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Wann greifen Sie Sebastian Vettel an? Marvin Kirchhöfer auf dem Sprung in die Formel 1

Wann greifen Sie Sebastian Vettel an? Marvin Kirchhöfer auf dem Sprung in die Formel 1

Der Leipziger Marvin Kirchhöfer, 19, gilt als das größte Talent im deutschen Autorennsport. Der Formel-3-Champion ist auf dem Sprung in die Formel 1. Wann es so weit ist und wovon das abhängt, erzählte der Rennfahrer bei seinem gestrigen Redaktionsbesuch.

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Marvin Kirchhöfer.

Quelle: Marco Lang

Frage:

Leipzig. Reden wir nicht um den heißen Brei: Wann fahren Sie gegen Sebastian Vettel?

Marvin Kirchhöfer:

Von mir aus könnte das sofort sein. Aber eine Prognose ist schwer. Denn es hängt von vielen Faktoren ab, ob man morgen, in fünf Jahren oder gar nicht in der Formel 1 fährt.

Was ist der Plan?

Wenn alles nach Plan läuft, fahre ich nächstes Jahr in der GP3-Serie, danach wäre die GP2 dran. Wenn es in der GP3 gut läuft kann es aber auch sein, dass ein Angebot für die Formel 1 kommt. Also wäre es 2015 oder 2016 so weit.

Aber es gab schon Anfragen aus der Formel 1, warum greifen Sie nicht zu?

Stimmt, es gab Anfragen und zwar für den Juniorkader. Den hat fast jedes Team. Dort bekommt man die Möglichkeit für Young Driver Tests. In denen kann man die Formel-1-Wagen kennenlernen und nebenbei trotzdem eine Rennserie fahren. Eigentlich eine gute Sache.

Warum haben Sie nicht angenommen?

Der Nachteil ist, dass man vertraglich gebunden ist, möglicherweise für mehrere Jahre. Das kann auch Türen verschließen. Wenn man das aus eigener Kraft stemmen kann, ist es gut, die Juniortests wegzulassen und sich auf die GP3 zu konzentrieren. Die wird im Rahmenprogramm der Formel 1 ausgetragen. Man lernt ein neues Auto und vor allem die großen Strecken wie Monaco, Abu Dhabi oder Silverstone kennen, auf denen ich noch nicht gefahren bin.

Welche Unterschiede gibt es bei den Autos?

In der Formel 3 hatte das Auto 240 PS, in der GP3 sind es 400, in der Formel 1 750 PS.

Sind Sie schon mal ein Auto der Königsklasse gefahren?

Nein. Ich konnte in Spa mal hinter die Kulissen schauen. Es ist wirklich ein großer Sprung. Bei der Formel 3 hatten wir im Team zwei Mechaniker, in der Formel 1 rennen gefühlt 25 Leute um dein Auto herum. Die GP3 als Zwischenschritt ist da einfach gut.

Warum nicht gleich der Sprung in die GP2, der Serie unterhalb der Formel 1?

Vom Talent wäre es sicher möglich gewesen. Aber finanziell ist es ein Riesensprung. Die Formel 3 kostet rund 600 000 Euro pro Saison, die GP3 liegt bei rund einer Million Euro, die GP2 wäre doppelt so teuer. Das muss man erst mal aufbringen.

Wer muss das aufbringen?

Wir selbst.

Sie sind ein guter Fahrer, ein Team will Sie, wo ist das Problem?

So einfach funktioniert es leider nicht. Im Motorsport muss man sich in ein Team einkaufen. Wenn man etwas Talent mitbringt, fällt der Preis, aber da reden wir über eine Spanne von 10 bis maximal 20 Prozent Einsparung. Daher pflegen wir die Kontakte zu unseren Sponsoren intensiv und sind ständig auf der Suche nach neuen.

Was würde Sie die Formel 1 kosten, 15 Millionen?

