen zum Einsatz kommen. Damit konnten die betreffenden Vereine Geld- oder Punktstrafen umgehen, sie "frisierten" praktisch ihren Bestand an Unparteiischen, um das Soll (siehe Hintergrund) zu erfüllen.

Der SFV als übergeordnete Instanz ist entsprechenden Vorwürfen lange nicht nachgegangen, wohl auch, weil die Regelungen dazu zumindest bis vor Kurzem nicht eindeutig waren und unterschiedlich ausgelegt wurden. "Jahrelang wurden auch Sportfreunde anerkannt, die nur sogenannte Vereins-Schiedsrichter waren, also nicht für den normalen Spielbetrieb zur Verfügung standen, sondern andere Partien leiteten. Nun wird das aber strenger gehandhabt", erklärt Wittig.

In seinem Antrag auf Einleitung eines Sportgerichtsverfahrens führt SFV-Vizepräsident Stephan Oberholz (Leipzig) Fälle an, in denen benannte Schiedsrichter nicht auffindbar waren. So soll ein gewisser, 1954 geborener, Eberhard Lippert gar nicht existieren. Bei anderen seien Kontaktdaten unzutreffend. Weitere gibt es zwar, sie waren aber nie als Schiri tätig, andere haben bereits vor geraumer Zeit aufgehört, Spiele zu pfeifen. Ein weiterer ist nicht in Sachsen, sondern in Westfalen gemeldet.

Heiko Wittig ist eigentlich NFV-Präsident, hat aber sein Amt unlängst an Andreas Heinrich übergeben. "Allerdings nicht wegen dieser Vorwürfe, sondern weil ich für den Bundestag kandidiere. Dies verträgt sich nicht mit einem zur Neutralität verpflichtenden Amt", begründet der Löbnitzer. Und weist nahezu alle Vorwürfe zurück: "Ich muss mir nur ankreiden lassen, dass ich meine Kontrollpflicht verletzt habe." Er habe nicht mitbekommen, dass die an den SFV gemeldeten Referees nicht alle Bedingungen erfüllten. Es dürfen nur die gezählt werden, die pro Saison auf mindestens 15 Spiele kommen, sowie am Leistungstest und der Hausregelschulung teilgenommen haben. "Das erfüllen allerdings auch in anderen Verbänden garantiert nicht alle", ist Wittig überzeugt.

Gegenüber dem SFV habe er Stellung genommen, auch die Vereine sind dazu aufgefordert worden. "Vorwürfe zur Vorteilsnahme durch mich oder den NFV weise ich entschieden zurück." Die strittige Sachlage sei bislang äußerst langatmig und laut Beobachtern auch mit vielen Verfahrensfehlern behandelt worden. SPD-Mann Wittig hält den Umstand, dass der SFV die Sache gerade jetzt forciert, da er im Wahlkampf steht, nicht unbedingt für zufällig. "Ich habe anwaltlich prüfen lassen, ob ich wegen übler Nachrede Strafantrag stelle, sofern das Verfahren gegen mich eröffnet werden sollte", betont Wittig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.07.2013

Frank Müller

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