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Vor brisantem Duell in Dresden: DFB besucht Nordkorea - „Unendlich viele Mauern"

Vor brisantem Duell in Dresden: DFB besucht Nordkorea - „Unendlich viele Mauern"

Ob der Dolmetscher im Kulturpalast von Pjöngjang die Worte von Steffi Jones so übersetzt hatte, wusste am Ende keiner. „Der Fußball öffnet Grenzen“, erklärte die Chef-Organisatorin der Frauen-Weltmeisterschaften am Samstagabend beim Empfang in Nordkoreas Hauptstadt.

Pjöngjang. Die Nationalspielerinnen und Funktionäre aus dem Land der Diktatur durften sich auch bildhafte Worte der Grünen-Parteichefin Claudia Roth anhören: „Fußball kann die Türen ein ganz klein bisschen öffnen, wenn die Politik Mauern errichtet hat.“   

Beim ersten Besuch einer Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) überhaupt in Nordkorea unterzeichnete Präsident Theo Zwanziger einen Kooperationsvertrag mit seinem Amtskollegen Ri Jong Mu.

Ansonsten bekamen der Jurist aus Altendiez, die insgesamt fünf Bundestagsabgeordneten, darunter der Leipziger Thomas Feist (CDU), das WM-Organisationskomitee und die 14 mitgereisten Journalisten die harte politische und alltägliche Wirklichkeit in dem international isolierten und wirtschaftlich völlig heruntergekommenen Staat deutlich vor Augen geführt.

„Unendlich viele Mauern - im Denken, in allem“, stellte Zwanziger nach Gesprächen mit zahlreichen Politfunktionären fest.   

Zwanziger, Jones und Roth erhaschten bei all den Sitzungen nur wenige Blicke auf die triste Straßenszenerie Pjöngjangs mit ihren unverputzten Wohnsilos und stalinistischen Protzpalästen. Doch das reichte, um wie die Grünen-Politikerin festzustellen: „Ich hab’ noch kein Land erlebt, das mir so geschlossen vorgekommen ist, so in sich verbarrikadiert. Die Distanz ist so unendlich groß zu den Menschen.“

Auf Funktionärsebene gab es das lange geplante Händeschütteln, und Roth sprach in den Männerrunden viele politisch heikle Themen an. „Es gibt eine Aufgeschlossenheit, aber nicht im Parteiapparat“, sagte Zwanziger.

Das „Memorandum of understanding“ zwischen den beiden Fußballverbänden umfasst eine Zusammenarbeit bei Schiedsrichtern, Trainerausbildung und Nachwuchsteams. Zwanzigers nordkoreanischer Amtskollege Ri Jong Mu hatte die größte deutsche Delegation seit fünf Jahren in Nordkorea wie Staatsgäste direkt auf dem Rollfeld des Flughafens empfangen und meinte bei der Vertragsunterzeichnung: „Das ist ein wichtiges Dokument der Freundschaft. Eine Grundlage, um die Beziehung beider Länder zu festigen.“

Anlass der Reise war die letzte Station der „Welcome“-Tour von Jones: Die WM-Organisationschefin besucht - bis auf das von Tsunami, Erdbeben-und Atomkatastrophe betroffene Japan - alle Länder der Endrunden-Teilnehmer. Vor allem vom Gruppenspiel Nordkorea gegen USA am 28. Juni in Dresden erhofft sich Zwanziger eine kleine Annäherung der beiden verfeindeten Staaten „auf diplomatischer und sportlicher Ebene“. Jedenfalls soll der amerikanische Botschafter zu dem Spiel eingeladen werden.

Beim Empfang des WM-OKs wollten die übereifrigen Funktionäre verhindern, dass die Partie gegen den „Klassenfeind“ überhaupt angesprochen wird. Doch das ließen sich Jones, Roth und Co. nicht nehmen. Am Ende stellte sich die nordkoreanische Frauen-Auswahl, die am 21. Mai in Ingolstadt gegen WM-Titelverteidiger Deutschland ein Testspiel bestreitet, mit dem WM-Pokal und Maskottchen Karla Kick zum Erinnerungsfoto. So richtig warm wurde es in dem riesigen Saal aber den ganzen Abend nicht.   

Zwanziger hofft, dass es in naher Zukunft zum ersten Männer-Länderspiel zwischen beiden Ländern kommt. Für die Frauen-WM habe der DFB „unglaublich viele Einladungen“ ausgesprochen. Als Vermittler auf höchster sportpolitischer Ebene würde sich der DFB-Präsident auch beim Thema Südkorea sehen. „Wenn wir dazu beitragen können, dass die wieder gegeneinander spielen, dann wäre das eine gute Sache.“

Dann bremste sich Zwanziger selbst und meinte: „Wir sind keine Menschen, die hier Wolkenkuckucksheime bauen: Wir wissen, wie die Realität ist. Aber wir glauben daran, dass der Fußball einen ganz kleinen Beitrag leisten kann, dass sich die Menschen wieder etwas näher kommen.“

Die kesse Dame mit den roten Haaren wollten die Partei- und Fußballfunktionäre wenigstens fußballerisch auf Linie bringen: Ob ihre Partei nicht geschlossen bei der WM die nordkoreanische Mannschaft unterstützen könne, wurde Roth gefragt.

Ulrike John, dpa

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