Es gibt keine festgelegte Summe. Dieses Jahr hat sich einer eingekauft, der hat 130 Millionen Euro mitgebracht. Sein Vater ist der Besitzer eines Ölkonzerns.

Ihr Vater führt ein Autohaus.

Da würde es auch nicht reichen, wenn wir das ganze Autohaus mit allen Autos verkaufen.

Woher kommen Ihre Sponsoren?

Das ist breit gefächert. Nussbaum Hydraulic Markranstädt, der Deutsche Post Speed Academy oder IFT etwa. Wir wollen gern mit denen weitergehen, da hoffen wir, dass sie das Budget erhöhen.

Um in der Formel 1 zu landen, braucht man Talent und Geld. Was noch?

Glück. Wenn man jemanden kennt und der sitzt am großen Hebel, kann das sehr hilfreich sein. Man muss zum richtigen Zeitpunkt zu den richtigen Leuten Kontakt haben.

Wann haben Sie Ihr Talent erkannt?

Als Kind habe ich beim SV Brehmer Fußball gespielt. Mit 12 bekam ich ein Angebot, zu Lok zu wechseln. Da stand die Frage, Motorsport oder Fußball. Ich habe mich für Motorsport entschieden.

Und von der Formel 1 geträumt?

Nein, der Gedanke an die Formel 1 hat sich erst in den letzten drei Jahren entwickelt, als ich gemerkt habe, dass meine Erfolge keine Eintagsfliegen sind.

Haben Sie den Kinofilm über Niki Lauda gesehen?

Natürlich, sofort als er rauskam.

Lauda hatte großes Glück, dass er überlebt hat. Bekommt man da Respekt vor der Formel 1 oder gar Angst?

Um das Risiko weiß jeder. Zum Glück wurden die Autos in den letzten Jahren in punkto Sicherheit enorm verbessert. Wichtig ist, dass man Respekt auf der Strecke hat. Aber man sollte keine Angst haben, mit Angst macht man Fehler.

Hatten Sie schon Unfälle?

Mit dem Kart hatte ich mir das Schlüsselbein, einige Rippen und das Handgelenk gebrochen. Im Formel-Auto ist bis jetzt - toi toi toi - nichts passiert.

Was finden Sie außer Motorsport noch interessant?

Eishockey. Ich freue mich auf den Besuch beim Match der Icefighters am Samstag. Dort kann ich auch etwas für die Bekanntheit meiner Sponsoren tun.

Wo verfolgen Sie am Sonntag das Formel-1-Rennen, in dem Vettel seine vierte Weltmeisterschaft perfekt machen kann?

In Leipzig, ganz gemütlich zu Hause.

Werden Sie Vettel gratulieren?

Seine Handynummer habe ich leider nicht. Das geht nur auf seiner Facebook-Fanseite.

Haben Sie schon Erfahrungen mit Groupies gemacht?

Am Donnerstag war ich Gast bei einer MDR-Sendung. Da standen hinterher zehn Mädels am Tor und wollten Autogramme.

Was sagt Ihre Freundin dazu?

Der habe ich das gar nicht erzählt. Aber sie geht damit ganz entspannt rum. Lydia spielt beim SC Markranstädt Handball, da kann ich ganz unbehelligt zuschauen.

Haben Sie schon nach einem Grundstück in Monaco Ausschau gehalten?

Nein, ich bin froh, dass ich hier in Leipzig wohne. Für mich gibt's keinen Gedanken, irgendwo anders hinzuziehen.

Bekommen Sie schon mal Angst, was in Ihrer Karriere vielleicht noch alles auf Sie zukommt?

Ich bin mir schon bewusst, dass sich in Zukunft einiges ändern kann. Aber ich sehe das nicht als großes Problem. Denn ich mache das nicht, um berühmt zu werden, sondern weil ich den Motorsport mit Leidenschaft lebe.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.10.2013

Kerstin Förster / Uwe Köster / Winfried Wächter

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